Menschenrechte in verschiedenen Kulturen besser verankern

Wie wir bereits berichteten, hat die katholische Kirche in Lusaka eine Tagung über Menschenrechte abgehalten. Angespornt durch offene Worte des Papstes aus Rom, wurde in Sambia hart über die Verankerung dieser Rechte in verschiedenen Kulturen diskutiert.

2015-06-28_Zekorn_Malenga_Konferenz_Menschenrechte_Sambia„Diese Tagung hat geholfen, das Verhältnis von Menschenrechten und traditionellen Werten besser zu verstehen“, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn (Münster), Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz bei der Internationalen Begegnung mit dem Titel ‚Traditionelle Werte: Impulsgeber oder Hemmnis für die Menschenrechte?‘ in Lusaka, Sambia, zog am Ende eine positive Bilanz: „Solche Begegnungen tragen dazu bei, Menschenrechte in den verschiedenen Kulturen besser zu verankern.“

Vertreter der Kirche, der Vereinten Nationen, des Afrikanischen Menschenrechtsschutzsystems, der Regierungen Deutschlands und Sambias sowie der Zivilgesellschaft hatten vom 25.-27.06.2015 in der Hauptstadt des südafrikanischen Binnenstaates getagt, um Spannungen zwischen kulturellen Überzeugungen und Menschenrechten zu diskutieren. Initiatoren des Treffens waren die ‚Deutsche Kommission Justitia et Pax‘ in Bonn und das ‚Jesuit Center for Theological Reflection‘ in Lusaka.

Besonders beeindruckt hätten ihn praktische Beispiele zur Verbreitung der Menschenrechte, schilderte Zekorn. Er habe etwa erfahren, dass Frauen Tänze im traditionellen Stil entwickelt hätten zu Themen wie ‚Heirate nicht in eine Polygamie‘ oder ‚Gewalt hat in der Familie keinen Platz‘. „So bringen sie anderen Frauen Inhalte nahe, die sie stärken“, lobte der Weihbischof. In Sambia mache ein Priester den Menschen ihr Recht auf sauberes Wasser bewusst, indem er ihnen erkläre, dass Gott der Schöpfer sei, der das Leben erhalten wolle, weshalb die Menschen ein Recht hätten, die dafür notwendigen Güter zu erhalten. Dies seien richtige Schritte auf einem langen und notwendigen Weg, wertete Zekorn.

„Auch wenn viele kulturelle Praktiken aus der Mode gekommen sind, verändern sich die zugrunde liegende Haltungen doch nur im Schneckentempo“, betonte Erzbischof Buti Thlagale von Johannesburg. Dabei stehe es außer Frage, „dass nationale Regierungen die Menschenrechte in ihre Verfassungen zu inkorporieren haben und sich zu ihrer Umsetzung verpflichten“, betonte Tlhagale.

Der Einsatz für die Menschenwürde zähle zu den besten Werten und Traditionen innerhalb der Kirche, stellte Erzbischof Gabriel Anokye aus Ghana, Vizepräsident der allafrikanischen Bischofskonferenz heraus und wies darauf hin, dass sich die Kirche darauf immer wieder neu besinnen müsse, um ihrer Soziallehre Wirkung zu verleihen. Verletzungen der Menschenrechte handelten „dem Plan Gottes für das Wohl der Menschen zuwider“, stellte Anokye klar.

Soweit Traditionen und kulturell geprägte Überzeugungen Menschen ermutigten, ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zu führen, seien sie eine wichtige Motivationsquelle auch für den Einsatz für Menschenrechte, unterstrich Heiner Bielefeldt, Moderator des Sachbereichs Menschenrechte bei Justitia et Pax. „Ohne Rückhalt in der durch kulturelle Traditionen geprägten Lebenswelt können sich Menschenrechte nicht dauerhaft entfalten“, sagte Bielefeldt, der auch UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist. Nicht selten stünden aber kulturelle Praktiken einer freien Entfaltung der Person entgegen; solche Traditionen müssten mit Verweis auf mangelnden Respekt vor der Menschenwürde als menschenrechts-unverträglich kritisiert werden, fasste Bielefeldt zusammen.

Auch aus Sicht von Weihbischof Zekorn bleibt in dieser Frage viel zu tun: „Es müssen weitere konkrete Schritte überlegt und verwirklicht werden, wie etwa das Thema der Gewalt gegen Frauen präventiv in unseren Gesellschaften angegangen werden kann“. Darüber müsse „von der Schule an in allen Bereichen der Gesellschaft mehr gesprochen werden“.