Tagesarchive: 4. Mai 2018

Vergiftungen in Haus und Garten

Medikamente, Reinigungsmittel, Pflanzen – viele alltägliche Gegenstände sind für Kinder äußerst gefährlich. Häufig sind sich die Eltern des Risikos kaum bewusst. Vergiftungen gehören laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu den häufigsten Unfallarten bei Kindern zwischen sieben Monaten und vier Jahren. Die Kleinen erkunden die Welt um sie herum, indem sie alles Greifbare in den Mund stecken. Sobald etwas bunt ist oder duftet, ist es besonders interessant. Eine weitere Gefahr ist der Nachahmeffekt. Kinder nehmen Arzneimittel oder Zigaretten in den Mund, weil sie es bei Erwachsenen sehen.

Die einfachste Möglichkeit, Kinder vor giftigen Stoffen zu schützen, ist die richtige Lagerung. Zum Beispiel sollten Reinigungsmittel in unerreichbarer Höhe und Medikamente in abschließbaren Schränken untergebracht werden. Zudem ist das Entfernen giftiger Pflanzen wie Eisenhut und Engelstrompete aus dem Garten notwendig. „Besonders wichtig ist es, dem Kind zu erklären, was giftig ist und warum“, sagt Michael Wever, Bezirksdirektor der Barmenia Versicherungen Bielefeld. Dann ist die Neugier der Kleinen meist nicht mehr groß. Weitere Maßnahmen, um Unfällen vorzubeugen: Gefährliche Einkäufe sofort verstauen, giftige Substanzen nicht im Abfalleimer der Wohnung entsorgen und auf kindersichere Verschlüsse achten.

Wenn das Kind doch giftige Stoffe verschluckt hat, muss zunächst herausgefunden werden, um was es sich handelt und wie groß die Menge war. Spülmittel und Kosmetika rufen oftmals keine schwerwiegenden Vergiftungserscheinungen hervor – dennoch sollte das betroffene Kind unter Beobachtung der Eltern bleiben. Pflanzen, Medikamente und ätzende Reinigungsmittel hingegen sind gefährlich. In den meisten Fällen wird vom Erbrechen abgeraten. Säuren können die Speiseröhre verletzen. Putz- oder Spülmittel bilden durch die Bewegung des Magens Schaum, der eingeatmet zum Ersticken führen kann. Muss das Kind spontan erbrechen, ist es wichtig, den Kopf zwischen die Knie zu halten, damit keine giftigen Stoffe in die Atemwege und Lunge geraten können. „Besser ist es, dem Nachwuchs Wasser oder Tee zum Verdünnen des Gifts zu geben“, sagt Wever.

Anzeichen für eine Vergiftung sind Übelkeit, Schwindel und plötzliche Müdigkeit. Die kostenlose App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ des BfR klärt über die Gefahren auf und stellt im Notfall eine Verbindung zum Giftinformationszentrum des jeweiligen Bundeslandes her. Kommt es zu einer Störung der Atmung, zu Krampfanfällen oder starken Schmerzen, sollte sofort der Notarzt unter 112 gerufen werden.


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