Komm, wir reißen das Finanzamt ab

06. Juli 2016_Abriss_Oberfinanzdirektion_1148-4Ein Traum vieler Menschen wird wahr – Das Finanzamt ist geschlossen und die Finanzen müssen weichen, dafür kommt Platz zum Lernen. Die dritte münstersche Gesamtschule soll kommen. Namhafte Architektenteams planen daher in diesen Monaten in einem Wettbewerbsverfahren die zweite städtische Gesamtschule. Sie soll auf 35.000 Quadratmetern Fläche rund um die ehemalige Oberfinanzdirektion (OFD) an der Andreas-Hofer-Straße und in der dann umgebauten Fürstin-von-Gallitzin-Realschule entstehen. Aus diesem Grund muss die ehemalige Oberfinanzdirektion weichen. Der erste Spatenstich für den Schulneubau ist für Mitte 2018 geplant, die Einweihung zum Schuljahr 2020/21. Jetzt hat unter besonderen Schutzbedingungen der Abriss des alten OFD-Gebäudes begonnen.

06. Juli 2016_Abriss_Oberfinanzdirektion_1137-2„Damit startet eines der größten städtischen Bauprojekte der letzten Jahrzehnte. Wir investieren in eine städtebaulich attraktive Gesamtanlage, die mit einer Vierfachsporthalle, Kindertagesstätte, mit Freizeit- und Grünanlagen ein Gewinn für den gesamte Stadtteil ist“, unterstreicht Stadtrat Matthias Peck, Beigeordneter für Immobilien und Nachhaltigkeit.

06. Juli 2016_Abriss_Oberfinanzdirektion_1132-4Bauzäune, Baucontainer und Info-Tafeln sind die ersten äußerlichen Vorboten. Im Inneren des Gebäudes aus den 1960er Jahren sind die Vorbereitungen für den Abriss der alten OFD in vollem Gang. Ehe die zwölf Etagen tatsächlich abgetragen werden können, erfolgt unter besonders hohen Sicherheitsvorkehrungen auf ca. 30.000 Quadratmeter die Innen-Sanierung der mit Asbest und PCB belasteten Bauteile.

Dafür hat sich das städtische Immobilienmanagement ausgewiesene Experten an die Seite geholt. Das unabhängige Umweltlabor ACB begleitet die Abrissphase wie auch Diplom-Geograph Jens-Henning Müller, Schadstoffsachverständiger und Koordinator für Sicherheit und Gesundheitsschutz.

06. Juli 2016_Abriss_Oberfinanzdirektion_1137-2Asbest und PCB, heute als gesundheitsgefährdend eingestuft, galten lange weltweit als perfekte Allzweckbaustoffe. Bis weit in die 1980er Jahre wurde Asbest verarbeitet und ist aufgrund seiner Langlebigkeit noch immer gegenwärtig – als Dämmung, in Fußböden, im Brandschutz; der „Weichmacher“ PCB in Fugendichtungen, Lacken, Kunststoffen und Isolierungen. Die Stadt legt hohe Maßstäbe an, um Anlieger und Schüler im direkten Umfeld bestmöglich zu schützen: „Der Ausbau der Schadstoffe läuft über wissenschaftlich-technisch abgesicherte Verfahren und einer engmaschigen Überwachung durch unabhängige Gutachter sowie Arbeitsschutzbehörden“, betont Projektleiter Roland Schniedenharn vom Amt für Immobilienmanagement. Praktisch erfolgt der Abbau der konterminierten Stoffe mittels eines “Unterdruckverfahrens”. Die Bereiche in denen die Arbeiten stattfinden, werden hermetisch abgedichtet und dann mit riesigen “Luftpumpen” in einen Unterdruck versetzt. Sollte eine Undichtigkeit auftreten, wird ein Alarm ausgelöst. Ein Austreten von Schadstoffen ist aber nicht möglich, da Luft nur in den Raum eindringen, aber nicht ausströmen kann. Nachdem Abbau der Schadstoffe und dem Säubern des Gebäudes, wird dieses von der Sauberkeit eher einem OP-Raum gleichen, als einer Finanzbehörde.

 

06. Juli 2016_Abriss_Oberfinanzdirektion_1147-5Zu diesen Arbeiten läuft parallel der Abbruch des Parkdecks. Es wird keine verkehrstechnischen Einschränkungen im Baustellenbereich geben. Die Lkw-Touren führen vorwiegend über die Manfred-von-Richthofen-Straße Richtung Kaiser-Wilhelm-Ring und nicht über die durch Kanalarbeiten belastete Wolbecker Straße.

Sprengung des Hochhauses, ja oder nein? Im Herbst erfolgt die Entscheidung, ob konventionell mit Großgerät abgerissen wird oder aber eine Sprengung oder Teilsprengung vorteilhafter ist. Bei Letzterem würde sich die Dauer der Belastung mit Lärm und Staub erheblich reduzieren.