Mannheim (ots) –
– Auch im vierten Quartal setzt sich der konjunkturelle Abschwung fort
– HR-Nachfrage mit stärkstem Einbruch
– IT vergleichsweise stabil, Engineering unter Druck
Die Nachfrage nach Fachkräften in Deutschland ist im vierten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal mit einem Rückgang von 47 Prozentpunkten deutlich eingebrochen. Auch im Vergleich zum direkten Vorquartal setzt sich der Abwärtstrend fort: Die Zahl der Stellenausschreibungen sank nochmals um 12 Prozentpunkte auf nun 35 Prozent. Im Jahresvergleich zeigt sich die Entwicklung besonders deutlich: Gegenüber 2024 hat sich die Entwicklung der Stellenausschreibungen im Jahr 2025 pro Quartal nahezu halbiert. Damit bestätigt sich ein klarer konjunkturzyklischer Abschwung, ausgelöst durch anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit – insbesondere bei Personalinvestitionen und Neueinstellungen.
Personalabteilungen spüren Krise besonders deutlich
Abermals hat es den Bereich Human Resources am stärksten getroffen. Mit einem Minus von 23 Prozentpunkten auf 15 Prozent ist die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften in diesem Berufsfeld besonders deutlich gesunken. Die Gesamtnachfrage nach HR-Positionen im vierten Quartal 2025 liegt damit rund 47 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Dieser Berufszweig reagiert besonders sensibel auf konjunkturelle Abschwünge, da er eng an Neueinstellungen, Personalentwicklung und der Veränderung von Organisationen insgesamt gekoppelt ist. Fahren Unternehmen ihre Rekrutierungsaktivitäten zurück und frieren ihre Personalplanung vorübergehend ein, sinkt auch der Bedarf an HR-Fachkräften.
Auf den einzelnen Positionen verzeichnen die HR-Business Partner mit einem Rückgang von minus 78 Prozentpunkten, wenn auch auf hohem Niveau, die stärkste negative Veränderung. Auch Personalberater werden nochmals weniger gesucht. Mit minus 32 Prozentpunkten zum Vorquartal nimmt die Nachfrage spürbar ab. Auf Platz drei folgen die HR-Manager mit minus 31 Prozentpunkten. „HR trifft die Krise am härtesten. Sobald Unternehmen Einstellungen stoppen und HR-Planstellen auf Eis legen, wird strategische HR-Arbeit automatisch zurückgefahren. Das hat gravierende Folgen für die Zukunftsfähigkeit der Organisationen“, sagt Florian Wagner, Lead Interim & HR-Projects.
IT-Nachfrage sinkt vergleichsweise moderat
Die Jobgesuche nach IT-Fachkräften sind im vierten Quartal 2025 zwar ebenfalls rückläufig (- 13 Prozentpunkte auf 59 Prozent), zeigen sich insgesamt jedoch robuster als die Berufsgruppen HR oder Engineering. Das verdeutlicht der Vorjahresvergleich. Im vierten Quartal 2025 liegt die IT-Nachfrage bei den absoluten Zahlen rund 18 Prozent unter dem Vorjahresquartal, womit dieser Rückgang geringer als der Gesamtmarkt ausfällt. Strukturell gesehen bleibt IT aufgrund von Digitalisierung, KI-Einführung und Automatisierung auch im Jahr 2025 einer der nachfragestärksten Fachkräftebereiche. Trotz des Nachfragerückgangs haben beispielsweise IT-Entwickler (-7 PP) oder IT-Architekten (-20 PP) nach wie vor eine hohe Relevanz in Unternehmen. „Unternehmen reduzieren zwar ihre Einstellungsvolumina, verzichten jedoch nicht auf kritische IT-Kompetenzen. Insbesondere in den Bereichen Softwareentwicklung, SAP, IT-Architektur, Automatisierung und KI/Data bleibt der Bedarf strukturell hoch. Digitale Transformation wird daher auch in konjunkturell angespannten Phasen nicht ausgesetzt, sondern nur selektiver und strategischer betrieben“, so Andreas Sauer, Bereichsleiter Technology bei Hays.
Breiter Nachfragerückgang: Engineering unter konjunkturellem Druck
In den weiteren Berufsgruppen gibt es im vierten Quartal deutliche bis moderate Nachfragerückgänge. Im Bereich Procurement verliert der Index minus 16 Prozentpunkte und kommt auf einen Endwert von 41 Prozent. Ähnlich trüb entwickelt sich die Nachfrage nach Vertriebs- und Marketing-Fachkräften. Hier nimmt der Index nochmals um 15 Prozentpunkte ab und springt von 18 Prozent im dritten Quartal auf das geringe Niveau von drei Prozent zum Jahresende. Besonders sensibel auf die anhaltende konjunkturelle Abkühlung gestaltet sich die Nachfrage nach Ingenieursberufen. Zwar verzeichnet der Index mit minus sechs Prozentpunkten im vierten Quartal einen vergleichsweisen moderaten Rückgang, im Vergleich zum Vorjahresquartal fällt er allerdings um satte 28 Prozentpunkte ab. Der Rückgang ist vor allem auf die schwache Entwicklung in der Industrieproduktion, dem Maschinen- und Anlagebau sowie der Automobilwirtschaft zurückzuführen. Worauf auch die Einzelwerte in den am stärksten veränderten Positionen hindeuten. Elektronikingenieure werden weniger (-6 PP) ausgeschrieben, Entwicklungsingenieure Mechatronik (-7 PP) und Antriebstechnik (-7 PP) ebenso. „Der Index zeigt: Wenn industrielle Schlüsselbranchen wie Maschinenbau und Automobilwirtschaft weniger Entwicklungs- und Antriebskompetenz nachfragen, wird Investitionszurückhaltung unmittelbar spürbar“, konstatiert René Gruner, verantwortlich für den Bereich Engineering bei Hays.
Finanzfachkräfte deutlich unter Vorjahresniveau – Juristen bleiben stabil
Die Nachfrage nach Finanzfachkräften ist im gesamten Jahr 2025 deutlich unter das Niveau von 2024 gefallen. Im vierten Quartal 2025 liegt sie in absoluten Zahlen rund 26 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Das Quartalsminus beläuft sich bei den Finanzern auf minus 11 Prozentpunkte auf den Indexwert von 58 Prozent. Leichte Zuwächse (+5 PP) verzeichnen lediglich die Wirtschaftsprüfer sowie die Finanzanalysten. Vergleichsweise stabil bleibt die Nachfrage auch bei den Finanz- (-5 PP) und Bilanzbuchhaltern (-6 PP). „Dass Wirtschaftsprüfer und Finanzanalysten leicht zulegen, während klassische Finanzrollen stagnieren, unterstreicht, dass aktuell vor allem Transparenz, Kontrolle und belastbare Entscheidungsgrundlagen gefragt sind“, so Erich Schwinghammer, Bereichsleiter Finance bei Hays.
Auf einem ähnlichen Nachfrageniveau bewegen sich die Ausschreibungen im Bereich Life Science. Das vierte Quartal beläuft sich hier mit einem Minus von 11 Prozentpunkten auf einen Indexwert von 54 Prozent. Die Juristen verzeichnen den geringsten Rückgang. Der Index ist von 116 im dritten Quartal auf 113 im vierten Quartal nur gering gefallen. Anders als in vielen anderen Funktionsbereichen reagieren juristische Tätigkeiten weniger anfällig auf Konjunkturschwankungen. Der stabile Bedarf lässt sich mit einer Kombination aus regulatorischem Druck, strukturellem Beratungsbedarf und Unternehmenskrisen erklären.
Weniger Jobs in fast allen Branchen – Handel und Industrie besonders betroffen
Der Fachkräfte-Index für die Branchen zeigt, dass sich die Nachfrage im gesamten Jahr 2025 in nahezu allen Wirtschaftsbereichen weiter abgeschwächt hat. Besonders deutlich fällt der Rückgang in den industriellen und unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen aus. Besonders der Handel (-60 PP), Bau (-41 PP) und Finanzdienstleistungen (-30 PP) verzeichnen gegenüber dem Vorjahr deutliche Nachfrageverluste. Bezogen auf das Nachfrageniveau bleiben das Baugebewerbe und die öffentliche Verwaltung vergleichsweise stabil.
„Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, wie groß derzeit die Zurückhaltung bei Neueinstellungen ist. Unternehmen priorisieren kurzfristige Stabilität vor langfristigem Personalaufbau. Besonders deutlich wird dies im HR-Bereich, der als Frühindikator konjunktureller Entwicklungen fungiert. Gleichzeitig sehen wir, dass strukturell getriebene Bereiche wie IT trotz Rückgängen resilient bleiben. Das unterstreicht, dass Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und KI auch in einem schwierigen Umfeld keine optionalen Investitionen sind, sondern zentrale Zukunftsfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“, resümiert Alexander Heise, Hays CEO Deutschland und CEMEA.
Über den Hays Fachkräfte-Index
Der Hays Fachkräfte-Index (https://www.hays.de/personaldienstleistung-aktuell/fachkraefte-index) basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der Index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk Xing. Der Fachkräfte-Index zeigt die prozentuale Veränderung zum Ausgangswert vom 1. Quartal 2015 an. Sämtliche Positionsbezeichnungen gelten grundsätzlich für alle Geschlechter.
Pressekontakt:
Clemens Hoh
Hays AG, PR & Content
T: +49 621 1788 1946
M: +49 151 5431 8408
E: [email protected] Betz
Hays AG, PR & Content
T: +49 89 512669 264
M: +49 160 8833860
E: [email protected]
Original-Content von: Hays AG, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots
