Am Sparen führt kein Weg vorbei

Auf der gestrigen Jahrespressekonferenz des Sparkassenverband Westfalen-Lippe gab es deutliche Worte vom Sparkassen-Präsidenten Dr. Rolf Gerlach, der zum März 2017 sein Amt niederlegt.

Der deutsche Volkswirt und Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften hat 22 Jahre an der Spitze des Sparkassenverbandes gestanden und mit seiner persönlichen Note dem Unternehmen einen unverwechselbaren Charakter gegeben. In einer zunehmend digitalen Finanzindustrie, sieht Gerlach die Aufgaben bei anderen Generationen.

Doch zuvor konnte er, trotz widrigster Umstände auf den Finanzmärkten, vom Wachstum im Kundengeschäft berichten, welches durch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hart erarbeitet wurden. Trotz der Zeit fast ohne Zinseinnahmen. Für ein Unternehmen am Finanzmarkt ist dies nicht selbstverständlich.

Finanzieller Bewegungsraum gewinnt immer mehr Freunde
Die Kunden des Sparkassenverbandes haben verstanden, wie wichtig ein finanzieller Bewegungsraum durch sparen, geworden ist.
Dazu nannte Dr. Gerlach ein Beispiel: „Wer im Alter von 30 Jahren 5000 € zur Verfügung hat, mit diesem Anfangskapital an den Start geht und zusätzlich jeden Monat 150 € zur Seite legt, bekommt bei 3 % Verzinsung nach 35 Jahren fast 125.000 € heraus. Selbst eingezahlt hat er bis dahin 68.000 €. Der Zins spielt für ihn 57.000 € ein.

Die Phase niedriger Zinsen wird sicher nicht weitere 35 Jahre anhalten. Angenommen, sie dauert von heute an exakt 10 Jahre, und anschließend steigt der Zins auf 3 %, dann bekommt der gleiche Sparer noch 115.000 € heraus, wenn er – und das ist die Bedingung – von Anfang an im besagten Umfang gespart hat.
Wer aber mit dem Sparen erst anfängt, wenn der Zins wieder anspringt, wird eine solche Summe nicht einmal annähernd, bis zum Ruhestand, erreichen.“

Vizepräsident Jürgen Wannhoff ergänzte die Ausführungen des Präsidenten, „Es führt kein Weg am Sparen vorbei, ob es dafür nun Zinsen gibt oder nicht. Will man sich Wünsche erfüllen oder – ganz besonders wichtig – für das Alter vorsorgen, muss man Geld zur Seite legen. Das verstehen die Menschen und bringen ihr Erspartes zu den Kreditinstituten, denen sie das größte Vertrauen entgegen bringen: den Sparkassen. Wir stehen den Menschen dafür unverändert als Partner zur Seite.“

Der Jahresbericht im Überblick
Die 67 Sparkassen in Westfalen-Lippe haben im Jahr 2016 in vielen Geschäftsbereichen zugelegt und sind weiter gewachsen: Der Bestand an Kundenkrediten erreichte insgesamt einen Wert von 89,0 Mrd. € (+2,9 %). Auch bei den Einlagen legten sie zu – um 2,4 % auf 93,8 Mrd. €. Die aggregierte Bilanzsumme stieg um 2,6 % auf 127,9 Mrd. €.
Die westfälisch-lippischen Sparkassen haben vom seit drei Jahren anhaltenden Konjunkturaufschwung profitiert: Der Mittelstand brummt, der private Konsum und der private Wohnungsbau wirken sich ebenso positiv aus. Hinzu kommt: „Die Sparkassen haben fleißig gearbeitet, um sich effizienter aufzustellen.

Geldvermögensbildung bei Privatkunden auf Höchststand
Die Geldvermögensbildung – also das, was Privatkunden neu auf Sparkonten sowie in Wertpapieren, Bausparverträgen und Lebensversicherungen angelegt haben – stieg im Jahr 2016 auf 3,4 Mrd. €. Im Vorjahr lag sie bei 2,7 Mrd. € (+ 27,8 %). „Das ist der höchste Wert, den ich in meinem Berufsleben gesehen habe“, so Vizepräsident Jürgen Wannhoff.

Er sieht zwei Gründe für die ausgeprägte Sparbereitschaft: Erstens sei den Sparkassenkunden klar, dass sie in Zeiten ohne Zinsen weiterhin und noch intensiver als zuvor Geld für ihre Altersvorsorge zurücklegen müssen. Zweitens sei bei den Menschen Verunsicherung über die Zukunft zu spüren. Geld auf dem Sparbuch könne Sicherheit geben.

Kunden entdecken Wertpapiergeschäft wieder
Der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft mit Privatkunden stieg im Vergleich zum Vorjahr von 40 Mio. € auf 338 Mio. € deutlich an. Er bildet die Ersparnis im Wertpapierbereich ab, also die Differenz zwischen Wertpapierkäufen und -verkäufen. Besonders gefragt waren Aktien und Investmentfonds. Von festverzinslichen Papieren haben sich viele Anleger aufgrund teilweise sogar negativer Renditen getrennt.

Mittelstands-Finanzierer Nr. 1
Im Unternehmenskreditgeschäft bleiben die Sparkassen Nummer 1. „Keine andere Institutsgruppe versorgt den so wichtigen Wirtschaftsmotor Mittelstand mit dem notwendigen Schmierstoff so wie die Sparkassen“, so Jürgen Wannhoff. 56 % der Unternehmen in Westfalen-Lippe haben ihre Exklusiv- und Hauptbankverbindung bei Sparkassen. Die Unternehmen steigerten ihren Kreditbestand insgesamt um 5,0 % auf 43,5 Mrd. €. „Mit einem Zuwachs von über 2 Mrd. Euro ist das die größte Steigerungsrate der letzten zehn Jahre“ so Wannhoff. Auch das Kredit-Neugeschäft bleibt stark: Es lag bei 9,0 Mrd. € und reicht fast an das Rekordjahr 2015 (9,2 Mrd. €) heran.

Darlehenszusagen für Wohnungsbau leicht rückläufig
Beim Kreditgeschäft mit Privatkunden machte das Wohnungsbau-Kreditgeschäft den Löwenanteil aus: Die Darlehenszusagen für den privaten Wohnungsbau lagen zwar unter dem Spitzenwert aus dem Jahr 2015 von 5,8 Mrd. €. Die 5-Milliarden-Marke erreichten die Zusagen aber auch 2016: 5,1 Mrd. Euro sind zugleich der zweithöchste Wert in den letzten zehn Jahren. „Die Nachfrage nach Immobilien ist weiter hoch. Wir stellen jedoch auch fest, dass das Angebot knapper wird und zu Preisen führt, die nicht jeder Kunde zu zahlen bereit ist“, ordnete Jürgen Wannhoff das Ergebnis ein.

Jahresergebnis
Die ordentlichen Geschäftsabschlüsse der Sparkassen in Westfalen-Lippe lassen sich an den Rentabilitätszahlen ablesen. Das Jahresergebnis beträgt 207 Millionen Euro. Die westfälisch-lippischen Sparkassen zahlten 369 Millionen Euro gewinnabhängige Steuern und haben 147 Millionen Euro gespendet, gestiftet oder ausgeschüttet.

„Diese Summe von über einer halben Milliarde Euro zeigt die tiefe regionale Verwurzelung der Sparkassen in der Region und belegt ihre Nützlichkeit für die öffentlichen Kassen in eindrucksvoller Weise“, erklärte Gerlach.