Münster 1967 – Die Fotoausstellung im Stadtmuseum

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Ausstellungskuratoren Dr. Anja Schäfers, Dr. Axel Schollmeier und Museumsdirektorin Dr. Barbara Romé

Auch in diesem Jahr sorgt die Fotoausstellung „Vor 50 Jahren“ im Stadtmuseum an der Salzstraße für leuchtende Augen bei den Betrachtern. Erinnerungen werden unweigerlich wach, wenn man diese Zeit miterlebt hat, oder aus Erzählungen davon gehört hat.

Auch vor 50 Jahren schon kletterten Münsters Einwohnerzahlen beständig nach oben. Um damit Schritt zu halten, wiesen die „Stadtväter“ in gewachsenen Wohngebieten wie Gievenbeck großflächig Neubaugebiete aus. An der grünen Peripherie entstanden mit der Aaseestadt und Coerde sogar komplett neue Stadtteile. Versorgung mit Wohnraum in einer wachsenden Stadt – das ist nur eines der Schlaglichter aus der neuen Ausstellung „Münster 1967“. Militärparaden und Studentenproteste, kirchliche Prozessionen und

Sommer 1967: Viele Münsteranerinnen und Münsteraner genießen am KÜ den Badespaß unter freiem Himmel. An der stillgelegten Kanalüberquerung bei Gelmer fehlten zwar Duschen und Umkleidekabinen, aber die DLRG hatte einen Rettungswachdienst eingerichtet. Foto: Rudolf Krause.

Sommer 1967: Viele Münsteranerinnen und Münsteraner genießen am KÜ den Badespaß unter freiem Himmel. An der stillgelegten Kanalüberquerung bei Gelmer fehlten zwar Duschen und Umkleidekabinen, aber die DLRG hatte einen Rettungswachdienst eingerichtet. Foto: Rudolf Krause.

Marktgeschehen – die Ausstellung lässt ab dem heutigen Freitag, 9. Dezember, die damalige Zeit wieder lebendig werden.

Mit 80 Fotografien aus dem Schatz der Pressefotografen Willi Hänscheid und Rudolf Krause blättert das Haus an der Salzstraße nunmehr das achte Kapitel aus seiner erfolgreichen Reihe „Vor 50 Jahren“ auf. Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé: „Nahezu 400 000 Besucherinnen und Besucher haben sich bisher auf diese Zeitreisen mitnehmen lassen.“ Dieser überwältigende Publikumszuspruch sei Ansporn genug, auch weiterhin akribisch den Sammlungsbestand mit einigen Hunderttausend Negativen für die Stadtgeschichte auszuwerten. Die Museumschefin: „Auch die Rückblende auf 1967 verspricht einen abwechslungsreichen Rundgang durch Bereiche wie Politik, Kultur, Hochschulleben, Sport und Freizeit.“

Ausgewählt und mit Erläuterungen versehen haben die Aufnahmen der stellvertretende Leiter des Stadtmuseums Dr. Axel Schollmeier und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Anja Schäfers. Sie thematisieren den Bauboom jener Zeit, mit dem sich Münster immer weiter ausdehnte und die Infrastruktur mitwachsen musste. So eröffneten im Nordosten der Stadt nach und nach Geschäfte sowie soziale Einrichtungen wie die katholische Volksschule oder die Zweigstelle der Stadtbücherei: Das Einkaufszentrum am Hamannplatz – der Coerdemarkt – wurde offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Neue Stadtviertel und Städtefreundschaften

Zur Einweihung des Coerdemarktes gab sich auch der Bürgermeister der

Münster und York begehen 1967 den 10. Geburtstag ihrer Städtepartnerschaft. Auch Gäste aus Münster französischer Partnerstadt Orléans feiern mit (v.l.): Lord Mayor William Hargrave aus York, Münsters Oberbürgermeister Dr. Albrecht Beckel und der Maire d’Orléans, Roger Secrétain. Foto: Rudolf Krause.

Münster und York begehen 1967 den 10. Geburtstag ihrer Städtepartnerschaft. Auch Gäste aus Münster französischer Partnerstadt Orléans feiern mit (v.l.): Lord Mayor William Hargrave aus York, Münsters Oberbürgermeister Dr. Albrecht Beckel und der Maire d’Orléans, Roger Secrétain. Foto: Rudolf Krause.

französischen Partnerstadt Orléans, Roger Secrétain, die Ehre. Überhaupt pflegte Münster seine Städtefreundschaften intensiv. So feierte man im Sommer 1967 eine deutsch-französische Hochzeit im Zeichen der Jumelage, und anlässlich der inzwischen zehnjährigen Partnerschaft zwischen Münster und dem englischen York kamen auch zahlreiche Gäste aus Frankreich. In Orléans wiederum bahnte sich eine ganz neue Städtefreundschaft für Münster an, nämlich die mit dem norwegischen Kristiansand.

Nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg bei einer Demonstration in Berlin im Juni 1967 gingen auch in Münster Studierende auf die Straße. Studentische Proteste in der Domstadt nahmen zu. Im Dezember forderten in der Landeshauptstadt über 700 Studierende der Pädagogischen Hochschule Abhilfe gegen überfüllte Studiengänge in Münster. Andere Aktionen richteten sich gegen schlechte Ausbildungsbedingungen oder gegen zu hohe Essenspreise in der Mensa.

Beat und Bühnenjubiläum

In ihrer Freizeit hatten Münsters Bürgerinnen und Bürger die Wahl zwischen Hoch- und Populärkultur, zwischen Tradition und Moderne. Für den eher jugendlichen Geschmack gab es Beatkonzerte. Im Kino lief „Helga“, der erste Aufklärungsfilm der Bundesrepublik. Wer es gediegener mochte, feierte im Theater Münster das 65. Bühnenjubiläum von Tilla Durieux, der großen alten Dame des deutschsprachigen Theaters, oder besuchte die Ausstellung des deutsch-israelischen Künstlers Jakob Steinhardt in den Räumen der Freien Künstlervereinigung Schanze.


Info: Ausstellung „Vor 50 Jahren – Münster 1967“ im Stadtmuseum Münster, 9. Dezember 2016 bis 3. Dezember 2017.

Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Bildband (9,80 Euro, Aschendorff Verlag) erschienen.