Agravis Raiffeisen AG fordert politische Leitplanken

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Münster (ots) –

Die AGRAVIS Raiffeisen AG (https://www.agravis.de/de/) fordert im Umfeld der Grünen Woche in Berlin politische Leitplanken. Es mutet an wie die Quadratur des Kreises – auf der einen Seite stehen Ressourcenschonung und Ernährungssicherheit, auf der anderen Seite steht die heimische Landwirtschaft, die unter herausfordernden Rahmenbedingungen und inmitten einer gesellschaftlichen Diskussion um ihren Fortbestand aktuelle Leitplanken der Politik erwartet, die unternehmerische Entscheidungen zulässt.

Langfristige Planungssicherheit eforderlich

„Als AGRAVIS stehen wir für eine nachhaltige, innovative Landwirtschaft. Wir stellen uns den Herausforderungen der gesellschaftlichen Diskussion und auch denen der Politik, allerdings fordern wir auch langfristige Planungssicherheit ein. Wir setzen uns gerade mit Blick auf die Internationale Grüne Woche für einen fachlichen, sachlichen und lösungsorientierten Dialog ein“, macht der AGRAVIS-Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Köckler deutlich. „Eine idiologisch getriebene Diskussion hilft uns nicht weiter. Wir sollten uns vielmehr über Ziele und den Weg, diese zu erreichen, austauschen.“ Landwirtschaft heißt nachhaltig handeln – wir leihen unsere Böden und Höfe nur, um sie an die nächste Generation zu übergeben. Das ist gelebte Praxis und stiftet oftmals Identifikation und Ambition und ist über alle Maßen angewandte Nachhaltigkeit.

Politik muss stabile Leitplanken setzen

„Aber dafür benötigen wir verlässliche Rahmenbedingungen und stabile Leitplanken. Die muss die Politik setzen. Sie müssen so gesetzt werden, dass der Landwirtschaft und den vor- und nachgelagerten Bereichen eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive bleibt“, unterstreicht Dr. Köckler. „Und gerade deshalb: Wir treten offen an für gesellschaftliche Akzeptanz, ohne die die Landwirtschaft in Deutschland keine Zukunft hat. Deshalb müssen wir sichtbarer werden und zeigen, dass Landwirtschaft nachhaltig, innovativ, lernfähig und kompetent ist. Landwirtschaft ist ein starker Teil des ländlichen Raumes und sichert auch die hochwertige, regionale Ernährung unserer urbanen Bevölkerung.“

Pro verantwortungsvollem und ressourcenschonendem Pflanzenschutz

Mit Blick auf den Pflanzenbau und die aktuelle Farm-to-Fork-Diskussion macht Dr. Köckler aber auch unmissverständlich deutlich: „Ein verantwortungsvoller und ressourcenschonender Pflanzenschutz muss möglich bleiben, um auf unserem Gunststandort Deutschland Erträge abzusichern. „Landwirt:innen müssen im Pflanzenbau auf spezifische Witterung und biologische Bedingungen eines Jahres reagieren können.“ So führten beispielsweise Infektionsbedingungen für Rostkrankheiten ohne Behandlungsmöglichkeit zu erheblichen Ertragsausfällen. Andere Erreger wie Fusarien könnten in Befallsjahren durch Toxinbildung die Nahrungsqualität gefährden. „Verordnungen und Gesetze dürfen hier nur einen Rahmen setzen, aber keine statischen, fachlich falschen Handlungsanweisungen geben.“

Verschiedene Bausteine wichtig

Eine breite Anwendung von Smart Farming, eine Nutzungsoffensive von Gülle und Mist für Biogas, und eine moderne Pflanzenzüchtung mit einer ehrlichen Diskussion zu Crispr Cas sind Bausteine einer wirklichen Lösung. Um dies aber politisch zu etablieren, sei eine fachliche Diskussion unumgänglich. „Pauschale Reduktionsvorgaben helfen gerade in der aktuell angespannten Situation nicht weiter“, so Dr. Köckler, der für eine fachliche, nachhaltige und innovative Pflanzenbaustrategie – auch mit reduzierten Pflanzenschutzeinsätzen – steht. “ Auf unserem Gunststandort Deutschland bleiben die aktuell angebauten Fruchtarten auch in der näheren Zukunft im Fokus. Bemühungen um Sommerungen, Leguminosen sind richtig, aber vielerorts ausgereizt, wie uns der Trockensommer 2022 wieder gezeigt hat.

Sicherung der Bodengesundheit

Die Landwirtschaft beantwortet ihre Versorgungsrolle für die Humanernährung, die Nutztierfütterung und Produktion von Biogas mit ausgewogenen Fruchtfolgen. Der Bodenschutz oder besser die Sicherung der Bodengesundheit hat dabei im Kontext des Klimawandels eine noch größere Bedeutung und wird durch den nachhaltigen Einsatz von Düngung, Pflanzenschutz, Zwischenfruchtanbau und moderne Bodenbearbeitungstechnik weiter verbessert. Hier gelte es, die Möglichkeiten der Digitalisierung im Bereich NetFarming (https://www.netfarming.de/de/netfarming_de/) konsequent zu nutzen und auch den Einsatz von Feldrobotik (https://www.agravis.de/de/technik/agrartechnik/feldrobotik.html) nach vorne zu entwickeln.

Landwirtschaft steht für verlässliche Nahrungsmittelversorgung

Politik richte sich an gesellschaftlichen Trends aus – Landwirtschaft stehe für eine verlässliche Nahrungsmittelversorgung. „Diese Pole müssen sich wieder annähern – durch gemeinsame, sachlich-wissenschaftliche Zielformulierungen, nicht durch gegenseitige Schuldzuweisungen. Ich kann mir jedenfalls Deutschland nicht ohne landwirtschaftliche Produktion mit nachhaltig angemessener Intensität vorstellen.“

Technischer Fortschritt und Innovationen im Fokus

Dabei unterstreicht Dr. Köckler auch das Bekenntnis der AGRAVIS zu technischem Fortschritt und Innovationen. „Ich möchte jetzt nicht auf die üblichen Zahlen verweisen, dass Landwirtschaft 2019 137 Menschen ernährte und in den 1960er-Jahren nur 17. Ich plädiere vielmehr für innovative Produktions- und Züchtungsmethoden, um einerseits Ertragssicherheit im Pflanzenbau bei Reduktion von Pflanzenschutz und Dünger zu realisieren, anderseits aber auch Lösungen für den Hunger in der Welt zu finden. Hier gilt es, an historische Spitzenleistungen in Forschung, Industrie und landwirtschaftlicher Praxis am Wissensstandort Deutschland anzuknüpfen. Wir können es uns nicht erlauben, auf den europäischen Gunststandorten die Landwirtschaft auszubremsen und in anderen Teilen der Welt für Nahrungsmittelknappheit zu sorgen.“

AGRAVIS hat Soja-Einsatz schon um 40 Prozent reduziert

Innovationen mahnt Köckler auch in der Tierernährung an. „Hochwertiges Eiweiß wird heute über Sojaschrot ergänzt – warum nicht über Fliegenlarven, Heuschrecken oder, oder, oder … Wir müssen uns trauen, innovativer zu handeln und technischen Fortschritt zuzulassen.“ Sojaschrot wird nach aktuellem Stand aufgrund seiner biologischen Wertigkeit weiterhin mit rund 10 Prozent der gesamten Futtermittelmenge ein nachhaltiger Rohstoff in der Fütterung für die hochwertige Lebensmittelerzeugung sein. Der Ersatz, zum Beispiel durch Rapsschrot, hat in einigen Bereichen seine ernährungsphysiologischen Grenzen erreicht. AGRAVIS ist es trotzdem gelungen, in den vergangenen zehn Jahren den Soja-Einsatz schon um 40 Prozent zu reduzieren. In vielen Rationen beispielsweise der Ferkelfütterung ist Soja jedoch weiterhin unter dem Aspekt der Ökoeffizienz ein wertvoller Futterrohstoff.

Standortsicherung der deutschen Tierhaltung

Ein weiteres Beispiel für die Innovationskraft ist das MX-Fütterungskonzept (https://www.agravis.de/de/tierhaltung/fuettern/rinder-und-kaelber/methanreduktion-mit-dem-mx-konzept.html) bei Wiederkäuern, das die Methanemissionen bis zu 30 Prozent reduzieren kann. Mit dem innovativen Fütterungskonzept leistet die AGRAVIS einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und Standortsicherung der deutschen Tierhaltung. „Gleichzeitig möchten wir aber auch aufzeigen, dass wir mit Innovationen einen Schritt zur Erfüllung der Klimaschutz-Ziele mitgehen. Politik und Gesellschaft stellen steigende Anforderungen an das Füttern und Halten von Nutztieren. Daher sind Lösungen gefragt, die tier- und umweltgerecht sind und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit auf landwirtschaftlichen Betrieben verbessern“, so Köckler. „Landwirtschaft sowie die vor- und nachgelagerten Stufen sind innovativ und unterstützen Ressourcenschonung und Biodiversität. Wir wehren uns aber gegen pauschales Agrarbashing – und laden ein zum fachlichen Dialog über innovative Konzepte.“

Intelligente Nutzung von Wirtschaftsdüngern

Dazu soll auch die Weiterentwicklung der Bioenergie Velen GmbH dienen: Mit Aufhebung des Insolvenzverfahrens ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, damit auf der Biogasanlage in Nordvelen künftig klimaneutrale Energie produziert werden kann. Anteilseigner an der Bioenergie Velen GmbH sind Unternehmen der AGRAVIS, RETERRA West, ODAS, Stadtwerke Lünen sowie ein Zusammenschluss von Landwirten aus der Region, die auch vorher schon an der Anlage beteiligt waren. Langfristiges Ziel ist es, Synergien zwischen der Veredelungsregion im Münsterland und der Energiewirtschaft durch intelligente Nutzung von Wirtschaftsdüngern zu erzielen. „Denn eine klimaneutrale Energieproduktion benötigt nur kurze Wege um Viehhaltung, regionale Energieerzeugung und Düngung zu ermöglichen“, macht der AGRAVIS-Vorstandschef deutlich und unterstreicht die Zukunftsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft. „Darauf können wir uns verlassen – das sollten auch Politik und Gesellschaft akzeptieren und honorieren.“

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Bernd Homann
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Quelle: ots