Grüner Busverkehr in blauen Bussen

Getreu dem Motto, es ist niemals zu spät für eine glückliche Kindheit, gab es bei der gestrigen Jungfernfahrt mit dem 18 m Gefährt  VDL Citea Electric SLFA-18, welches aus Eindhoven kommt. Stellvertretend für die neue Flotte, wurde gestern der erste der  neuen Gelenkbusse vorgestellt und den Medienvertretern überzeugend dargestellt, ein Flüstern im Betrieb ist tatsächlich  lauter als das Betriebsgeräusch dieser neuen Superbusse.

Markus Lewe hatte viel Geld in die Hand genommen, um der Stadtwerke diesen grünen Traum ermöglichen zu können, denn zum Sommer dieses Jahres  wird die neue Busgeneration nicht nur das Klima in Münster deutlich verbessern, auch die Lärmemissionen werden einen spürbaren Beitrag zu weniger Lärm  hinterlassen.

Ein glücklicher Sebastian Jurczyk, alias Geschäftsführer Bereich Energie bei der Stadtwerke Münster.

Frank Gäfken, Geschäftsführer “Mobilität” bei der Stadtwerke Münster.

Abbiegeassistent im Sichtfeld des Fahrpersonals. Ein tolles Sicherheitsmerkmal.

Und so war gestern Geschäftsführer Sebastian Jurczyk, der für den Bereich Energie zuständig ist, nicht müde zu erklären, wie sehr er sich freue, für ein Unternehmen wirken zu können, welches ein Vorzeigeunternehmen für echtes Energiebewustsein in Deutschland stehe und mit allen Sinnen erlebbar mache. Sichtlich Stolz  schritt Oberbürgermeister Markus Lewe derweil durch den Bus, fast einem Kontrolleur gleich, dem wohl der ein oder andere Schwarzfahrer zum Ausgleich des gebeutelten Stadtsäckels erfreut hätte. Doch leider outete sich niemand als Gesetzesbrecher.  Unterdessen war  Teamplayer Frank Gäfken, die zweite unverzichtbare Figur des Stadtwerke Geschäftsführer-Traum Duos nicht mehr hinter dem Steuer wegzubekommen, für den ebenfalls ein Traum mit diesem Gefährt in Erfüllung gegangen war.  Unbemerkt von an Fahrgästen zeigte er auf eine weitere Neuerung in dem neuen Bus. Es war ein Spiegel, allerdings mit einer lebensrettenden Funktion. Einem integrierten Abbiegeassistenten. Damit die Menschen auch außerhalb des Busses sicher unterwegs sein können. Und so war dann am Nachmittag für drei erwachsene Menschen die Rechnung aufgegangen.
Markus Lewe mit seinem lang anvisiertem Ziel, Münster zu der grünen Stadt mit beinah Zero Emissionen zu machen in der ein funktionierender Nahverkehr kein leeres Versprechen bleibt.
Doch dafür kennen wir diesen Ob letztendlich ja auch.                                                                                                                 

Vier neue Elektrobusse sind der nächste Schritt der Stadtwerke, Münster ein Stück grüner zu machen. Sie fahren ab diesem Sommer auf der Linie 11 vom Stadtteil Gievenbeck durch die Innenstadt bis ins Wohngebiet an der Mondstraße. Erstmals kommen hier 18 Meter lange elektrische Gelenkbusse zum Einsatz. „Die Umstellung der nächsten Buslinie auf emissionsfreie Elektrobusse ist ein weiterer Meilenstein für den Klimaschutz in Münster. Unsere Stadtwerke gehörten zu den ersten Busbetreibern in Deutschland, die E-Busse im Linienbetrieb eingesetzt haben. Das macht Münster zu einem der Vorreiter in Sachen klimaneutraler Busverkehr. Darauf wollen wir aufbauen und den Ausbau weiter vorantreiben“, freut sich Oberbürgermeister Markus Lewe über die neuen Busse.

 

Die vier neuen Busse werden nun regelmäßig auf der Linie 11 eingesetzt. 2021 holen die Stadtwerke zwölf weitere elektrische Gelenkbusse nach Münster, sodass die Linie 11 dann in der Regel komplett elektrisch unterwegs ist und auch auf weiteren Linien E-Gelenkbusse fahren können. „Bis 2029 stellen wir unsere gesamte Busflotte auf emissionsfreie Antriebe um. Je nach Einsatz- und Linienprofil werden wir dabei auch E-Busse mit Wasserstoff-Brennstoffzelle einsetzen“, erklärt Frank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität der Stadtwerke. Zum Einsatz kommen auf der Linie 11 Busse vom Typ VDL Citea Electric SLFA-18. Sie haben eine Batteriekapazität von 288 Kilowattstunden und können damit mehrere Stunden fahren, bevor sie aufgeladen werden müssen. Das geschieht an der Schnellladestation an der Endhaltestelle Dieckmannstraße in Gievenbeck, wo die Busse ohnehin eine Pause einlegen, bevor sie wieder in die Gegenrichtung starten. Mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt fließt dort grüner Strom in die Batterien der Busse. Der Ökostrom ist mit dem Label Grüner Strom zertifiziert, einem der strengsten Ökostrom-Zertifikate am Markt.

 

Werden die Elektrobusse mit Ökostrom betankt, fahren sie vollständig emissionsfrei. Gegenüber einem Dieselbus spart dann jeder E-Bus 85 Tonnen CO2 im Jahr ein, das Potenzial aller Stadtbusse liegt bei über 13.000 Tonnen jährlich. „Wir bringen die Dekarbonisierung voran. Sektorenkopplung ist dabei das Zauberwort: Energie- und Verkehrswende werden verknüpft und unterstützen sich gegenseitig“, sagt Sebastian Jurczyk, Vorsitzender der Stadtwerke-Geschäftsführung und verantwortlich für das Ressort Energie. Das Unternehmen grüner machen, dieses Ziel haben die beiden Geschäftsführer ausgerufen: „Für uns bedeutet das auch den massiven Ausbau der Erzeugungskapazität aus Wind und Sonne. Ein intelligentes Lademanagement für die Busse, wie wir es auf dem Betriebshof integrieren, verbindet die Bereiche“, erklärt Sebastian Jurczyk. 

 

Für die Stadtwerke Münster wird der Einsatz von Elektrobussen zunehmend zum Normalfall. Sie haben die notwendige Qualifizierung des Personals im Fahrdienst und der Werkstatt schon früh vorangetrieben, im Busdepot Stellplätze geschaffen, an denen die Busse nachts laden und sechs Schnelllader im Depot und im Liniennetz gebaut. Auch die Betriebsabläufe, die von den klassischen Prozessen bei Dieselbussen abweichen, haben die Stadtwerke umgestellt, die E-Busflotte ist auf nun 16 Fahrzeuge gewachsen. „Für uns als Unternehmen war und bleibt die Umstellung ein Kraftakt. Daher sind wir froh, dass wir mit der Stadt Münster, dem Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und dem Verkehrsministerium NRW drei starke Partner an der Seite haben, die die notwendige Förderung sicherstellen“, sagt Frank Gäfgen.

 

In die ersten vier Busse sowie die Ladeinfrastruktur in Gievenbeck mit zwei Schnellladern haben die Stadtwerke 3,7 Millionen Euro investiert. Davon stammen 1,8 Millionen Euro aus der Förderung des NWL und der Stadt Münster. Der NWL greift dafür auf den Fördertopf des Ministeriums für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen zu. Für die Stadtwerke ist eine auskömmliche Förderung für die E-Bus-Umstellung wichtig. Werden die Mehrkosten für die Infrastruktur und Fahrzeuge anteilig gefördert, ist der finanzielle Aufwand für die Verkehrsbetriebe – zusammen mit den geringeren Betriebskosten der Elektrobusse – über die gesamte Laufzeit der Busse nicht höher als bei vergleichbaren Dieselbussen. „Abgasfreie und leise fahrende Bussen erhöhen die Aufenthaltsqualität in der Stadt, davon profitieren nicht nur die Busfahrgäste, sondern alle Münsteranerinnen und Münsteraner. Daher muss die Förderung der Mehrkosten auch in Zukunft sichergestellt sein“, so Oberbürgermeister Lewe.