Jusos verpassen der SPD einen Maulkorb – ein Kommentar

Was ist eigentlich mit den Jusos los. Jetzt verbieten sie der SPD-Münster auch noch ihren Job zu machen? Was war geschehen. Auf dem gestrigen Bezirksparteitag wurde beschlossen, dass die SPD nicht mehr auf „unwichtigen“ Podiumsdiskussionen, auf denen auch die AfD ist, erscheinen darf. Anders wäre dieses, wenn es sich um „wichtige“ Veranstaltungen handeln würde.

Aber was hat das mit den Jusos zu tun?
Es handelte sich um einen Antrag der Jusos und da es bereits schon kurz vor 22.00 Uhr war, war ein Großteil der verbliebenden Anwesenden, Jusos, die dann den Antrag im Alleingang abwinkten. Die restlichen Parteigenossen waren schon frühzeitig nach Hause gegangen.

Sie begründeten den Beschluss damit, dass die Anwesenheit eines SPD-Kandidaten der AfD erst ein Podium bieten würde, auf dem sie ihre Thesen verbreiten könnten. Ist keiner von der SPD da, gibt’s auch kein „Podium“. Man könne ihre falschen Thesen ja dann im Internet wiedersprechen.

Wie bitte? Dieser Antrag ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einer Bierlaune Politik gemacht wird. In diesem Antrag stecken fundamentale Fehler, die der Schöpfer dieses Machwerks nicht berücksichtigt hat.

Fangen wir doch mal mit dem Podium schaffen an. Nicht mit der politischen Auseinandersetzung wird der AfD eine Plattform bereitet, sondern schon mit der Einladung zur Diskussion. Sobald der AfD´ler sitzt kann er seine Thesen verbreiten.

Weiter, wie sieht das aus, wenn in einem Altersheim eine Diskussionsrunde anberaumt ist und alle kommen, nur nicht die SPD. Weil ja unwichtig. Erster Gedanke der Zuhörer wird sein, wir sind wohl zu unwichtig für die Damen und Herren der SPD. Weiterhin sehen sie, dass sich CDU, FDP, Linke und Grüne tapfer gegen die alternativen Fakten der AfD stellen. Und sie werden denken, der SPD ist das wohl schei…egal was die AfD da von sich gibt.

Nachdem dann die Diskussionsrunde vorbei ist, werden sich die Zuhörer weiter fragen, SPD, war da was? Und die Antwort heißt nein, da war nichts. Das gibt ein wirklich tolles Bild ab. Ich weiß wirklich nicht in welcher Filterblase die Jusos leben, aber wer denkt, er könne auch nur einen der Zuhörer nach der Diskussion im Internet über die Gründe des Fernbleibens aufklären, der lebt tatsächlich auf dem Mars.

SPD und Konservative haben im Internet nur ganz seltene Schnittpunkte. Man lebt in zwei verschiedenen Internetwelten. Politisch erreicht man die Protestwähler fast nur auf den kleinen Veranstaltungen in der Kneipe von nebenan. Wer den Gang dahin verbietet, will verlieren oder er hat keine Ahnung. Ich gehe bei den Jusos vom Letzteren aus und hoffe, weder Robert von Olberg als Bundestagskandidat, noch Svenja Schulze und Thomas Marquardt als Landtagskandidaten der SPD halten sich an diesen unsäglichen Beschluss.

Außerdem sollten die Jusos eins nicht aus den Augen verlieren, der Zweck einer Partei ist die politische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen und mit der politischen Konkurrenz. Beides wird mit dem Beschluss von gestern verboten und das schadet massiv der Demokratie und dem Ansehen der SPD. Das kommt einer freiwilligen Selbstauflösung gleich. Da wünscht man sich doch, der Antrag hätte nie den Weg vom Bierdeckel aufs Papier geschafft.

Aber das ist ja nur die Meinung eines Redakteurs …