Good Bye Friends – Der schmerzvolle Abschied von Freunden

– Ein historisches Ereignis beginnt mit dem Ende des heutigen Tages. Mit dem Ablauf des 31. Januar 2020 wird das Vereinigte Königreich nicht mehr der Europäischen Union (EU) angehören. Dies hat Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments. Nach dem Beschluss (EU) 2018/937 des Europäischen Rates vom 28. Juni 2018 führt der „Brexit“ zu einer Verringerung der Abgeordnetenzahl des Europäischen Parlaments von 751 auf 705. Von den 73 Sitzen des Vereinigten Königreichs werden 27 Sitze unter 14 bisher leicht unterrepräsentierten EU-Mitgliedstaaten neu verteilt. Dies soll die derzeitigen Ungleichheiten bei der Vertretung im Parlament ausgleichen. Keiner der in der EU verbleibenden 27 Mitgliedstaaten wird Sitze verlieren. Für Deutschland bleibt die Zahl von 96 Sitzen unverändert. Mit jeweils 5 Sitzen mehr als bisher können Frankreich (bisher 74 Sitze) und Spanien (bisher 54 Sitze) die meisten zusätzlichen Abgeordneten in das EU-Parlament entsenden.

Folgende Mitgliedstaaten erhalten ab dem 1. Februar 2020 zusätzliche Sitze:

Dänemark: 14 (bisher 13)
Estland: 7 (bisher 6)
Finnland: 14 (bisher 13)
Frankreich: 79 (bisher 74)
Irland: 13 (bisher 11)
Italien: 76 (bisher 73)
Kroatien: 12 (bisher 11)
Niederlande: 29 (bisher 26)
Österreich: 19 (bisher 18)
Polen: 52 (bisher 51)
Rumänien: 33 (bisher 32)
Schweden: 21 (bisher 20)
Slowakei: 14 (bisher 13)
Spanien: 59 (bisher 54)


IHK Nord Westfalen fordert verlässliche rechtliche Basis

 – Wenn Großbritannien am 31. Januar die Europäische Union verlässt, ändert sich für die meisten Unternehmen im direkten Geschäftsverkehr mit dem Vereinigten Königreich erst einmal wenig. “Allerdings hat Großbritannien im Verhältnis zur EU damit den Status eines Drittstaates”, erklärt Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. “Für britische Waren fallen deswegen ab dem 1. Februar Zollvorteile im internationalen Handel weg.”

Was das in der Praxis bedeutet, verdeutlicht Jaeckel an einem Beispiel: Will ein deutscher Händler Stoffe aus Großbritannien in die Schweiz exportieren, so können dort Zölle anfallen, da das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der EU nicht mehr für Großbritannien gilt. Darüber hinaus dürfen Produkte aus dem Vereinigten Königreich zukünftig nicht mehr mit “Made in EU” gekennzeichnet werden.

“Insgesamt aber werden mit der im Austrittsabkommen vereinbarten Übergangsphase die negativen wirtschaftlichen Folgen des EU-Austritts vorerst vermieden”, resümiert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Er fordert: “Die Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals brauchen jetzt schnell eine verlässliche rechtliche Basis mit fairen Spielregeln für nachhaltige Beziehungen.” Die IHK befürchtet allerdings angesichts der bisherigen Verhandlungen, dass die kommenden knapp elf Monate nicht ausreichen werden, um ein gemeinsames Freihandelsabkommen zu erarbeiten. “Damit droht den Unternehmen 2021 ein harter Brexit durch die Hintertür”, prognostiziert Jaeckel.

Der Handel mit Großbritannien ist für die Wirtschaft im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region von erheblicher Bedeutung. Im IHK-Bezirk Nord Westfalen gibt es rund 500 Unternehmen mit regelmäßigen Im- und Exporten von und nach Großbritannien. Das Exportvolumen der Region Nord-Westfalen beträgt nach Berechnungen der IHK aktuell nur noch rund 1,3 Milliarden Euro. Vor drei Jahren waren es noch rund 1,6 Milliarden Euro. Im Laufe der Austrittsverhandlungen war das Vereinigte Königreich in der nordrhein-westfälischen Außenhandelsstatistik innerhalb von drei Jahren vom dritten auf den sechsten Platz abgerutscht.

Internet-Tipp:
Aktuelle Informationen und Online-Checkliste zum Brexit: www.ihk-nw.de, Nr. 3999238


Das Europaparlament soll das Vertragswerk absegnen.

Am heutigen 31. Januar 2020 um 24 Uhr tritt dann das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union (EU) aus, drei Jahre und sieben Monate nachdem die britische Bevölkerung für den EU-Austritt gestimmt hatte. Seither verliert der Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich sinken seit dem Referendum im Jahr 2016 kontinuierlich, wie das Statistische Bundesamt im Oktober mitteilte. 

Transnationale Verflechtungen: 6 von 10 Unternehmen mit Hauptsitz im Ausland sind 2017 in der EU ansässig 

Auslandskontrollierte Unternehmen in Deutschland sind vorrangig mit Muttergesellschaften aus den Mitgliedstaaten der EU verflochten. Rund 61 % der deutschen auslandskontrollierten Unternehmen in der gewerblichen Wirtschaft, Banken und Versicherungen ausgenommen, gehörten 2017 einem Unternehmensverbund an, dessen Muttergesellschaft ihren Sitz im EU-Ausland hatte. Diese Unternehmen beschäftigten 57 % der tätigen Personen, erwirtschafteten eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 57 % und tätigten knapp 62 % aller Bruttoinvestitionen, jeweils bezogen auf alle im Ausland ansässigen Unternehmen. 

Methodische Hinweise: 

Die „Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten“ beinhaltet die Bruttoerträge durch betriebliche Aktivitäten, angepasst im Hinblick auf betriebliche Subventionen und indirekte Steuern; Wertberichtigungen, wie zum Beispiel Abschreibungen, werden nicht abgezogen. 

Die rechtliche Grundlage der Statistik über auslandskontrollierte Unternehmen bildet die europäische FATS-Verordnung Nr. 716/2007 (FATS = Foreign Affiliates Statistics). Demnach wird ein in Deutschland ansässiges Unternehmen von einer Muttergesellschaft aus dem Ausland kontrolliert, wenn dieses im Besitz von mehr als 50 % der Stimmrechte der Anteilseigner ist und die Unternehmenspolitik bestimmen kann. 

Daten über auslandskontrollierte Unternehmen werden gemäß EU-Verordnung in zwei unterschiedlichen Statistiken dargestellt: zum einen in der Statistik über auslandskontrollierte Unternehmen in Deutschland (sogenannte Inward-FATS) zum anderen in der Statistik über Tochterunternehmen deutscher Investoren im Ausland (sogenannte Outward-FATS). Die Statistik zu Inward-FATS wird jährlich vom Statistischen Bundesamt erstellt, die Statistik zu Outward-FATS von der Deutschen Bundesbank. 

Weitere Informationen:

Brexit Monitor
– Auslandskontrollierte Unternehmen (Inward FATS)
– Deutsche Bundesbank: Kenngrößen zu Unternehmenseinheiten im Ausland, die deutsche Investoren kontrollieren (Outward FATS)