Modernisierung der Wasserversorgung von Münster

Am Mittwoch dem 12. Juli 2017 wird von der Stadtwerke Münster GmbH und der Stadt Münster das DIPOL-Konzept im Rat der Stadt Münster verabschiedet. Münster wird wachsen und das statistische Landesamt rechnet bis 2029 mit ca. 37.000 zusätzlichen Einwohnern. Mit dem DIPOL-Konzept soll dem steigendem Wasserbedarf dadurch Rechnung getragen werden. 

“Eine Sanierung von allen vier Wasserwerken reicht nicht aus um eine zukünftige Wasserversorgung zu gewährleisten. Ein Weiterbetrieb der Wasserwerke Kinderhaus und Geist ist unwirtschaftlich. Daher werden die beiden großen Wasserwerke so ausbauen um das Delta zu kompensieren und um die zukünftige Wasserversorgung für die Bürgerinnen und Bürger von Münster gewährleisten zu können. Dabei könnten wir in Zukunft mit modernsten Anlagen durch die geplante Sanierung der DIPOL-Wasserwerke mehr Trinkwasser gewinnen als heute.”, so Stadtwerke-Sprecher Florian Adler.

Die Wasserwerke

Wasserwerk Hohe Ward

Zurzeit gibt es vier Wasserwerke in Münster: Hornheide, Hohe Ward, Geist und Kinderhaus. Von diesen Wasserwerken sollen zwei mit Ausbaupotential (Hornheide und Hohe Ward)  umfassend technisch saniert und modernisiert werden. Die anderen beiden Wasserwerke ohne Ausbaupotential (Geist und Kinderhaus) sollen geschlossen werden und die Wasserschutzgebiete aufgehoben werden. Die Stilllegung der Wasserwerke Kinderhaus und Geist soll schrittweise bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein. Die Bezirksregierung hat keine Bedenken gegen die Schließung der Wasserwerke, da eine Zulieferung (Fremdbezug) durch die Gelsenwasser AG sichergestellt ist.

Machen Sie einen virtuellen Rundgang und schauen Sie sich mit einem 360-Grad-Panorama hier im Wasserwerk Hohe Ward um.

Die Wasserversorgung

Ein Münsteraner verbraucht tagtäglich im Durchschnitt etwa 120 Liter Trinkwasser. In der folgenden Tabelle finden Sie alle wichtigen Daten zur heutigen und zukünftigen DIPOL-Wasserversorgung für Münster.

Versorgung heute
Gewinnung Nettoentnahme m³ davon Anreicherung m³ Prozent
Kinderhaus 538.822 0 0%
Geist 990.610 288.597 29%
Hohe Ward 5.178.800 3.964.645 77%
Hornheide 5.476.920 2.396.829 44%
Stadtwerke gesamt 12.185.152 6.650.071 55%
Fremdbezug 4.800.010    
Gesamt 16.985.162    
       
Versorgung 2029
Gewinnung Nettoentnahme m³ davon Anreicherung m³ Prozent
Kinderhaus 0 0 0%
Geist 0 0 0%
Hohe Ward 5.600.000 4.100.000 73%
Hornheide 9.600.000 6.900.000 72%
Stadtwerke gesamt 15.200.000 11.000.000 72%
Fremdbezug 4.700.000    
Gesamt 19.900.000    

Das hydrologische Gutachten

Die Stadtwerke Münster hat ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben, welches die möglichen Auswirkungen einer Schließung der Wasserwerke in Kinderhaus und Geist analysiert. Die Schließung des Wasserwerks Kinderhaus wird als unkritisch angesehen. Durch die Schließung des Wasserwerks Geist wären ca. 700 Gebäude potenziell betroffen, da der Grundwasserspiegel um ca. <2,3 Meter ansteigen würde. Um dem entgegenzuwirken soll das Grundwasser von der Stadtwerke Münster GmbH abgepumpt und in den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) eingeleitet werden.

Die Wasserschutzgebiete

Durch den Wegfall der Wasserwerke und Aufhebung der Wasserschutzgebiete wären die Anwohner von diversen Auflagen befreit. Dadurch könnte insbesondere im Stadtteil Geist ein städte- und wohnbauliches Entwicklungspotenzial entstehen was ein Bebauung möglich machen würden. Die Veräußerung der Grundstücke könnte ca. 15 Mio Euro einbringen was besonders lukrativ für Investoren im Bereich der Hammer Straße und Vennheideweg sein dürfte.

Trinkwasserqualität

Wasserwerk Hohe Ward – Kiesfilter

Münster hat eine hohe Trinkwasserqualität. Diese wird sich durch das Dipol-Konzept nicht verschlechtern sondern eher verbessern, da der Härtegrad des Wassers in einigen Stadtteilen sinkt. Die Stadtwerke Münster GmbH veröffentlicht jährlich die Trinkwasseranalyse wo die wichtigsten Mittelwerte aufgeführt sind, was Münster eine hohe Trinkwasserqualität bescheinigt.

Kosten für die Modernisierung der Wasserinfrastruktur

Für die Grundsanierung und Modernisierung der beiden Wasserwerke Hohe Ward und Hornheide sowie die notwendige Steigerung der Wasserproduktion sind insgesamt ca. 24 Mio. Euro veranschlagt. Unter der Berücksichtigung von Betriebskostenersparnissen entspricht das Jahreskosten in Höhe von 1,27 Mio. Euro. Durch zusätzlich mögliche Grundstückserlöse können die Jahreskosten deutlich gesenkt werden.

Notfallplan

Sollte es zu einem Engpass in der Wasserversorgung in Münster kommen kann die Stadtwerke Münster GmbH jederzeit den Fremdbezug erhöhen und auf die Ressourcen der Gelsenwasser AG (Wasserwerk Haltern) zurückgreifen. Dies würde auch bei einem Krisenszenario der Fall sein, wenn z.B. ein Schiff auf dem DEK havariert oder sonstige Umstände eintreten die eine Wasseraufbereitung, durch die Einspeisung von Oberflächenwasser aus dem DEK, gefährden oder temporär unmöglich machen würde.

Fazit

Die Vorteile der zukünftigen Wasserversorgung durch das Dipol-Konzept liegen auf der Hand. Es wurde eine dauerhafte Lösung für die betroffenen Bewohner gefunden. Die Dipol-Lösung ist wirtschaftlich, zukunftssicher und sichert den Bürgerinnen und Bürgern von Münster eine hohe Wasserqualität und eine dauerhafte Versorgung.


Fakten und Daten:

(Stand Juli 2017)

Trinkwasserspeicher:

  • Vennheide (Wasserwerk 3) – 2 x 6.000 m³
  • Hohe Ward (Wasserwerk 5) – 2 x 2.500 m³
  • Kinderhaus (Wasserwerk 12) – 2 x 300 m³ (fällt mit Dipol-Konzept weg)
  • Hornheide (Wasserwerk 13) – 2 x 5.000 m³
  • UNI – 2 x 4.000 m³
  • Wasserturm – 2.400 m³ (weggefallen, Wasserturm nicht mehr aktiv)

Wasserbezug:

  • Wasserwerke der Stadwerke Münster GmbH (Eigenförderung) – 75%
  • Übernahme von Gelesenwasser AG (Wasserwerk Haltern) – 25%

Wasserabgabe:

  • durchschnittlich 16,98 Mio m³ Trinkwasser, jährlich

Härtebereiche:

  • Münster: hart (3); > 14° dH
  • Stadtteile Albachten, Roxel, Wolbeck, Angelmodde, Amelsbüren, Gremmendorf, Hiltrup: mittel (2); 8,4-14° dH

Fotos: Stadtwerke Münster GmbH, Florian Adler