Tagesarchive: 17. Juni 2019

Die Jagd – Deren Geschichte und Evolution

Der Mensch lebt seit über zwei Millionen Jahren als Jäger. Die Gene als Jäger lösen auch im Menschen heute noch zahlreiche Verhaltensweisen aus, die zur Entwicklung der heutigen Menschheit vonnöten waren und immer noch sind. Sei es der Spieltrieb der Kinder, der Ernährungswille oder auch der Erfindungsreichtum, wenn es um das Überleben geht, was so aktuell ist, wie es besser nicht sein kann in der Klima- und Naturschutzdiskussion.

Der Jäger als jemand, welcher sich gerne in der Natur aufhält, hat schon früh begriffen, dass wir Menschen nur ein Teil und abhängig von dieser sind.

Immanuel Kant erkannte, dass Triebe nichts Böses sind und Konrad Lorenz stellte fest, dass der Mensch durch seine Vernunft Steuerungsinstrumente wie Gesetze, Ge- und Verbote oder das Gewissen, als Regelungen dieser, eingeschaltet hat. Solche gibt es auch bei der Jagd, sie nennen sich u.a. Weidgerechtigkeit und Jagdgesetz.

Dabei haben sich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung unterschiedliche Jagdkulturen gebildet, die von der jeweils allgemeinen Kultur abgeleitet und von den sozialen und politischen Verhältnissen beeinflusst wurden.

So wurde bereits 400 v. Chr. durch den Griechen Xenaphon das erste Lehrbuch der Jagd verfasst. Die Kelten, die schon um Christi Geburt Städte und staatsähnliche Gemeinschaften gebildet hatten, kannten schon Schonzeiten, währenddessen Tiere nicht bejagt werden durften.
Schon Caesar beschrieb eine Form der Trophäenjagd bei den Germanen, so war schon bei diesen das Jagdrecht am Eigentum von Grund und Boden gebunden, was sich bis heute in Deutschland so verhält.

Etwa gegen 800 n.Chr. erklärte Karl der Große alle nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen zu Bannforsten, welches durch spätere Monarchen auf das gesamte Staatsgebiet ausgedehnt wurde und zum feudalen Jagdrecht verkam. In dieser ritterlichen Jagdkultur entstanden erste schriftliche Darstellungen und prachtvolle Jagdbücher.

Abgelöst wurde diese Zeit durch die „repräsentative Jagdkultur“, in der ungefähr 1500 n.Chr. groß angelegte Jagden abgehalten und elegante Jagdschlösser erbaut wurden. Man hielt Parforcejagden ab und die Prunk-Jagden des späten Mittelalters befanden sich meistens jenseits der Grenze dessen, was man heute als Jagd bezeichnen würde.

Dieses fand ein Ende mit der französichen (1789) und deutschen Revolution im Jahre 1848. Es entstand eine „bürgerliche Jagdkultur“, die im Wesentlichen von der jagdlichen Ethik geprägt ist und auf den Grundlagen des Tier- und Naturschutzes aufbaut. Obwohl ebenso historische Elemente der Jagdkultur, wie z.B. die Jagdhörner oder die Jägersprache Einfluss hielten, wurde das Naturerlebnis und die Achtung der Tiere in den Mittelpunkt gestellt. Zu dieser Zeit entstanden dann auch die schön-geistigen Jagdliterale von Hermann Löns und Friedrich von Gagern.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass Kaiser Wilhelm I bereits um 1500 n.Chr. zehn Gebote der Jagdethik verlauten ließ, die auch heute noch Geltung haben:

  1. Die Achtung vor der Kreatur ist höchstes Gebot, ihr ordnet sich alles Handeln unter!
    2. Nutze Deine Überlegenheit gegenüber dem Tier nicht aus und lasse ihm stets eine faire
    Chance.
    3. Schule Dein Wissen über Wild und Wald, Recht und Gesetz und handle stets danach.
    4. Führe einen Jagdhund als treuen hilfreichen Begleiter an Deiner Seite.
    5. In Notzeiten gilt „Hahn in Ruh“. Dann hilf dem Wild, sei Schützer, Retter und Heger.
    6. Jagdruhe und Jagdzeit in maßvollem Verhältnis erhalten das Wild und die Jagd.
    7. Pflege den Brauch und handle nach jagdlicher Sitte, wie es die Zeit gebietet.
    8. Vermeide unnötiges Leiden eines Tieres und ehre das erlegte Tier würdevoll durch Wort
    und Tat.
    9. Dein Jagdnachbar sollte Dein Genosse sein oder werden.
    10. Jage stets so, als stünde Dein Gewissen leibhaftig vor Dir, und werte Deine Weid-
        gerechtigkeit mit Lob und Tadel.

Weidgerechtes Verhalten meint dabei den kultivierten Umgang mit dem Wildtier, der Natur, den Mitmenschen und mit seinem eigenen Gewissen. Unter kultiviertem Umgang kann man die Beachtung der allgemeinen moralischen Ge- und Verbote verstehen.

Das heutige Jagdgesetz hat also seine Ursprünge aus den unterschiedlichen Jagdverordnungen der Reichsländer seit 1850, welche 1929 durch den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun zu einer Reichsjagdverordnung  zusammengefasst wurden. Seither hat das Reichs- oder Bundesjagdgesetz stetig Erneuerungen erfahren, die sich vom ethischen Handeln nach Grundsätzen des Tier-, Naturschutzes und der menschlichen Würde zur „funktionalen Ethik“ entwickelt haben. Heute spricht der Staatsforst von Waldschutzjagden und Wildschadensvermeidung, es geht über Seuchenprävention bis hin zu Bestandsregulierung.

Die Aufsicht über die Jagd in NRW führen die Kreise und kreisfreien Städte als untere Jagdbehörden. Oberste Jagdbehörde ist das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Fast alle nicht besiedelten Flächen werden bejagt. Das sind im Wesentlichen die landwirtschaftlich genutzten Flächen, die Waldflächen und Gewässer. In Naturschutzgebieten oder Nationalparks ist die Jagd regelmäßig eingeschränkt bzw. verboten.

Nach geltendem Recht darf die Jagd nur in Jagdbezirken ausgeübt werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es ca. 8.200 Jagdbezirke (Reviere). In unserem Bundesland gibt es ca. 85.000 Jägerinnen und Jäger; der Anteil der Jägerinnen liegt bei 8 % – Tendenz steigend. In der Bundesrepublik sind es zurzeit schon über 360.000, wobei hier ebenso eine massive Steigerung zu verzeichnen ist.

Was bewegt aber einen heutigen Menschen jagen zu gehen?
Als Erstes ist es die Naturverbundenheit und die Ruhe. Man kann seine Umgebung genießen, wird nicht gestört, hat bestenfalls keinen Handyempfang. Der Jäger arbeitet in der Natur und erfreut sich, wenn seine Aktivitäten den Erfolg zeigen, den er sich erhofft hat. Wenn man Feuchtgebiete anlegt und sieht die unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten sich dort ansiedeln und gedeihen. Man legt Hecken an und trifft dort Kreaturen, die es zuvor dort nicht gegeben hat. Nach der Erntezeit wird der Wildacker, den man im Spätfrühjahr angesetzt hat, aufgesucht – Tiere haben noch ein Zuhause und Nahrung.

Ist der Jäger Hundeführer erfreut er sich an der guten und freudigen Arbeit seines vierbeinigen Jagd-Freundes.
Und sicherlich auch, weil er zu schätzen weiß, was er durch einen gezielten Schuss töten wird. Das Tier hat bis dahin ein Leben in Freiheit genießen können, fernab von Massentierhaltung und engen Ställen – es konnte fressen, was es wollte, konnte sich frei bewegen, wann, wo und wie es wollte. Es gab keinen Tiertransport und den Geruch des nahenden Schlachthofes. Das Fleisch, welches der Jäger auf seinem Teller hat, hat einen anderen, bewussteren Weg hinter sich. Der Jäger kannte das Tier, er hat es geschossen – ausgeweidet – zerlegt – gewaschen – eingefroren und nun bestenfalls auch noch selbst zubereitet. Man isst bewusster!

Gemeinschaftlich macht man mit Freunden Revier Arbeiten wie oben beschrieben oder geht mit weiteren Vereinen z.B. zu Müllsammelaktionen. Man hängt Nistkästen für Singvögel auf oder geht zusammen jagen. Erfreut sich des Wildes, welches man gesehen hat oder erlegen konnte, die Erlebnisse, die man zusammen hatte und auch dem gemeinsamen Abschluss am Feuer, dem Essen und Trinken.

So ganz unbemerkt für die Öffentlichkeit entsorgen die Jäger auch das verendete Unfallwild nach einem Verkehrsunfall und versuchen diese Unfälle durch unterschiedliche Maßnahmen zu vermeiden. Ebenso werden lebensbedrohlich-verletzte Tiere von ihren Unfall-Leiden erlöst.
Weiterhin betreiben sie Seuchenbekämpfung durch Tötung kranker Tiere oder die Abgabe von tot aufgefundenen Tieren bei staatlichen Veterinäruntersuchungsämtern. Bei entsprechenden Seuchen können so frühzeitig Maßnahmen für Mensch und Tier ergriffen werden, wobei die Jäger auch staatlich zur Mithilfe bei der Seuchenprävention beitragen müssen.
Sie werden gesetzlich verpflichtet, dem Wild in Notzeiten zu helfen, aber auch Wildschäden an Forst- , Fischerei- und landwirtschaftlichen Kulturen abzuwenden oder diese finanziell zu ersetzen. 
Das Ganze ohne eine Entschädigung durch die öffentliche Hand, aber teils zulasten der eigenen Familien. 

Die Jägervereinigung bietet seit Jahren Ihren Dienst auch als Ansprechpartner bei Problemen in bebauten von Menschen bewohnten Bereichen durch “Hausmarder” an. Da gibt es örtliche Vertreter, die kostenlos Ihr Wissen anbieten – weiterhin verschaffen die Jäger unseren Mitmenschen die Möglichkeit Fleisch von Tieren zu verzehren, welche bis zu Ihrem Tod ein freies Leben in der Natur verleben konnten.

Die Jägerschaft versucht unseren jungen Mitbürgern die Natur näherzubringen, in dem Kindergärten und Grundschulen mit den „Rollenden Waldschulen“ angefahren und Kinderfreizeiten durch Jäger veranstaltet werden.  Den Kindern sollen natürliche Zusammenhänge veranschaulicht und die einheimischen Tiere näher gebracht werden. Sie sollten mit offenen, neugierigen Blicken und Sinnen die Welt erkunden.

Die Kinder von Jägern wachsen damit auf, dass die Nahrungskette zum Leben gehört, aber auch die Verantwortung der Menschen gegenüber jedem Lebewesen. Dabei wird ihnen erklärt, dass auch andere Kreaturen Schmerzen erleiden, wenn sie verletzt sind.

Was aber am wichtigsten ist, ist die Verantwortung, die der Mensch übernahm, als er die Welt nach seinen Vorstellungen geformt hat. Die Menschen sind genauso ein Teil der Natur, wie die Flora oder Fauna und ohne die Natur können wir nicht existieren, deshalb müssen wir sie entsprechend schützen.
Sollte ein Lebewesen den Tod durch einen Jäger finden, muss dieses einen vernünftigen Grund haben. Sei es zum Schutz des Gleichgewichtes oder auch, dass der Jäger es selbst essen oder anderweitig verwerten möchte.

Alles hat seinen Platz in der Natur,  auch wenn es dem Menschen erst nicht ersichtlich ist – „Mutter Natur“ hat sich die Gedanken, weitreichender als wir uns das vorstellen können, gemacht, womit wir wieder am Anfang des Textes sind!

 

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