Hippie-WG auf dem Wasserschloss

Eine zukünftige Vorabendserie im TV?- Allein der Titel sorgt schon für stimmungsvollen Filmspaß. Die Idee dazu hatte eine Frau, die sich im Film-Umfeld des Münsterlandes bestens auskennt, Nicola Ebel, die Leiterin des „Filmservice Münster.Land“. Eine Frau mit unendlich vielen Ideen und besten Kontakten zur Filmindustrie, doch das war nicht immer so. Zu Beginn ihrer Tätigkeit bei der Stadt Münster wurde sie oft belächelt oder ganz nach Sitte der Münsteraner, mit einer vorsichtigen Ablehnung konfrontiert. „Das ist doch alles Kokolores, völliger Quatsch und Unsinn. Wer will den hier in Münster schon groß Filme drehen?“, das hörte sie nicht nur einmal.

Erfolg macht stark
imagesDoch engagiertes Arbeiten zahlt sich in der Regel aus, und inzwischen sind viele der ehemaligen Kritiker nicht nur äußerst Stolz auf die positive Entwicklung, sie glauben sogar, diese Entwicklung selbst vorangetrieben zu haben. Aber so ist das ja oft im Leben.

Durch Nicola Ebel und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Münster wird den Filmschaffenden hier eine sehr entspannte Arbeits-Atmosphäre geboten, in der sich die Produktionscrews wohlfühlen. Und wenn eine Produktion entspannt ablaufen kann, ist dieses sehr oft auch im Film erkennbar. Viele Regisseure, Schauspieler und Filmkritiker bestätigen diese Auswirkung auf das Endprodukt.

No und Low-Budgetproduktionen sind da ebenso gern gesehen wie Etablierte, denn die Filmförderung liegt Nicola Ebel sehr am Herzen. Das zeigt auch das große Interesse von Filmstudenten aus dem ganzen Land, die extra zum Drehen nach Münster reisen.

Eine gewaltige Aufgabe ist die Betreuung der Produktionsfirmen.DSC01477 Dazu gehört die Unterstützung bei der Locationsuche der möglichen Drehorte. Mitarbeiter von Produktionsfirmen sprechen mit der excellent vernetzten Nicola Ebel über gewünschte Voraussetzungen der Filmorte und in der Regel kann sie sehr schnell eine riesige Vorauswahl im Münsterland anbieten. Danach kommen dann die Locationscouts um sich ein genaueres Bild vor Ort zu machen. Passt dann alles, kommen die Scouts mit Autoren, Regisseuren, DSC02049Kameraleuten und Beleuchtern zum vorgeschlagenen Ort, um die Location sowie Drehbedingungen genau zu betrachten. Wenn dann die Bedingungen zusagen, wird vereinfacht gesagt, bald gedreht.
Aber auch die Veranstaltungsorganisation, die vor etwa 15 Jahren in Münster eingeführt wurde, nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Anfänglich war es nicht viel mehr als der krönende Abschluss einer Locationtour für Filmschaffende, die mit dem Bus zu verschiedenen Orten im Münsterland gefahren wurden. Doch um einen bleibenden Eindruck bei den Teilnehmern zu hinterlassen, brauchte es einen besonderen Höhepunkt. Dann kam eine weitreichende Idee.

Kinovorpremiere
Im Vorfeld zur eben erwähnten Tour, sprach dieIMG_0166 Chefin des Filmservices mit den Münsterschen Filmtheaterbetrieben, dem ZDF und der Produktionsfirma von Wilsberg, sie wollte einen Fernsehkrimi als Kinovorpremiere aufführen. So etwas gab es vorher noch nicht, die Idee war neu und zeigte sich als Riesenerfolg. Diese Idee aus dem Münsterland ging danach auf Reisen. Inzwischen werden alle möglichen Fernsehfilme in vielen Städten vorab präsentiert. Produktionsfirmen, Schauspieler, Motivgeber und viele weitere Beteiligte, werden dann zu den Premieren eingeladen.

Das flexible Münsterland
DSC01162Den Menschen im Münsterland wird oft eine gewisse Sturheit zugeschrieben, die im Einzelfall auch wohl auf traditionellen Beinen steht. Aber im Vergleich mit vielen anderen Regionen, hört die in Billerbeck lebende Filmchefin der Stadt oft von äußerst unflexiblen Arbeitsbedingungen durch Bürger, die lange nicht so geduldig und hilfsbereit sind, wie eben die Menschen in dieser Region. Bestes Beispiel waren die Dreharbeiten in Duisburg zu den Tatorten „Schimanski“, das war eine reine Hassliebe und wurde oft von genervten Bürgern behindert.
„Was die Menschen in dieser Region nicht akzeptieren, sind Verfälschungen in der Darstellung des Umfeldes. Kraftwerke passen einfach nicht zum Bild des Münsterlandes“, erklärt die erfahrene Ebel.

Mehr Selbstbewusstsein für Filmschaffende
Nicola Ebel wünscht sich ein wenig mehr Selbstbewusstsein bei den Filmaffinen im Münsterland. Es gibt hier hervorragende Netzwerke, die gemeinsam viel auf die Beine stellen können. Wer Interesse hat, darf sich gern bei ihr melden. – Gemeinsam ist Vieles möglich, was vorher undenkbar erschien.

Kommune auf dem Bauernhof
Aber ein ganz spezielles Projekt liegt ihr schon von Anfang an am Herzen. DSC02219Es geht um die filmische Aufarbeitung der 80ger Jahre, die bisher nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten haben, wie sie es verdienen würden. Zum Beispiel würde sie sich eine Hippie-Soap wünschen. So in etwa eine „Hippie-WG auf einem Wasserschloss“, als Vorabendserie. – Wer dazu Ideen, Vorschläge oder Drehbücher beisteuern möchte, darf sich ebenfalls gern bei ihr melden.

Um zu entscheiden, welches Drehbuch beim Publikum gut ankommt, würde sich eine Lesung auf den Provinzfilmtagen zum Herbst 2016 anbieten. Sicherlich wird es dafür auch den einen oder anderen Preis geben, und wenn sich genügend Leute zusammenfinden, auch eine Kinopremiere unter dem Motto „Münsterländisches Filmgut“ ist denkbar.

Dies ist auch noch ein Tipp für den 10.12.2015 im Cinema. In der Dokumentation „Gut Schlauch!“, geht es um einen Trinkspruch der Rekener Feuerwehr, die 1956 bei den Dreharbeiten zum Film „Dorf in der Heide“, als Statisten dabei waren.

„Gut Schlauch!“ ist sozusagen ein nachträglicher Blick hinter die Kulissen vom „Dorf in der Heide“, und unbedingt sehenswert.
• Wer sich mit Nicola Ebel in Verbindung setzen möchte, kann dies unter filmservice(at)stadt-muenster.de

• oder über die dazugehörige Webseite: http://www.muenster.de/stadt/filmservice/