Einstellungsabsichten in Deutschland brechen ein / Niedrigster Wert seit fünf Jahren / ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer für Q3/2026 veröffentlicht

Frankfurt am Main (ots) –

– Netto-Beschäftigungsausblick fällt im dritten Quartal auf 6 Prozent (Q2: 17 Prozent)
– Deutschland liegt deutlich unter globalen Durchschnitt
– Wirtschaftliche Unsicherheit und Fachkräftemangel sind Hauptursachen für Personalabbau

Der deutsche Arbeitsmarkt verliert zur Jahresmitte deutlich an Schwung. Das zeigt das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup. Demnach prognostizieren die teilnehmenden Unternehmen für das 3. Quartal 2026 einen saisonal bereinigten Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) von nur noch 6 Prozent*. Damit erreicht Deutschland den niedrigsten Wert seit Q2/2021 – und fällt im Vergleich zum Vorquartal um 11 Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Minus 14 Punkte. Bereits im zweiten Quartal hatten die Einstellungsabsichten spürbar nachgelassen.

Einstellungszurückhaltung statt Entlassungswelle

Ein genauerer Blick auf die Personalplanung der Unternehmen zeigt vor allem eines: Vorsicht. 45 Prozent planen in den Monaten Juli bis September keine Veränderung der Personalstärke, fast jeder dritte Arbeitgeber (30 Prozent) will weiterhin (in kleinem Maßstab) Personal aufbauen und 24 Prozent rechnen mit einem Abbau. Der Markt wird damit weniger von plötzlichen Entlassungswellen geprägt, sondern von einer spürbaren Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Das dämpft die eigentlich notwendige Dynamik im Markt: Wechsel dauern länger, Einstiegsrollen werden seltener, und gerade Berufseinsteiger:innen sowie Wiedereinsteiger:innen haben es schwerer, eine Chance zu bekommen.

„Die Lage ist widersprüchlich: Die konkreten Planungen der Unternehmen verdeutlichen eine wachsende Vorsicht, gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel aber real. Genau das macht diese Phase für den Arbeitsmarkt so entscheidend“, sagt Faris Becirovic, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „Unternehmen müssen schon heute klären, welche Skills und Arbeitsmodelle sie morgen brauchen. Denn wenn die Wirtschaft wieder anspringt, kämpfen alle gleichzeitig um die besten Talente. Wir können Unternehmen dabei helfen, sich so aufzustellen, dass sie trotz Unsicherheit handlungsfähig bleiben – mit den richtigen Recruiting-Ansätzen, Flexibilität und einem klaren Blick auf Skills.“

Gründe für Personalabbau: Wirtschaftsdruck und fehlende Nachbesetzung dominieren

Fragt man diejenigen Unternehmen, die für das dritte Quartal einen Stellenabbau erwarten, nach ihren Gründen, steht ein Mix aus wirtschaftlichen Belastungen und strukturellen Anpassungen im Vordergrund. Am häufigsten werden wirtschaftliche Herausforderungen genannt (38 Prozent), die sich negativ auf die Geschäftslage auswirken. Dahinter folgt ein Muster, das zur aktuellen Marktlage passt: 32 Prozent sagen, dass Mitarbeitende das Unternehmen verlassen und freiwerdende Stellen aufgrund des Fachkräftemangels nicht nachbesetzt werden können. 26 Prozent reduzieren Personal, um die Kapazitäten an die rückläufige Nachfrage anzupassen, 20 Prozent verweisen auf geopolitische Unsicherheiten. Darüber hinaus spielen Effizienzprogramme und Rollenbündelungen sowie Marktveränderungen (jeweils 18 Prozent) eine Rolle; Automatisierung wird von 13 Prozent als Grund für einen sinkenden Personalbedarf genannt.

Jetzt vorbereiten, bevor der Markt wieder anzieht

Becirovic verbindet den Blick auf die Zahlen mit einer klaren Botschaft an Unternehmen: „Wer nur abwartet, verliert im nächsten Aufschwung Zeit. Aus Sicht der ManpowerGroup geht es jetzt vor allem darum, Hemmnisse im Recruiting und Workforce Management zu reduzieren. Beispiele dafür sind langsame Prozesse, zu enge Anforderungsprofile oder fehlende Flexibilität in der Personalplanung. Unternehmen, die ihre Prozesse jetzt schon straffen, Talentzugänge sichern und interne Qualifizierung ausbauen, können beim Anziehen der Nachfrage schneller skalieren und mit dem Markt überproportional wachsen.“

Branchen: Bau & Immobilien legt zu – Verarbeitendes Gewerbe rutscht ins Minus

Die Entwicklung fällt je nach Branche** unterschiedlich stark aus – allerdings mit einem klaren Vorzeichen: In fast allen Bereichen gehen die Beschäftigungsaussichten zurück. Bau & Immobilien bildet den deutlichsten Gegenpol zum allgemeinen Abwärtstrend. Der Sektor steigt auf einen NBA von 24 Prozent und verbessert sich damit um 16 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Plus von 8 Prozentpunkten ist er zudem der Einzige, der sich im Vergleich zum Vorquartal steigern kann.

Ebenfalls im positiven Bereich liegen Versorgung & natürliche Ressourcen mit 18 Prozent (+15 Prozentpunkte) sowie Information & Kommunikation mit 14 Prozent (+13 Prozentpunkte). Bei beiden Branchen zeigt sich aber auch, wie stark die Erwartungen drehen können – im Quartalsvergleich geht es um 11 beziehungsweise 20 Prozentpunkte deutlich zurück.

Deutlich pessimistischer fällt der Ausblick im verarbeitenden Gewerbe aus. Der NBA rutscht auf -13 Prozent – der niedrigste Wert aller Sektoren und ein klares Signal für den Druck in der Industrie. Ein negativer NBA bedeutet, dass die Unternehmen dieser Branche mehrheitlich Stellen reduzieren möchten. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei +18 Prozentpunkten. Auch professionelle, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen liegen nur noch bei 4 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 34 Punkten. Das Gastgewerbe (5 Prozent), Handel & Logistik (6 Prozent) sowie Finanzen & Versicherungen (7 Prozent) bewegen sich ebenfalls nur noch im unteren einstelligen Bereich.

Der Bericht enthält zudem zwei Sonderauswertungen: Die Automobilbranche liegt mit 24 Prozent überraschend robust im positiven Bereich und kann sich im Vergleich zum Vorjahr sogar um 19 Prozentpunkte steigern. Hingegen erreichen Tech & IT Services nur 5 Prozent (-14 Prozentpunkte) und bleiben damit klar hinter den Erwartungen an ein Wachstumsfeld zurück.

Internationaler Vergleich: Deutschland deutlich unter globalem Durchschnitt

Im internationalen Vergleich fällt Deutschland weiter zurück. Während der globale Durchschnitt der Beschäftigungsaussichten für Juli bis September bei 26 Prozent liegt (Q2/2026: 31 Prozent; Q3/2025: 24 Prozent), findet sich Deutschland nur noch im unteren Feld der 42 untersuchten Länder wieder. Gleichzeitig zeigt der Blick nach Europa ein geteiltes Bild: Frankreich und Italien sind mit jeweils 3 Prozent ähnlich schwach, Rumänien bildet mit -12 Prozent sogar das Schlusslicht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Gegenbeispiele: Schweden erreicht 34 Prozent, die Niederlande 23 Prozent, und auch das Vereinigte Königreich liegt mit 37 Prozent deutlich über dem globalen Schnitt.

Geopolitische Unsicherheit, hohe Finanzierungskosten und eine verhaltene Investitionsneigung: Diese Belastungsfaktoren treffen derzeit viele Länder. In Deutschland kommen weitere Standortthemen erschwerend hinzu: hohe Kosten- und Regulierungsbelastung, ein starker Industrie- und Exportfokus sowie der gleichzeitige Transformationsdruck in Schlüsselbranchen. „Das führt dazu, dass Unternehmen Einstellungen eher strecken und Kapazitäten vorsichtiger planen. Zugleich bleibt der Fachkräftemangel in vielen Profilen real – was den Markt zusätzlich zäh macht, weil Stellen länger unbesetzt bleiben oder Abgänge nicht nachbesetzt werden können“, erklärt Becirovic.

Unternehmensgrößen: Kleine Betriebe überraschend optimistisch – Mittelstand und Großunternehmen deutlich vorsichtiger

Nach Unternehmensgröße zeigt sich ein stark differenziertes Bild. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten können als einzige zulegen und kommen im dritten Quartal auf einen NBA von 13 Prozent, nach 3 Prozent im Vorquartal und 0 Prozent im Vorjahr. Deutlich zurückhaltender sind Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitenden: Ihr Beschäftigungsausblick fällt auf 7 Prozent (Q2: 18 Prozent).

Besonders deutlich ist die Eintrübung bei großen Arbeitgebern: Unternehmen mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitenden rutschen sogar ins Minus (-8 Prozent) und verlieren massiv gegenüber dem Vorquartal (-19 Prozent) sowie dem Vorjahr (-38 Prozent). Auch die größten Unternehmen mit 5.000 oder mehr Beschäftigten bleiben mit 2 Prozent auf sehr niedrigem Niveau (-12 Prozentpunkte).

Insgesamt deutet das darauf hin, dass vor allem größere Organisationen ihre Personalplanung derzeit stark drosseln – während kleinere Betriebe punktuell Chancen sehen und schneller reagieren.

Zu den vollständigen Ergebnissen und dem kostenlosen Download

Die nächste Umfrage wird im September 2026 veröffentlicht und berichtet über die Einstellungserwartungen für das 4. Quartal 2026.

*Der Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) errechnet sich aus dem Anteil der Unternehmen, die einen Beschäftigungsanstieg erwarten, abzüglich derer, die einen Beschäftigungsrückgang prognostizieren. An der Befragung nahmen deutschlandweit 1.087 Unternehmen teil. Die aktuelle Untersuchung wurde am 30. April 2026 abgeschlossen.

**Über die Branchen: ManpowerGroup hat die Branchenklassifizierung aktualisiert, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse und Aussagen die globale wirtschaftliche Struktur besser widerspiegeln. Mit der Veröffentlichung des MEOS Q1/2026 werden die Daten für neun Branchen ausgewiesen: Bau & Immobilien; Finanzen & Versicherungen; Gastgewerbe; Information & Kommunikation; Verarbeitendes Gewerbe; Professionelle, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen; Öffentlicher Sektor, Gesundheit & soziale Dienste; Versorgung & natürliche Ressourcen sowie Handel & Logistik. Die historischen Daten wurden neu klassifiziert, um die Konsistenz im Zeitverlauf zu gewährleisten. Die nationalen und regionalen Auswertungen bleiben unverändert. Diese Aktualisierung verbessert die Vergleichbarkeit mit anderen Studien und gewährleistet eine größere Relevanz für Kunden, Medien und Marktteilnehmer.

Über das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer

Das Arbeitsmarktbarometer ist auch als ManpowerGroup Employment Outlook Survey (MEOS) bekannt und existiert bereits seit über 60 Jahren. Die Studie wird im Dreimonats-Rhythmus veröffentlicht und gilt weltweit als wichtiger Indikator zur Einschätzung der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung. Die Studie ist die umfassendste zukunftsorientierte Beschäftigungsumfrage ihrer Art und misst repräsentativ die Erwartungshaltung von Arbeitgebern zur Beschäftigungslage ihres eigenen Unternehmens in Bezug auf das jeweils vorausliegende Quartal. Die Ergebnisse sind aufgeschlüsselt nach Branchen und Regionen und finden weltweit bei Ökonom*innen, Arbeitsmarktexpert*innen und Finanzanalyst*innen Beachtung.

ManpowerGroup Deutschland GmbH & Co. KG

Mit rund 6.000 Mitarbeitenden zählt die ManpowerGroup zu den größten Personaldienstleistern in Deutschland. Unter dem Dach der Unternehmensgruppe agieren die Gesellschaften Manpower, Experis, Talent Solutions sowie spezialisierte Einzelmarken. Die ManpowerGroup ist Pionier der Zeitarbeit und hat das Modell der Arbeitnehmerüberlassung erfunden. Mittlerweile ist das Unternehmen seit über 75 Jahren für Bewerber, Bewerberinnen und Unternehmen am Markt aktiv und setzt Branchenstandards. Die ManpowerGroup unterstützt Unternehmen bei ihrer Transformation in der sich stetig und rasant wandelnden Welt der Arbeit und stellt umfassende Lösungen für das Rekrutieren, Entwickeln und Managen der für den nachhaltigen Erfolg notwendigen Fachkräfte bereit. In Deutschland ist die ManpowerGroup seit 1965 tätig und gehört zu der amerikanischen ManpowerGroup(TM).

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