Geheimnisse der Wilsberg Filme

In Münster sind die Dreharbeiten für zwei neue Wilsberg Filme abgeschlossen. Ruhig ist es wieder geworden an dem kleinen Antiquariat, das jetzt auch wieder Solder und nicht Wilsberg heißt.

Wieder wurden zwei neue Wilsberg Filme in Münster und in Köln gedreht und wieder hat Martin Enlen die Regie. Schon in den beiden letzten Filmen. “Nackt im Netz” und “Mundtot” führte er die Regie. Und plötzlich fühlten sich mehr jüngere Zuschauer von der Reihe angesprochen als zuvor.

Auch der echte Antiquar „Michael Solder“, bemerkt in letzter Zeit eine verstärkte Nachfrage von immer jüngeren Kunden/innen, die in seinem Laden die Wilsberg DVD´s kaufen,
Dies alles ist auch für uns nun Grund genug, sich mit dem Regisseur, dem Team und dem Set zu beschäftigen. Aber fangen wir zuerst mit dem Regisseur Martin Enlen an.

Herr Enlen, was macht eigentlich ein Regisseur?

„Oh das ist aber eine gute Frage schon allein deshalb, weil ich sie mir bis heute manchmal selber noch stelle. Wenn ich ein Drehbuch bekomme und es lese, dann spielt sich in meinem Kopf die Geschichte des Buches ab. Und wenn ich mit der Vision meines „Kopffilmes“ auf einer Wellenlänge bin, dann bemühe ich mich mit meinem Team, den „Kopffilm“ in einen realen Film umzusetzen, der hoffentlich bei den Zuschauern ankommt.“, sagt der erfolgserprobte Regisseur in seiner bescheidenen Art.

Martin Enlen sieht sich nur als Teil des Ganzen.

Ein kleiner Teil aller beteiligten Personen solch einer Produktion, der aber die Aufgabe hat, alle unter seinen schützenden und bündelnden Mantel zu vereinen. Etwa wie ein Stromkabel, dass viele einzelne Adern richtungsweisend vereint und das so zu einem kreativen Starkstromkabel wird.


Starke Profis


Das Team um Martin Enlen ist eine Ansammlung von Profis, die entweder spitzenmäßig mit der Kamera umgehen können, die Technik im Griff haben oder vom Ton ein Lied singen können. Schauspieler, die Geschichten zum Leben erwecken und Setaufnahmeleier die so manchen Dreh schon gerettet oder ermöglicht haben. Eigentlich hätte jedes Crewmitglied eine Erwähnung verdient, doch das würde leider den Umfang eines solchen Artikels zum Buch werden lassen.

Der Teamplayer

Das er ein wirklicher Teamplayer ist, wird jedem klar, der schon mit ihm zusammenarbeiten konnte. Wir durften einige Tage die Dreharbeiten an verschiedenen Sets in Münster begleiten. Und natürlich haben wir viele Leute am Set über ihre Eindrücke zum Regisseur befragt.

Mit Leonard Lansink, der den Wilsberg spielt, fangen wir an und er fasst es in einen Satz zusammen, „Er ist irre nett, zurückhaltend und freundlich“. Dabei hat Lansink selbst schon oft am Theater die Regie geführt und behauptet von sich „Ich war bestimmt nicht so nett wie der Martin bei der Arbeit“.

 

 

 

 

Auch Oliver Korittke weiß nach sieben Jahren genau wie er den Eki spielt, er findet es aber ebenso wichtig, der Figur mal eine andere Farbe zu geben. Besonders schätzt er an Martin Enlen die Ruhe und Zufriedenheit, die er bei den Dreharbeiten vermittelt und er fügt hinzu, “ Es ist auch selten, dass ein Regisseur morgens in die Maske kommt und allen erstmal so richtig guten Tag sagt. Das macht das Klima dann besonders stimmig. Das sind so Arten, die hat der Martin drauf und so funktionieren Schauspieler natürlich besonders gut.“

Die Chemie stimmt auch über Münster Dächern

Ina Paule Kling ist schon 14 Jahre wichtiger Bestandteil als Georg Wilsbergs Patentochter Alex und hat schon mit vielen Regisseuren gearbeitet.

„Er versprüht unglaublich viel Spaß und Lebensfreude bei der Arbeit und sieht dabei jede winzige Kleinigkeit“, weiß die Schauspielerin und man merkt es ihr an, denn plötzlich singt sie in einer Drehpause weit oben über den Dächern am Hafen. Danach gibt es noch eine Massage von einem Schauspielkollegen und der bekommt eine Massage vom Regisseur, freiwillig, und nicht weil der Fotograf es so wollte. Das sind die Kleinigkeiten, die einfach funktionieren, wenn die Chemie stimmt oder Freunde unter sich sind.

Dreharbeiten wie im Urlaub

Das sieht auch ihr Schauspielerkollege Josef Heynert(2v.l.), der einen Gast-Bösewicht spielt, so. „Für mich waren die Dreharbeiten hier in Münster fast schon wie Urlaub. Es war total entspannt und es wird auf jede Kleinigkeit sofort reagiert. Es ist ihm sehr wichtig auch andere Meinungen und Wünsche einzubauen. Gemeinsam mit diesem tollen Team habe ich hier am Set eine Arbeitsatmosphäre erlebt, die ich schon lange nicht mehr so relaxed empfand.“

Und alle weiteren Schauspieler, die wir während der Dreharbeiten befragten, haben in etwa die gleichen Aussagen gemacht. Damit haben wir schon gerechnet, denn über Schauspielerkollegen und Crewmitglieder, Regisseure, Produzenten, Autoren etc. spricht eigentlich niemand schlecht.

Bernd Michael Lade ist von dem Team in Münster sehr beeindrukt, als Regisseur und Schauspieler kennt er beide Seiten und findet, “Das ganze Team ist gut aufeinander eingespielt, kein Stress, keine Meinungsverschiedenheiten und sehr Kreativ”.

Aber die Antworten, die wir erhalten haben, sind nicht die übliche Lobhudelei, nein sie vermitteln den wahrhaften und ehrlichen Ausdruck tiefer Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Beinahe sind wir versucht zu sagen, es schwingen liebevolle Wertschätzungen im Meinungsbild über diesen Menschen.

Aber ist dies allein schon das Geheimnis für gute Unterhaltung?

Schließlich wurde schon 1992 Enlens Studiumsabschlussfilm „Aus gutem Grund“ in der Kategorie „Bester Studentenfilm“ für den Oskar nominiert und mit Gold- und Silber beim New York Film Festival ausgezeichnet.

Wir fragen den 1960 in Bielefeld geborenen Martin Enlen, nach dem Geheimnis des Erfolgs. (Natürlich ist er nicht in Bielefeld geboren, dennoch der “Bielefeld-Gag* gehört einfach zu Wilsberg-Geschichten dazu 🙂 Nachfolgend jetzt der richtige Text …)

Wir fragen also den 1960 in Frankfurt geborenen nach dem Geheimnis der letzten Wilsbegfilme, die vor allen Dingen auch bei jungen Zuschauern enorm gut angekommen sind und was er aus seiner Sicht dazu beitrug.

„Das ist jetzt aber sehr schwer zu beantworten…
Ich sehe mich nicht als das Maß der Dinge, wir sind ein großes Team und wenn jemand eine tolle Idee hat und sagt, lass es uns doch mal so versuchen, dann probieren wir das einfach. Dieser Spaß am Set mit denn kreativen Ideen aus unserem Umfeld und der gemeinschaftlichen Arbeit macht vielleicht genau das, was die Zuschauer mögen. Und wenn dann der Funke überspringt, gibt es sowieso keine Altersgrenzen.“

Wer aber sehr maßgeblich am Erfolg eines Filmes beteiligt ist“, fügt Enlen hinzu, „ist immer auch der Kameramann und mit Philipp Timme, meinem Kameramann, bin ich viele Jahre befreundet. Wir denken fast wie ein verheiratetes Paar und brauchen wenig Worte um zu verstehen, was der andere meint“.

 „Und Pause“

Ruft plötzlich jemand von hinten.
Collin Bennett, seines Zeichens Set-Aufnahmeleiter und gute Seele der Produktionsfirma, kümmert sich in erster Linie um alle Belange von Gesprächen mit Motivgebern bis zum Einsammeln verlorengegangener Schauspieler. Er ist auch derjenige, der am lautesten am Set rufen darf, in der Regel sind es Sätze wie „So, jetzt Ruhe bitte – Aufnahme“, oder „ Danke das war´s – Sperrungen wieder öffnen“. Auch Collin hat eine Meinung zu Martin Enlen, „Er ist einfach toll. In meiner 15-jährigen Berufserfahrung gehört er zu den tollsten Menschen, die ich kennenlernen durfte. Super vorbereitet und einfach ein guter Umgang.“

Und schon ist die kurze Pause vorbei, die Crew bereitet die nächste Szene vor, „Und – Achtung – Aufnahme“ ….

Der echte Antiquar schaut gelassen zu

Michael Solder hat auf einer Bank in der Nähe seines Ladens Platz genommen und schaut dem geschäftigenreiben der Filmleute gelassen zu. Er hat Pause und ist auch mal ganz froh an der frischen Luft zu sitzen. „An manchen Tagen“, so erzählt er, “verkaufe ich mehr Filme als Bücher“.

Auf unsere Frage warum gerade in seinem Ladenlokal so viele Filme verkauft werden, antwortet Michael Solder, „Eine echte Wilsberg DVD“ gibt es nun mal nur in dem kleinen Eckladen in Münster“. Dann lacht er etwas verschmilzt und fügt hinzu, „ Für viele Kunden gibt es ein wenig <Gänsehautfeeling> dazu, wenn die Filme am Original-Drehort gekauft werden und das Wilsberg – Autogramm ist natürlich inklusive“. Und dann sagt er mit einem wissenden Lächeln, „Der Blick durch den geheimnisvollen Vorhang ist natürlich obligatorisch für die Fans, bevor sie den Laden wieder verlassen“.

* (Als Running Gag wird in jeder Wilsberg-Episode mindestens einmal “Bielefeld” erwähnt oder bebildert. Der Hintergrund dieses Scherzes ist, dass Bielefeld die Heimatstadt des zuständigen ZDF-Redakteurs Martin R. Neumann ist.)

 

 


 

 

 

 

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