Bistum Münster sagt deutlich Ja zu Europa

War „Europa“ in den letzten Jahren nicht gerade positiv belegt, ändert sich dieses gerade wieder. Nach den Wahlen in Polen, den Niederlanden und Frankreich bekennen sich immer mehr zu Europa. So auch die Kirche.

„Ein JA zu Europa mit vielen Völkern heißt auch ein JA zu einem immer unfertigen und stets zu optimierenden Europa.“ Mit diesen Worten hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn bei der Kundgebung der Initiative „Pulse of Europe“ am Sonntag (23. April) dazu aufgerufen, sich an der Entwicklung Europas zu beteiligen. Europas Vielfalt mit Blick auf unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Sprachen sei bereichernd, aber auch anstrengend. „Doch sollten wir deshalb nicht das ganze Projekt der europäischen Integration in Frage stellen“, forderte er auf dem Domplatz vor Münsteraner Bürgerinnen und Bürgern, die sich – ausgestattet mit Europa-Flaggen und -Ballons – für ein tolerantes und vereintes Europa einsetzen. „Europa ist kein Spaziergang, sondern ein sehr herausforderndes Projekt“, spitzte Zekorn zu.

Seit Anfang März folgen in Münster jeden Sonntagnachmittag meist mehrere hundert Teilnehmer der Einladung des sechsköpfigen Teams, das in der Domstadt die Kundgebungen der europaweiten „Pulse-of-Europe“-Bewegung organisiert. Am 23. April konnten sich die Teilnehmer zusätzlich an Aktionen anlässlich der parallel stattfindenden Präsidentschaftswahl in Frankreich beteiligen.

Anlass für Zekorn, der Einladung von „Pulse of Europe“ zu folgen, sei unter anderem ein Gespräch mit Studierenden gewesen, bei dem eine „EU-Skepsis“ dieser jungen Menschen deutlich geworden wäre. „Natürlich, Europa braucht dauernde Reformen, aber das gilt genauso für die Nationalstaaten, für die Kirchen, für jeden Betrieb und für jeden von uns persönlich.“ Mit Frieden, offenen Grenzen, dem Euro und dem Erasmus-Programm als weltweit größtem Förderprogramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten hob er die positiven Seiten der EU hervor.

Besonders betonte der Weihbischof die stabile Friedensordnung, die zur Achtung der Menschenwürde, Freiheit und Demokratie geführt habe: „Der Prozess der Einigung Europas hat zum längsten Frieden in der europäischen Geschichte geführt.“ Historischer Auftrag sei es, dieses Erbe zu bewahren, zu gestalten und zu verbessern. Weiter erläuterte er den europäischen Auftrag in der Welt. Ein einzelnes europäisches Land habe in einer globalisierten Welt mit Mega-Staaten wie China und Indien politisch und wirtschaftlich keine Chance. „Nur gemeinsam können wir wirklich etwas für Frieden und die Entwicklung in der Welt tun“, sagte er und kritisierte: „Leider geschieht das noch viel zu wenig.“

Allen Gegnern Europas hielt er abschließend entgegen: „Freiheit, Zusammenarbeit und wenigstens langsam wachsender Wohlstand auch in den ärmeren Ländern, besonders aber 72 Jahre Frieden – das ist Europa und das ist das Versprechen eines geeinten Europas an seine Bürger.“