Archiv des Autors: Brigitte Sasse

Harold und Maude im WBT

Der Vorhang öffnete sich und schon wussten die Zuschauer um das zentrale Thema des Stückes Bescheid. Ein lebloser Körper baumelt von der Decke!
Todessehnsucht eines jungen Mannes ,Harold,gerade mal 18 Jahre alt. Er hält sich bevorzugt auf Schrottplätzen,Friedhöfen und Beerdigungen auf. Lieblingshobby ist die Inszenierung seines eigenen Todes. – Sehr kreativ – sei es Erhängen, Verbrennen, Erschießen,Vergiften oder Harakiri.

Seine Mutter nimmt ihn mittlerweile nicht mehr ernst und geht emotionslos mit diesen dummen Jungen Streichen um. Sie hat feste Vorstellungen vom Leben und versucht – dominant und sehr bestimmt- Harold auf den richtigen Weg zu bringen. Sie sucht per Annoncen eines Computerclubs mögliche Heiratskandidatinnen für ihren Sohn aus. Dieser macht sich einen Scherz daraus die armen jungen Frauen durch seine Hobbyinszenierungen aus dem Haus zu treiben. Selbst der Psychiater, den die besorgte Mutter für ihn engagiert, weiss keinen Rat. Einen Vater gibt es nicht und wird auch nicht erwähnt.

Auf einer Beerdigung lernt Harold Maude kennen. Eine Verrückte fast 80-Jährige. Sie stiehlt Autos,rast wie eine Irre durch die Stadt ,entführt Robben aus dem Zoo um sie freizulassen… Sie ist das Leben selbst und Harold entdeckt das Leben weit ab von Schrottplätzen,Freidhöfen und Beerdigungen.Er riecht durch Maude die Welt. Maude sammelt ,erfindet unnütze Dinge, rettet Bäume ,lässt sich einfach treiben! Das Motto:Freiheit-Gleichheit-Gerechtigkeit

Harold blüht auf und verliebt sich in Maude. Er plant einen unvergesslichen 80. Geburtstag um ihr als Höhepunkt einen Heiratsantrag zu machen- zum Entsetzen seiner Mutter.
Maude hat aber beschlossen,sich an diesem Tag mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen.
Alle Rettungsversuche scheitern, Maude stirbt. – Nun glaubt der Zuschauer, Harold folge ihr ,doch er besinnt sich auf das , was Maude ihn gelehrt hat.

Carpe diem- pflücke den Tag!
Das Stück Harold und Maude beschreibt auf skurrile, traurige aber durchaus auch lustige Art und Weise die Nähe von Leben und Tod.
Eine wundervolle Inszeniereung von Kathrin Sievers.Das Bühnenbild bestand aus zwei verschiedenen Welten links Wohnzimmer eines Schloßherren,rechts das Chaos der verrückten alten Dame.
Großartig die Idee alle weiblichen Rollen -bis auf Maude- mit Männern zu besetzen.

Heiko Grosche und Florian Bender auf Stöckelschuhen brachten das Publikum immer wieder zum Lachen.
Monika Hess Zanger besticht als Maude und Johannes Langer spielt den weltfremden Jungen sehr eindrucksvoll.

Ein unterhaltsamer, gelungener Abend.


Schwarze Komödie
Hal Ashby 1971
Drehbuch Collin Higgins

WOLFGANG BORCHERT THEATER
AM MITTELHAFEN 10
48155 MÜNSTER
KARTEN 0251.400 19
https://www.wolfgang-borchert-theater.de/


Bild:Klaus Lefebvre

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