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Bilder nach dem Bombenhagel

Ausstellung im Stadtmuseum: „Das untergegangene Münster – Fotos von 1940 bis 1945“ / Detektivische Detailarbeit

Im letzten Kriegsjahr 1945 glich Münster eher einer antiken Ruine als einer mitteleuropäischen Stadt des 20. Jahrhunderts. Als Standort von Garnison, Verwaltung, Handel und als wichtiger Knotenpunkt am Dortmund-Ems-Kanal war die Provinzhauptstadt ein strategisch wichtiges Ziel des Flächenbombardements. Die völlig zerbombte Altstadt wurde seit den späten 1940er-Jahren wiederaufgebaut. Doch rund siebzig Jahre nach Kriegsende werden Zeitzeugen weniger und die Erinnerung an die radikale Verwüstung verblasst.

Telgter Straße / heute Alter Steinweg

Die neue Ausstellung „Das untergegangene Münster – Fotos von 1940 bis 1945“ im Stadtmuseum führt das Ausmaß der Vernichtung und das Bild der im Bombenhagel untergegangenen Stadt noch einmal vor Augen. Viele der Aufnahmen sind zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Sie alle zeigen zerstörte Straßenzüge oder Hauptbauten in der Innenstadt, aber auch Bombentreffer im Außenbereich. Aktuelle Vergleichsaufnahmen und Ausschnitte aus dem Stadtplan neben den historischen Fotos helfen bei der Orientierung und stellen den Bezug zur Gegenwart her.

Dr. Axel Schollmeier, stellvertretender Museumsleiter, identifizierte und wählte in zeitaufwendiger, akribischer Arbeit aus dem umfangreichen Bestand des Museums, des Stadtarchivs und aus privaten Aufnahmen rund 150 dieser Trümmer-Fotos aus. Eine Herausforderung, denn nicht immer war auf Anhieb zu erkennen, wo die Aufnahmen entstanden. Die Auswahl wurde in teils detektivischer Detailarbeit aus mehreren tausend Negativen aus dem Nachlass der Fotografen Viktor Jack und Clemens Hülsbusch getroffen.

Hülsbusch war Bildberichterstatter des „Münsterischen Anzeigers“

Maximilianstraße

und später der „Westfälischen Tageszeitung“. Martini-Drogerie-Inhaber Jack wurde 1940 dazu verpflichtet, Schäden und Einsatz des polizeilichen Hilfsdienstes unmittelbar nach den Luftangriffen zu dokumentieren. Privataufnahmen der Bombenschäden waren streng verboten und wurden im Laufe des Krieges immer seltener. Ergänzt wird die Ausstellung durch Aufnahmen der im Auftrag der Stadt Münster erstellten Kriegschronik von Dr. Franz Wiemers sowie durch Fotos aus zwei weiteren Sammlungen aus dem Museumsarchiv. Wenige weitere Fotos stammen aus Privatbesitz.

Zahlreiche Aufnahmen von Hülsbusch und Jack konnten vielfach nur mit Hilfsmitteln identifiziert und datiert werden. Wichtig waren Quellen wie die bebilderte Wiemers-Chronik oder zeitgenössische Tagebucheinträge. Der detaillierte Innenstadtplan von 1934 etwa oder der Stadtplan von 1939 halfen wesentlich dabei, den exakten Standpunkt des Fotografen und seine Blickrichtung genau nachzuvollziehen. Nicht minder wichtig waren Luftaufnahmen aus den 1930er Jahren wie auch die Adressbücher der letzten Vorkriegsjahre.

„Mit über neunzig Prozent an Bebauung in Schutt und Asche gehörte Münster zu den am meisten zerstörten Städten Deutschlands. Diesen Vorgang in seiner Breite anhand von überliefertem Fotomaterial nachvollziehbar gemacht zu haben, ist das große Verdienst von Dr. Axel Schollmeier“, bedankt sich die Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé.

Bomben auf Innenstadt, Bahnhof und Hafen

Bahnhof

Von 1939 bis 1945 wurden 102 Luftangriffe auf Münster geflogen. Sie hinterließen innerhalb des Promenadenrings Ruinen und ein Trümmerfeld. Auch in den umliegenden Stadtteilen waren die Schäden erheblich. Das zum Zentrum hin zunehmende Ausmaß der Zerstörung aber macht deutlich, dass vor allem die Innenstadt und das Bahnhofs- und Hafengebiet die unmittelbaren Angriffsziele waren.

Aegidiistraße / Rothenburg

Die ersten Angriffe auf den Hafen im Jahr 1940 dokumentieren Fotos von Clemens Hülsbusch. Bilder aus den Jahren 1943/1944 belegen den verheerenden Schaden am Bahnhofsgebäude. Erstmals wurden mit dem Angriff vom 10. Oktober 1943 Häuser am Prinzipalmarkt getroffen und im Aegidiiviertel ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht, wie ein Foto der Kreuzung Aegidiistraße/Rothenburg belegt. Zeitgenössische Berichte überliefern, dass die Straße nach dem Angriff zu beiden Seiten lichterloh brannte und es viele Opfer unter den Bewohnern gab.

Den Untergang Münsters besiegelten die Bombardements 1944/45. Die Angriffe von 1944 haben Aufnahmen von Hülsbusch und Jack der Nachwelt erhalten. Fotos der Vernichtung nach den schweren Luftangriffen der letzten Kriegsmonate aber sind bislang nicht bekannt.

Die Bilder der Ausstellung lassen nur erahnen, wie beängstigend der Alltag mit Ausharren im Bunker und dem Verlust von Familienangehörigen, Freunden und Habseligkeiten gewesen sein muss. Und welch trostloser Anblick sich den Münsteranerinnen und Münsteranern damals geboten hat.

Info: „Das untergegangene Münster – Fotos von 1940 bis 1945“ ist bis zum 31. Mai 2015 im Stadtmuseum zu sehen und sie ist umbedingt SEHENSWERT.

Stadtmuseum sucht Fotos vom kriegszerstörten Münster

Neue Ausstellung: “Das untergegangene Münster – Fotos 1940 bis 1945” Münster. Ende Oktober setzt das Stadtmuseum Münster seine erfolgreiche Reihe von Fotopräsentationen mit der Sonderaustellung “Das untergegangene Münster – Fotos 1940 bis 1945” fort. Rund 150 Fotos dokumentieren in dieser … weiterlesen