Traditionsunternehmen in Gefahr

Die Lebensqualität der Stadt Münster hängt zu einem wichtigen Teil auch von dem Angebot aus Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistern ab. Zu den Identitätswerten der Innenstadt gehören beliebte Verbraucherziele, die durch den starken Einbruch von Laufkunden immer mehr Umsatzeinbußen haben.

Die Hot Dog Station an der Bolandsgasse, auch Münsters schmalste Gasse genannt, gehört zu den „Sorgenkindern“ der Innenstadt. Noch vor Monaten drangen die Rufe des Verkaufspersonals bis zur Salzstraße, „Wer hat noch nicht bestellt?“. So klang es Jahrelang aus dem Verkaufsraum des beliebten Streetfood-Anbieters. Hot Dogs von Morthorst sind bis weit über die Grenzen der Stadt ein Begriff. Touristen freuen sich bei einem Besuch in Münster oft auf ein Wiedersehen mit dem freundlichen Team in der engen Gasse.

Manchmal kamen Kunden aus anderen Städten und haben gleich zwei oder drei Papiertragetaschen voll Hot Dogs auf Vorrat mitgenommen, freut sich Inhaberin Jutta Morthorst über vergangene Zeiten. Doch damit ist es zurzeit erst einmal vorbei. Durch den Umbau des Bekleidungsunternehmens SinnLeffers und der Entkernung, ist die ohnehin schon enge Bolandsgasse, nun so sehr eingeengt, dass viele Menschen sich gar nicht mehr durch die Gasse trauen, sofern sie den Eingang überhaupt noch wahrnehmen können.

Wir trafen Oberbürgermeister Markus Lewe, als er sich bei einem Gang durch die Stadt auch die Baustelle und die starken Einschränkungen für Geschäftsbetreiber und Passanten anschaute. So kam er auch mit Jutta Morthorst ins Gespräch und erfuhr aus erster Hand, vom Leid der Anlieger durch die massiven Umbaumaßnahmen.

Zu allem Überfluss kommen derzeit etwas über 120 städtische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die durch umfangreiche Auslagerungen bedingt durch die Grundsanierung des zwischen 1956 und 1960 gebauten Verwaltungsgebäudes, fehlen, und einige Besucher dieser Dienststellen, hinzu.

Unterm Strich fehlt jede einzelne Person im Stadtgeschehen. Und wenn uns nicht auch das allgegenwärtige Innenstadtsterben anderer Städte betreffen soll und wir nicht noch viel mehr Einzelhändler und Geschäfte verlieren wollen, dann ist für jeden von uns ein Stadtbesuch Pflicht.