Bahn – Brückenabsturz Westbevern

Nach dem Absturz tonnenschwerer Teile einer Straßenbrücke über der DB-Strecke Münster-Osnabrück bei Bahnkilometer 79,85 in Westbevern-Vadrup vom vergangenen Freitag ist die Stadtverwaltung Telgte bereits seit Samstag mit Hochdruck dabei, den Hergang und seine Ursache aufzuklären und die technischen Unterlagen zu den Brückenprüfungen zu bewerten. „Die alle sechs Jahre vorgeschriebene Brückenhauptprüfung hat im August 2016 ordnungsgemäß stattgefunden, der Bauwerkzustand wurde mit der Gesamtzustandsnote 2,0 („befriedigend“) beurteilt“, so Bürgermeister Wolfgang Pieper. „Der Prüfbericht bestätigt insoweit, das die Standsicherheit und die Verkehrssicherheit gegeben sind.“

Da die Brücke in den späten 70-er Jahren – seinerzeit durch die Deutsche Bahn – erbaut wurde, weist der Prüfbericht darauf hin, dass die Dauerhaftigkeit des Bauwerks beeinträchtigt sei. Dabei wurden Hinweise zum Beseitigen von festgestellten Mängeln gegeben; eine akute Gefährdungslage wurde nicht festgestellt. Die Prüfungen von Brückenbauwerken erfolgen bei der Stadt Telgte durch ein Fachingenieurbüro unter Anwendung der DIN 1076, welche die Abläufe und Anforderungen an diese Prüfvorgänge regelt. „Aus dem Jahr 2016 liegen uns aus der Brückenhauptprüfung rund 15 Prüfberichte unterschiedlicher Bauwerke vor, die Abarbeitung festgestellter Mängel oder Schäden erfolgt dann nach Dringlichkeit in einer Prioritätensetzung“, erklärt die Stadtverwaltung.

Für die Brücke in Westbevern-Vadrup war die nächste Brückenhauptprüfung bereits in den Blick genommen worden. Nun erfolgt aufgrund des Absturzes der „Brückenkappe“ eine von der Stadt beauftragte Sonderuntersuchung. Diese soll einerseits nähere Auskunft über die tatsächliche Ursache des Absturzes geben und zugleich die erforderlichen Reparatur- oder Sanierungsschritte aufzeigen. Der betroffene Brückentyp ist in den 70-er Jahren vielfach als Systembrücke gebaut worden und findet sich an vielen Bahnstrecken in Deutschland. Die vorkragende „Betonkappe“ schützt dabei vor möglichen Gefahren, die von der Oberleitung ausgehen können. Eine mögliche konstruktive Schwachstelle stellt dabei die Nahtstelle zwischen dem straßenseitigen Schrammbord und der aufgesteckten vorkragenden „Kappe“ dar. Ob diese Nahtstelle im vorliegenden Fall Unfall-ursächlich war, bedarf derzeit noch weiterer Prüfungen. „Nach Auskunft der Fachleute können eventuelle Korrosionsschäden der unterhalb der Kappe liegenden Verankerungen bei einer Brückenprüfung nicht festgestellt werden, ohne die Kappe selbst zu beschädigen“, teilt der Bürgermeister mit.

Für das weitere Vorgehen zieht die Stadtverwaltung Telgte aus dem Ereignis Konsequenzen und veranlasst, alle Brückenbauwerke in der Baulastträgerschaft der Stadt aktuell überprüfen zu lassen. Ferner wird die Priorisierung der Mängelbeseitigung überprüft und eine verkürzte Abarbeitung veranlasst. Die darüber hinaus eingeleitete Sonderprüfung der Brücke in Vadrup soll neben der Ursachenfeststellung. Wege aufzeigen, um die entstandenen Schäden zu beseitigen und die Brücke wieder funktionstüchtig zu machen. „Die Umstände sehen derzeit aber leider nicht danach aus, dass die Brücke ganz schnell wieder freigegeben werden kann“, dämpft der Bürgermeister die Erwartungen.


Bild: Symbolbild