Roland-Berger-Studie: Europas Wettbewerbsfähigkeit zeigt erste Anzeichen einer Trendwende

Davos (ots) –

– European Future Readiness Index misst Zukunftsfähigkeit Europas in sechs Kategorien
– Die Bereiche Humankapital, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Resilienz sowie Infrastruktur drehen nach Jahren des Rückgangs erstmals ins Plus
– Wichtigste Hebel zur Verfestigung der Trendumkehr laut Roland Berger: Reduzierung regulatorischer Komplexität, Stärkung von Innovationen, ein unabhängigeres europäisches Finanzsystem sowie die konsequente Nutzung industrieller Datenpools mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)

Januar 2026: Strukturelle Erstarrung, regulatorische Komplexität und hoher Kostendruck bremsen seit langem Europas Wettbewerbsfähigkeit. Doch nach jahrelangem Abwärtstrend deutet sich nun erstmals eine leichte Trendumkehr an. Das zeigt der „European Future Readiness Index“ der Unternehmensberatung Roland Berger, der heute in Davos vorgestellt worden ist.

Der Index analysiert die Entwicklung der wettbewerblichen Rahmenbedingungen der Länder der Europäischen Union sowie Norwegens, der Schweiz und Großbritanniens über die vergangenen 20 Jahre. Er besteht aus den sechs Teilindizes Humankapital, Nachhaltigkeit, Digitalisierung/Innovation, Resilienz, Infrastruktur sowie Institutionen, in deren Berechnung insgesamt 24 Kennzahlen einfließen. Fünf dieser sechs Teilindizes haben nach den jüngsten Daten ihren langjährigen Mittelwert erstmals wieder zum Teil deutlich überschritten.

„Europa verfügt über die wirtschaftliche Größe, die industrielle Basis und die institutionellen Kapazitäten, um seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen“, sagt Stefan Schaible, Global Managing Partner bei Roland Berger. „Unsere Analyse zeigt, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Kontinents über viele Jahre hinweg verschlechtert hat. Ermutigend ist jedoch, dass der Index jetzt wieder deutlich über seinem Langzeitverlauf liegt, wenn auch auf absolut zu niedrigem Niveau. Europa muss sich aber weiter massiv anstrengen.“

Positive Entwicklungen in zentralen Bereichen

Beim Teilindex Humankapital gibt es seit 2018 einen klaren Aufwärtstrend, getrieben vor allem durch höhere öffentliche Bildungsausgaben. Dies äußert sich etwa in einer stärkeren Einbeziehung von Frauen in Führungsgremien sowie einer wachsenden Quote von Hochschulabsolventinnen und -absolventen.

Der Teilindex Nachhaltigkeit war dagegen zwischen 2014 und 2021 rückläufig und zeigt erst seither wieder eine positive Entwicklung.

Beim Teilindex Resilienz zeigt sich seit 2020 ebenfalls eine deutliche Erholung: Steigende Verteidigungsausgaben sowie eine kontinuierlich sinkende Verschuldung der Unternehmen haben die Widerstandsfähigkeit Europas gestärkt.

Auch der Infrastruktur-Index, in den Vorjahren vor allem wegen der massiv gestiegenen Energiepreise im Minus, zeigt 2024 eine leichte Erholung.

Herausforderungen bleiben bestehen

Im Bereich Digitalisierung und Innovation hat Europa eine echte Achillesferse. Seit 2021 geht es bergab mit einer leichten Erholung in 2024 auf niedrigem Niveau. Hier muss Europa bei KI/Digitalisierung und bei den Patenten unbedingt nachlegen, weil sonst die Lücke zu den USA und China weiter anwächst. In diesem Segment wird über die Zukunftsfähigkeit des Kontinents entschieden.

Auch der Bereich Institutionen bleibt kritisch: 2006 noch auf einem hohen Niveau, fiel dieser Teilindex infolge der globalen Finanzkrise stark ab und verschlechterte sich seit 2018 weiter. Gründe sind steigende Staatsschulden sowie die hohe Komplexität des regulativen Umfelds.

„Europas Wettbewerbsfähigkeit steht trotz der jüngsten positiven Signale noch immer unter erheblichem Druck. Die Herausforderungen sind jedoch überwindbar, wenn wir jetzt entschlossen und koordiniert handeln. Ein klarer Fokus muss auf der Künstlichen Intelligenz liegen, wo wir bei der Nutzung von Unternehmensdaten eine große Chance haben. Diese gilt es zu nutzen“, so Schaible.

Hierfür empfehlen die Roland-Berger-Experten Maßnahmen in vier zentralen Handlungsfeldern:

– Bürokratie/Regulierung: Gezielte Vereinfachung und klarere Aufteilung von Verantwortung zwischen EU- und nationalen Institutionen, um regulatorische Komplexität zu verringern, Genehmigungsprozesse zu verkürzen und Investitionen, Innovationen sowie Wachstum zu fördern.
– Zügiges Schließen von Innovationslücken: Schnellere Kommerzialisierung von Forschung durch einfachere Finanzierungsstrukturen und verschlankte administrative Prozesse; nachhaltige Steigerung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben im privaten Sektor sowie verbesserte Rahmenbedingungen für Start-ups und Scale-ups.
– Vollendung der Kapitalmarktunion: Beseitigung von Barrieren für grenzüberschreitende Kapitalmobilisierung, um private Investitionen freizusetzen und den Zugang zu Wachstumskapital in ganz Europa zu verbessern; Stärkung des Euro als globale Reservewährung und konsequentes Vorantreiben des digitalen Euro.
– Nutzung des industriellen Datenpools für einen Schub an KI-Innovationen: Effektive Strukturierung und Nutzung des Pools an spezialisierten Daten aus der Industrie als zentraler Erfolgsfaktor für eine zunehmend datengetriebene Wirtschaft.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen: Roland Berger_Europe_all_in_Performance_Index_final.pdf (https://content.rolandberger.com/hubfs/07_presse/Roland%20Berger_Europe_all_in_Performance_Index_final.pdf)

Über Roland Berger

Roland Berger ist eine weltweit führende Strategieberatung mit einem breiten Leistungsangebot für alle relevanten Branchen und Unternehmensfunktionen. Roland Berger wurde 1967 gegründet und hat seinen Hauptsitz in München. Die Strategieberatung ist vor allem für ihre Expertise in den Bereichen Transformation, industrieübergreifende Innovation und Performance-Steigerung bekannt und hat sich zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in all ihren Projekten zu verankern. Roland Berger erzielte 2024 einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro.

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