Feuerwehr, Münster Journal

Wenn es brennt und kracht – 112

Tagtäglich werden sie gebraucht, die fleißigen Frauen und fire-22480_640Männer der Feuerwehr. Doch wie funktioniert das System Feuerwehr eigentlich genau? Wie viel Feuerwehr braucht Münster oder eine andere Stadt im Münsterland wirklich? Und wie viel in den kommenden Jahren?

Die Städte und Gemeinden können auch im Jahr 2015 noch nicht mit der Glaskugel in die Zukunft sehen, daher wurden alle Daten der vergangenen Jahre gesammelt, ausgewertet und mit den sich abzuzeichnenden Veränderungen im zukünftigen Geschehen berechnet.

DSC01824Die Auswertung der gesammelten Daten wurde am gestrigen Mittwoch im Büro des zuständigen Dezernenten Wolfgang Heuer mit dem Chef der Feuerwehr Münster, Benno Fritzen, und dem Brandschutzbedarfsplan der Stadt Münster, vorgestellt. Brandschutzbedarfsplan (BSBP) ist eigentlich schon falsch, denn in diesem Plan geht es um weit mehr als nur den Brandschutz. Die Bezeichnung Feuerwehrbedarfsplan würde es vermutlich treffender bezeichnen.

Aber wofür dieser ganze Papierkrieg wird sich so mancher fragen. Wenn es brennt, dann kommt die Feuerwehr und löscht, punkt. Und da sind wir schon inmitten der Bedarfsanalyse.

Wenn es brennt, sind genaue Vorgaben zwingend erforderlich, um die Qualität der Brandbekämpfung ermöglichen zu können. Wie lange braucht das erste Einsatzfahrzeug um an den Brandort zu gelangen, was geschieht wenn es plötzlich bei einem Gewitter zu zehn großen Bränden in allen Stadtteilen kommt? Oder wenn die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr in der Urlaubszeit zu mehreren Großeinsätzen sollen. Wie wird das ermittelt, geplant und ermöglicht?

Exakte Punktlandung in Münster
Dazu hat der Gesetzgeber ein grundsolides System in Form vfire-478502_640on Schutzzielen ausgearbeitet und mithilfe des BSBP wurde für die Stadt Münster eine genaue Punktlandung des geforderten Sicherheitsniveaus ermittelt. Das die Sicherheitsziele nicht nur erfüllt, sondern in einigen Teilen weit übertroffen werden, ist eine überaus gute Nachricht, denn je weniger nachreguliert werden muss desto besser funktioniert die Gefahrenabwehr der Stadt.

Um aber auch Erkenntnisse aus den letzten Jahren (Starkregenereignis), in geänderte Sicherheitsziele einzuarbeiten, gibt es Regulierungsbedarf bei den Meldesystemen. Insbesondere bei den Sirenen, die in der Vergangenheit bundesweit abgebaut wurden und nun in veränderter Wirkform wieder zum Einsatz kommen sollen.

Um die bestehenden und geforderten Ziele zum Qualitätsstandart werden zu lassen, bedarf es der Genehmigung durch den Rat der Stadt Münster, die den Plan vermutlich erst im Februar 2016 beschließen kann. Dies ist den aktuellen Geschehnissen geschuldet.

Ein wichtiger Punkt in der Betrachtungsweise der Feuerwehren ist, diese nicht in zwei Klassen zu unterteilen. Die Freiwillige Feuerwehr und die Berufsfeuerwehr sind beides Feuerwehren der Ersten Klasse. Nur durch den Zusammenhalt der beiden Feuerwehrsysteme wird die wirklich gute Leistungsfähigkeit erst möglich. Beide erfüllen die gleichen Aufgaben vor Ort und sichern so für jedes Individuum die hohe Lebensqualität der Städte.

Verlassen wir nun den trockenen Bereich und kommen zu Fakten:
fire-detectors-502893_640Mit der Hilfsfrist ist die tatsächliche Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte am Schadensort bezeichnet.
– Das heißt: es sollen in wenigstens 90% aller Fälle, innerhalb von 8 Minuten mindesten 10 Einsatzkräfte am innerstädtischen Schadensort sein. Dieses Ziel wird inklusive Ausrück- und Anfahrtszeit zu 91,86 % erreicht.

Die zweite Stufe liegt bei mindestens 16 Einsatzkräften zu den gleichen Bedingungen, bei einem erreichten Ziel von 97,86%.
-Im ländlichen Bereich liegt die Vorgabe bei >50% Erreichungsgrad für mindestens 9 Einsatzkräfte. Tatsächlich schafft die Feuerwehr Münster 60,26%.
Auch hier schafft die zweite Stufe in der Anforderung Spitzenwerte mit 97,86%, für 16 Einsatzkräfte binnen 13 Minuten.

In allen Fällen betrug die Dispositionszeit in der Leitstelle maximal 1,5 Minuten.
Und da sie nun bis zum Ende des Artikels durchgehalten haben, hier noch eine App, die im Ernstfall auch Ihnen eine Warnvorhersage liefern kann.

Nina hilft
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine Smartphone-App entwickeln lassen. Die App heißt NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App). Weitere Informationen erhalten Sie unter: http://warnung.bund.de/

Brand auf einem Bauernhof
Nur zwei Stunden später konnte die Feuerwehr den Beweis für die Zahlen bestätigen.

„Einsatzmeldung – Bauernhofbrand – Brand eines Stallgebäudes in Münster Häger- Uhlenbrock“

Um ca. 14:12 Uhr, kam es aus ungeklärter Ursache zu DSC01851einem Brand eines Stallgebäudes in Münster Häger- Uhlenbrock.“ – Und innerhalb aller Fristen waren die Einsatzkräfte vor Ort und hatten in Windeseile den Brand unter Kontrolle.

Schon auf der Anfahrt der Einsatzkräfte war eine Rauchentwicklung wahrnehmbar. Beim Eintreffen der Feuerwehr stellte sich schnell heraus, dass sich keine Menschen oder Tiere in dem Gebäude befanden und gefährdet waren.

DSC01846Durch einen massiven und gezielten Löschangriff mit zwei Trupps unter schwerem Atemschutz und zwei C- Strahlrohren konnte ein Übergreifen auf die Nachbargebäude verhindert werden.

Es befanden sich 35 Einsatzkräfte und 14 Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Häger- Uhlenbrock und Altstadt, im Einsatz. Die verwaisten Feuerwachen der Berufsfeuerwehr wurden für eventuelle weitere Einsätze durch die Freiwillige Feuerwehr Löschzug Kinderhaus und Geist besetzt.

Die Einsatzmaßnahmen waren nach zwei Stunden beendet. Über die Schadenshöhe können zurzeit noch keine Angaben gemacht werden.