Tagesarchive: 4. September 2016

Eine Villa voller Kunst in Winterswijk

Ferdinand Erfmann (1901-1968), Het Boekenbal, 1966. Bruikleen Charles Hofman, Gerrit Komrij Huis

Ferdinand Erfmann (1901-1968), Het Boekenbal, 1966. Bruikleen Charles Hofman, Gerrit Komrij Huis.

Das Museum Villa Mondriaan schlägt in diesem Herbst eine Brücke zwischen bildender Kunst und Literatur, wie es Gerrit Komrij zu Lebzeiten tat. Der Dichter, Kunstliebhaber, vielseitige Schriftsteller und geborene Winterswijker steht im Mittelpunkt einer Ausstellung über seine Lieblings-Kunstwerke. Komrij war der Ansicht, dass Kunst an einem Nagel hängen muss und hatte dabei eine Vorliebe für realistische Malerei. In der Villa, in der Piet Mondriaan sein Künstlertalent entdeckte, werden Gemälde, Zeichnungen und Radierungen aus der Privatsammlung von Gerrit Komrij und seinem Partner Charles Hofman ausgestellt. Außerdem sind u. A. Werke von Jan Toorop, Jan Sluijters, Charley Toorop, Carel Willink und Kees Verwey zu sehen, allesamt Künstler, über die Komrij geschrieben hat. Diese Werke stammen aus Sammlungen des Museums MORE, Museum Arnhem und der Verwey Stiftung.

In Kunst von Komrij spielen Portraits, Doppelportraits und Selbstportraits die Hauptrolle. Komrij war von der Portraitkunst sowohl im Wort als auch im Bild fasziniert und von dem Spiegeleffekt, den das Kunstwerk zwischen seinem Schöpfer, der Abbildung und dem Betrachter erzielte. Für ihn war das Kunstwerk eine bildliche Darstellung des Geistes des Künstlers, wobei der Künstler als Spiegel des Menschen dient. Komrij erkannte diese Beziehung schon früher in der von ihm zusammengestellten Ausstellung und dem gleichnamigen Buch Kijken is bekeken worden (Stedelijk Museum Amsterdam, 1996).

Theo Daamen (1939), Portret Gerrit Komrij. Bruikleen Charles Hofman, Gerrit Komrij Huis

Theo Daamen (1939), Portret Gerrit Komrij. Bruikleen Charles Hofman, Gerrit Komrij Huis.

Zeitgenössische Autoren der niederländischen Literatur wurden speziell für diese neue Ausstellung eingeladen, sich mit den Kunstwerken auseinanderzusetzen. Diese Autoren liefern einen Beitrag in Prosaform oder Poesie und haben alle eine besondere Beziehung zu Komrij, unter ihnen Autoren wie Jan Mulder, Maarten Inghels, Joke van Leeuwen und Hélène Gelèns. Auf der Audiotour sind ihre Geschichten zu hören und werden außerdem als Ansichtskartenserie herausgebracht.

Neben der Dauerausstellung mit den frühen Werken von Mondriaan bietet die Villa Mondriaan ständig ein Podium für Erneuerer dieser Zeit. Der Pavillon für zeitgenössische Kunst zeigt Portraits des Iraker Fotografen Rehaab Al Khazraji. Auch wenn Menschen mehrere Gesichter haben, versucht er in seinen Fotos, das wahre Gesicht eines Menschen einzufangen, ohne seine Modelle dabei in Pose zu setzen. Rehaab flüchtete vor sieben Jahren in die Niederlande und wohnt jetzt im Achterhoek, wo ihm die Fotografie Ruhe und Herausforderung bietet. Erik Klein Wolterink hingegen ist im Achterhoek geboren und aufgewachsen. Mit seiner Fotoserie „Terug Thuus” und seiner Filminstallation „Gemengd Bedrief” blickt er auf seine Erinnerungen auf dem Bauernhof zurück. In seinen Fotografien spielt er mit der zeitlichen Dimension und der sich verändernden Umgebung. Klein Wolterink hat sich durch die Ausstellung Kunst van Komrij inspirieren lassen und speziell für die Villa Mondriaan einen neuen Film gemacht.

Ausstellung: Kunst von Komrij. Eine Villa voller Kunst.
Zeit: 9. September 2016 bis 26. Februar 2017
Ort: Zonnebrink 4 (Eingang Ratumsestraat), Winterswijk
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11:00 – 17:00 Uhr
Informationen: www.villamondriaan.nl oder +31 (0) 543 51 54 00