Tagesarchive: 19. April 2015

Lyrische Porträts und Lyriker im Porträt

Ob in Fotografie, Film, in Gedichten oder in Gesprächen – das Thema „Porträt“ zieht sich wie ein roter Faden durch das 19. Lyrikertreffen Münster (8. bis 10. Mai)  und –  bereits im Vorfeld – auch durch das junge Begleitprogramm Poetry.

An die vielfach preisgekrönte DDR-Autorin Helga M. Novak (1935-2013) erinnert das Lyrikertreffen. Deren kraftvolle Liebesgedichte hat Silke Scheuermann herausgegeben und wird sie in Münster vorstellen (9. Mai, 14 Uhr im Theatertreff). Noch als junges Mädchen war Novak gegen den Willen ihrer Adoptiveltern in die FDJ eingetreten, später wird sie Mitglied der SED. Enttäuscht von den Erpressungsversuchen der Stasi bricht die „Unangepasste“ mit der Partei, verliert Studienplatz und Staatsbürgerschaft und bleibt zeitlebens doch bekennende Ostdeutsche. Helga M. Novak habe sich ihren eigenen Mythos geschrieben, schreibt Silke Scheuermann. „Der ist atavistisch und zugleich radikal modern, ist singulär, abnorm, er trägt etwas entschieden Verrücktes in sich, ist kindlich und erwachsen zugleich“.

Ein anderes Porträt gilt dem Pulitzer-Preisträger und US-Klassiker Wallace Stevens (1879-1955). Joachim Sartorius stellt den in Deutschland eher unbekannten Lyriker und Essayisten vor, der als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur gilt. „Um Wallace Stevens‘ eigene singuläre Größe zu erfassen, müssen wir seine Gedichte wieder und wieder lesen“, schreibt Herausgeber Sartorius im Vorwort zum Gedichtsammelband „Hellwach am Rande des Schlafs“. Stevens, neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit zugleich Anwalt und Vizepräsident einer großen Versicherung, sei immer „von der humanistischen, ja nahezu religiösen Aufgabe der Dichtung überzeugt“ gewesen.

Sensiblen Foto-Studien von Literaturschaffenden, darunter Namen der Weltliteratur, steht der Betrachter noch bis zum 24. Mai im Stadtmuseum gegenüber. In dieser Schau der Friedrich-Hundt-Gesellschaft sind nahezu 100 Autoren-Portraits ausgestellt, die drei  preisgekrönte Fotografinnen gemacht haben. Zu den Fotografien gesellt sich am 5. Mai, 19 Uhr, das Versmaß: Schauspieler lesen in der Ausstellung lyrische Porträts in vielen stilistischen Spielarten.

Zwei Porträts (20. und 27. April, 19 Uhr im Schlosstheater) nähern sich dem Dramatiker Heiner Müller (1929-1995). Die Filmdokumentation über die Proben zu dessen legendärer Hamlet-Inszenierung in Ost-Berlin in den Tagen vor der Wende gilt heute als ein einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte.

Foto:
Silke Scheuermann (Foto) erinnert an ihre große Dichterkollegin Helga M. Novak. Werke der vielfach ausgezeichneten Autorin und Droste-Preisträgerin aus Ost-Berlin wurden in der DDR nie gedruckt. Foto: Kirsten Bucher.

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