Ära der Postkutschen in Münster wurde vor 80 Jahren beendet

Postfahrzeuge am Münsteraner Bahnhof

Historische Aufnahme vom Hauptbahnhof in Münster / 1927

Der Poststreik liegt nur ein paar Tage hinter uns und so manchem wurde dadurch bewusst, wie wichtig ein zuverlässiger Postverkehr ist. Über 60 Millionen Briefe und über drei Millionen Pakete sind allein in Deutschland täglich im Umlauf. Da ist es fast kaum vorstellbar, dass bis in die 1930er Jahre noch Postkutschen zur Beförderung von Postsendungen eingesetzt wurden. Erst 1935, also vor 80 Jahren, schaffte die Deutsche Reichspost in Münster die Kutschen ab.

Postwagen und Kutschen prägten annähernd drei Jahrhunderte lang das Straßenbild in Deutschland. Mitte des 17. Jahrhunderts begann der Aufbau eines flächendeckenden Netzes zur Beförderung von Briefen, Paketen und Reisenden per Pferdekutsche. Doch schlechte Straßen, unbequeme Kutschen und langsames Fahrtempo machten vor allem das Reisen beschwerlich. 1821 wurde daraufhin die Schnellpost eingerichtet. Statt 40 Stunden brauchte man von Frankfurt nach Stuttgart „nur“ noch 25 Stunden. Mit der Eisenbahn und dem Automobil ab 1900 begann schließlich der Niedergang der Pferdepostwagen. In den 1920er Jahren wurden fast alle Pferdepostleistungen „verkraftet“, wie es damals hieß. Noch bis 1927 verwendete man in Münster Pferdewagen im örtlichen Postverkehr.

Gelber Paketwagen – Ausstellung des Westfälischen Pferdemuseums.

Im Westfälischen Pferdemuseum erinnert ein originaler, leuchtend gelber Paketzustellwagen der „Deutschen Reichspost und Telegraphen-Verwaltung“ an diese Zeit. Er führt anschaulich vor Augen, wie rasant die Entwicklung der Post- und Telekommunikationsgeschichte in den letzten Jahrzehnten war.

Und wer weiß, vielleicht sehnt sich der ein oder andere sogar zurück nach dieser Zeit, in der es im sprichwörtlichen „Schneckentempo“ vorwärts ging…

elbe Paketwagen aus der Ausstellung des Westfälischen Pferdemuseums und eine historische Aufnahme vom Hauptbahnhof in Münster von 1927.