Flüchtlinge brauchen eine bessere medizinische Versorgung

Die 25. Landesgesundheitskonferenz (LGK) hat in Münster die gemeinsame Entschließung „Angekommen in Nordrhein-Westfalen: Flüchtlinge im Gesundheitswesen“ verabschiedet. Unter Leitung von Gesundheitsministerin Barbara Steffens haben die Mitglieder der Konferenz einen umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen mit dem Ziel, dauerhaft tragfähige Strukturen in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden zu schaffen.

„Wir wollen einen einfachen Zugang zu gesundheitlichen Leistungen für Flüchtlinge und Asylsuchende ermöglichen und sichern. Nordrhein-Westfalen hat unter anderem mit der Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge einen wichtigen Beitrag dazu geleistet“, erklärte Ministerin Steffens in Münster. „Denn eine funktionierende gesundheitliche Versorgung im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen ist nicht nur ein Menschenrecht, sondern auch ein wesentlicher Baustein für die Integration von Flüchtlingen“, so Steffens.

Die große Hilfsbereitschaft von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hilfsorganisationen und den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Behörden und Institutionen „war und ist beeindruckend“, sagte die Ministerin. „Sie ist Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Willens nach einem solidarischen Engagement für Flüchtlinge“, sagte Steffens. Auch Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens nehmen die Herausforderungen an und wollen die Strukturen bedarfsgerecht entwickeln.

Kernaussagen der Entschließung der Landesgesundheitskonferenz:
• Das gemeinsame Ziel aller Mitglieder der Landesgesundheitskonferenz ist es, eine bedarfsgerechte und ohne Hürden zugängliche gesundheitliche Versorgung für alle Menschen unabhängig von deren sozialem Status, Alter, Herkunft oder Geschlecht zu ermöglichen.
• Die akute medizinische Versorgung wird als Brücke zur Regelversorgung gesehen. Sprach- und Kulturmittlerinnen und -mittler sind dafür vorübergehend notwendig. Die Bundesregierung wird aufgefordert, entsprechende Mittel dafür zu Verfügung zu stellen.
• Besondere Aufmerksamkeit erhalten traumatisierte Flüchtlinge. Neben der medizinischen Versorgung sollen gezielte bedarfsgerechte Angebote psychosozialer, psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung entwickelt werden.
• Parallel zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung werden auch Perspektiven für die soziale und berufliche Integration von Flüchtlingen eröffnet sowie praktische Planungshilfen für die Beteiligten gegeben.
• Zwischen allen an der Versorgung Beteiligten soll ein sicherer und verlässlicher Informationsfluss sichergestellt werden.
• Die interkulturelle Kommunikation und kultursensibles Handeln sollen gefördert werden. Die LGK wirkt darauf hin, dass Flüchtlinge schnelle erste Basisinformationen über die Struktur des Gesundheitswesens erhalten.
• Damit Flüchtlinge eine Tätigkeit im Gesundheits- und Pflegebereich ausüben können, stellen die Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens entsprechende Informationen zu Verfügung und setzen sich für zügige Kompetenzfeststellungs- und Anerkennungsverfahren ein.
• Die vielen Helfenden, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, sollen durch den Auf- und Ausbau von Angeboten unterstützt werden, um Kompetenzen für schwierigen Situationen zu erhalten und Lösungen aufgezeigt zu bekommen.

„Mit der Entschließung setzt die Landesgesundheitskonferenz den erfolgreichen Weg für die angemessene Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen fort. Es ist ein starkes Signal für ein gemeinsames Ziel, das wir auch gemeinsam erreichen möchten“, betonte die Ministerin.

Beispielhafte Projekte, die dazu beitragen, die Integration von Flüchtlingen in das Gesundheitswesen zu verbessern, sollen 2017 mit dem Gesundheitspreis NRW ausgezeichnet werden.