Jammern auf hohen Niveau

Heute, 05.05.2015, stellte die IHK eine Studie zum Mindestlohn vor. Gefragt wurden die Unternehmen die in der IHK organisiert sind. Beteiligt haben sich rund 350 von über 150.000 Mitgliedsunternehmen. Dementsprechend kann nicht von einer repräsentativen Umfrage gesprochen werden. Daher erstaunt das Ergebnis nicht.
Als “kräftige Schaufel Sand im Getriebe der Wirtschaft” bewertet natürlich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen die Einführung des Mindestlohns. Nach ihrer Unternehmensbefragung, sind danach drei Viertel der Unternehmen die geantwortet haben im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region von den Auswirkungen des Mindestlohns unmittelbar betroffen, “25 Prozent (ca. 0,058 Prozent der Mitgliedsunternehmen, Anmerkung der Redaktion) sogar sehr stark”.
Dabei kritisieren die Teilnehmer nicht den Mindestlohn selbst. Im Zentrum der Kritik stehen eher die “bürokratischen Nebenwirkungen”. 75 Prozent der Teilnehmer der Umfrage würden eine Mehrbelastung durch die erhöhten Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten verspüren. 37 Prozent dieser Unternehmen bezeichnen ihren Aufwand zur Erfüllung der Vorschriften als groß.
Als “eine der gravierendsten Begleiterscheinungen” bezeichnete der IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer, dass Unternehmen für die Einhaltung des Mindestlohns bei ihren Subunternehmen haften. 56 Prozent der Studien-Teilnehmer (ca. 200 Unternehmen von über 150.000 Mitgliedsunternehmen) sehen danach haftungsrechtliche Risiken in der Zusammenarbeit mit Subunternehmen. Zwei Drittel davon würden diese Risiken aus ihrer Sicht für nicht oder allenfalls teilweise beherrschbar halten.
Nach Meinung der IHK führe der Mindestlohn nicht nur zu mehr Bürokratielasten, sondern auch zu einer größeren Verunsicherung, “wie mit vertraglichen geregelten Wertschöpfungsketten umzugehen ist”, resümierte Hüffer.
Zu den Verlierern der Lohnregulierung zählen voraussichtlich Praktikanten. Denn nach der IHK-Umfrage wollen 38 Prozent der Teilnehmer ihr Praktikumsangebot auf die eine oder andere Weise einschränken. 19 Prozent wollen in Zukunft ganz auf Praktikanten verzichten, jede zehnte Teilnehmer-Firma wird weniger einstellen. Fast ebenso viele werden die Praktikumszeiten verkürzen, “zumeist wohl auf die Obergrenze von drei Monaten”, so Hüffer, der kritisierte: “Das dient nicht einer frühzeitigen Berufsorientierung. Gerade Praktikumserfahrungen werden als ein Baustein für den beruflichen Einstiegserfolg gewertet. Insofern erweist der Mindestlohn den jungen Menschen einen Bärendienst.” Unberücksichtigt bleibt die ‘Generation Praktikum’. Voll ausgebildete Berufsanfänger die massenweise mit Praktikantenstellen abgespeist wurden. Darauf gab die Studie keine Antwort.
Die betrieblichen Reaktionen auf den Mindestlohn sind nach derzeitigem Stand unterschiedlich: Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer der Studie will keine Maßnahmen ergreifen. Von denen, die reagieren, wollen jeweils 23 Prozent entweder die Preise anheben oder die Arbeitszeiten verkürzen. 16 Prozent reagiert mit Personalabbau bzw. Rationalisierung. 13 Prozent wollen Sonderzahlungen zum Ausgleich kürzen. Relativ wenige Unternehmen denken an eine Einstellung von Leistungen (acht Prozent) oder an ein vermehrtes Outsourcing (acht Prozent). Hier wird aber von den Arbeitgebern nur das wiedergegeben, was diese bei jeder Art von Veränderungen in den Ring werfen, was nicht zu ihren Gunsten ist.