Fast 2.800 schriftliche Bewerbungen erstellt

Bis Ende September haben bereits 937 Personen Hilfe durch das Bewerbungszentrum des jobcenters Kreis Steinfurt am Standort Rheine erhalten. Die meisten sind mehrmals gekommen, um sich von Experten bei der Arbeitssuche unterstützen zu lassen. So auch Olga D. Die 37-Jährige stammt gebürtig aus Omsk und kam 1998 gemeinsam mit ihrem Mann nach Deutschland. Sie bekamen zwei Töchter und als diese in den Kindergarten gingen, nahm Olga D. eine Arbeit im Lager eines Logistikunternehmens auf. 2012 scheiterte ihre Beziehung. Olga D. kümmerte sich fortan allein um die Kinder und den Unterhalt. Das Geld reichte jedoch nicht, sie war auf staatliche Hilfe angewiesen. „Ein ganz typischer Fall, leider“, so Thomas Terhalle, Leiter von Job aktiv und des dazugehörigen Bewerbungszentrums des jobcenters Kreis Steinfurt am Standort Rheine. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden auf SGB-II-Leistungen für ihre Familien angewiesen. Damit sind sie fünfmal häufiger Empfänger als Familien mit zwei Elternteilen.

Olga D. gab nicht auf. Sie wechselte zu einem Einzelhändler in den Verkauf und begann dort ein Jahr später eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Doch Ausbildung, Haushalt und Erziehung forderten ihren Preis: „Meine jüngste Tochter bekam Probleme in der Schule, so dass ich mich gezwungen sah, meine Ausbildung abzubrechen und mich zunächst verstärkt um sie zu kümmern.“

Mittlerweile habe sich ihre jüngste Tochter wieder gefangen. Nach ihrem Schulabschluss möchte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin machen. Die älteste Tochter ist Auszubildende in einem Frisörsalon. Olga D. war auch nicht untätig und hat sich zuhause als Nageldesignerin selbstständig gemacht. „Ich habe einen festen Kundenstamm, den ich sukzessive erweitere“, erläutert sie. Ihr großer Traum sei es, mit ihren Töchter gemeinsam einen Beauty-Salon aufzumachen, in dem die Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket erhalten können. Doch bis dahin sei es noch ein weiter Weg.

Der erste entscheidende Schritt für sie ist es, ohne staatliche Hilfe auszukommen. Daher hat sie sich an das Bewerbungszentrum gewandt. Sie ist auf der Suche nach einer Teilzeitstelle. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter erstellt sie ihre Bewerbungen. „Mein schriftliches Deutsch ist nicht so gut, daher bin ich dankbar, dass mir hier geholfen wird“, erklärt Olga D. Insgesamt verfasst sie sieben Bewerbungen.

Nicht nur die gebürtige Russin nutzte in den ersten neun Monaten des Jahres das Bewerbungszentrum. „Insgesamt verzeichnen wir in diesem Zeitraum 3175 Besuche“, so Thomas Terhalle. Daraus hervorgegangen sind 2743 schriftliche Bewerbungen und eine zunehmend steigende Anzahl von Online-Bewerbungen allein am Standort Rheine. Denn auch in Lengerich, Ibbenbüren, Westerkappeln, Emsdetten, Greven, Steinfurt und Ochtrup hält das Jobcenter einen solchen Service vor. „Wir bieten auch nicht nur Hilfe beim Erstellen von Bewerbungen, sondern unterstützen bei der Stellenrecherche, bei der Berufsorientierung und bereiten gezielt auf Vorstellungsgespräche vor“, führt Terhalle weiter aus. Daher seien in der Regel drei Mitarbeiter gleichzeitig im Bewerbungszentrum tätig. „Sie unterstützen die Besucher“, stellt Terhalle klar und weiter: „Wir nehmen niemandem die Arbeit ab, damit er sich untätig zurücklehnen kann. Ganz im Gegenteil, wir fordern aktive Mitarbeit im gesamten Bewerbungsprozess ein.“ Denn schließlich sei es ihr Leben, das die Arbeitssuchenden positiv gestalten sollen. So wie Olga D., die jetzt auf eine Rückmeldung durch die angeschriebenen Arbeitgeber wartet. Hoffend, zukünftig nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.