Der Tod kam per SMS

1112Die Zahl der täglich im Straßenverkehr genutzten Handys steigt und steigt. Immer mehr schwere Unfälle ereignen sich bei Fußgängern, Radfahrern, Pkws und Lkws.

Richard Schulz (Name geändert) hat nach seinem letzten Erlebnis auf der Umgehungsstraße in Münster, sein Fahrzeug nicht mehr benutzt. Er kam aus Warendorf und wollte zu seiner Freundin, nach Mecklenbeck. Nachdem er gegen 23.00 Uhr auf die Umgehungsstraße auffuhr, kam ihm kurz nach der Überführung über die Warendorfer Straße, ein dunkles Fahrzeug entgegen. Schulz hupte wie wild, trat voll in die Bremsen und kurz bevor es zum Zusammenstoß kam, erschreckte der Fahrer des entgegenkommenden Pkws und riss sein Lenkrad gerade noch im letzten Moment in die andere Richtung. Schulz konnte in der Hand des Fahrers am Lenkrad noch den Schein eines Handys sehen. Der Schock sitzt tief und an mehr erinnert er sich nicht mehr. „Ich hab nur noch die Scheinwerfer gesehen und auf den Aufprall gewartet“, schildert er uns. Seit dem Ereignis ist er nicht mehr gefahren.

„Das ist kein Einzelfall“, erklärt uns der Leitende Polizeidirektor a.D. Udo Weiss, crash-test-1620609_640der sich in Fachfragen zur Verkehrssicherheit und Unfallprävention bestens auskennt. „Das ist ein typischer Vorfall, der sich so, oder anders an jedem Tag in Deutschland abspielt. Und die Bedienung eines Handy- oder Navigationsgerätes während der Fahrt, stellt kein Kavaliersdelikt dar, im Gegenteil, durch derartige Unachtsamkeiten sterben an jedem Tag Menschen und Tiere auf den Straßen. Mir sind Fälle bekannt, wo Menschen starben, die nur schnell eine Nachricht lesen oder schreiben wollten. Und dann kommt der Tod tatsächlich mit einer SMS.“

dsc06529

Polizeipräsident Hajo Kuhlisch und Polizeidirektor André Weiß

Weiss gibt zu bedenken, Fußgänger und Radfahrer sind oftmals mit einem Handy in der Hand unterwegs um verschiedene Tätigkeiten auszuüben. „Da werden Musikstücke ausgesucht, Nachrichten gelesen und beantwortet, gespielt, fotorafiert und mit der Navi-App geroutet. Der Blick ist auf das Gerät nach unten gerichtet, und der Verkehr wird in seiner komplexen Gefährlichkeit kaum noch wahr genommen. Es gibt Mütter, die Schieben einen Kinderwagen, haben noch ein Kind mit einem Fahrrad dabei, und chatten mit dem Handy. Das Fahrzeug aus der Einfahrt oder die rote Ampel werden dann gar nicht gesehen.“

dsc06549

In Zivil halten die Polizisten nach Handynutzern ausschau.

Ernsthafte Lösungen können sich nur in unseren Köpfen abspielen, erklärt der Polizeipräsident Hajo Kulisch zur Auftaktveranstaltung der breit angelegten Präventionskampagne „Offline“, die in Münster entwickelt wurde.

dsc06585

Ertappte Radfahrer, die mit dem Handy beim Fahren gespielt haben

Die Polizei will es nicht mehr hinnehmen, ständig verletzte und sogar getötete Personen im Straßenverkehr vorfinden zu müssen, die nur mal eben auf dem Smartphone schauen wollten, wer da was geschrieben hat, und plötzlich kracht es. Besonders besorgniserregend ist die schnell wachsende Zahl der Kinder und Jugendlichen, die durch Spiele wie zum Beispiel Pokémon2Go, völlig abwesend als Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Aber auch schwere Verkehrsunfälle im Rückstau vor Kreuzungsbereichen oder das Abkommen von der Fahrbahn, sind oft auf Ablenkung zurückzuführen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass Verkehrsteilnehmer nun von der Polizei besonders genau beobachtet, und im Fall der Fälle mit einem vom Handy ablenkenden Knöllchen, bedacht werden.

Wer sich der Neugier einer eingehenden Nachricht nicht entziehen kann, handy-aus-1sollte das Handy in die Tasche oder das Handschuhfach legen, oder einfach offline schalten. Leben zu schützen war noch nie so einfach.