Installation von Carl Andre füllt den Lichthof aus

Ein Meer aus weißen Quadern

Nach fünfjähriger Bauzeit wird das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster am 20. September mit dem Neubau von Staab Architekten Berlin eröffnet und damit wieder zugänglich sein. In einer Serie stellt das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) besondere Kunstwerke aus den 51 Ausstellungsräumen vor, lässt Menschen zu Wort kommen, die am Bau beteiligt waren und verrät Fakten aus dem Inneren des Hauses.

Ein Meer aus weißen Quadern zieht den Blick beim Betreten des Lichthofes auf sich. Eindrucksvoll liegt es in der Mitte des Raumes, hell beleuchtet von der Tageslichtdecke. Die Betonsteine bilden ein gleichmäßiges, reliefartiges Muster auf dem Boden. Setzt man seinen Weg durch den äußeren Bogengang fort, fällt der Blick immer wieder durch die geschwungenen Arkaden auf die kantigen Betonsteine im Zentrum des Hofes. Und obwohl der hohe Raum viel Luft nach oben bietet, scheint ihn das Werk mit gerade einem halben Meter Höhe dennoch vollkommen einzunehmen. Die Rede ist von Carl Andres Werk “Peace of Münster” (Friede von Münster).

Die Installation ist kein Denkmal im traditionellen Sinne, dennoch stehen die Betonquader mahnend im Raum. Sie verweisen auf den Schrecken und die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648. Das Werk des Minimal Art Künstlers Carl Andre zeichnet sich durch einen gleichmäßigen Rhythmus und eine theoretisch endlose Erweiterung des Musters aus. Die einzelnen Quader aus Beton sind seriell angefertigt und enthalten sich jeder Individualität. So ruhig und austauschbar wie sie dort liegen, erinnern die Steine an einen Soldatenfriedhof.

“Anstatt Material zu schneiden, benutze ich Material, um den Raum zu schneiden”, so Andre zu seiner Arbeit. “Peace of Münster” steht, sowohl als Kunstwerk, als auch als historisches Ereignis, für ein abstrahiertes und zeitloses Sinnbild der Zerstörung, einen Einschnitt in Raum und Zeit.

Mit seinen acht mal acht Metern ist “Peace of Münster” das größte Werk der Sammlung innerhalb der Räume. Für die meisten Besucher wird der Anblick der Installation im LWL-Museum für Kunst und Kultur zwar neu sein, sie ist aber nicht zum ersten Mal dort zu sehen. Bereits in ihrem Entstehungsjahr 1984 war die Installation im Lichthof des Altbaus ausgestellt und wird nun, wenn sich die Türen in fünf Wochen wieder öffnen, als ein Highlight der Sammlung für die Besucher präsentiert.

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