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Montag, Juni 27, 2022

Martas Mörder dreist: „Bitte um Gnade, liebe Berufsrichter“

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Kaum ein Kriminalfall in der jüngeren spanischen Geschichte löste in der Öffentlichkeit einen solchen Wirbel aus wie dieser.

Die Eltern des verschwundenen Mädchens starteten eine Initiative zur Einführung lebenslanger Haftstrafen. Sie legten im Parlament eine Sammlung von 1,6 Millionen Unterschriften vor und wurden von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero empfangen. Nach spanischem Recht müssen Straftäter im Höchstfall 30 Jahre Haft verbüßen, bei Terroristen können es in bestimmten Fällen bis zu 40 Jahre sein.

Der Mord von Sevilla löste in der Bevölkerung vor allem deshalb eine beispiellose Welle der Empörung aus, weil der Hauptverdächtige Miguel die Ermittler mit immer neuen Versionen an der Nase herumführte.

Dies trug dazu bei, dass die Leiche des Mädchens nie gefunden wurde. Nach seiner Festnahme im Februar 2009 sagte der damals 20-Jährige aus, er habe seine Ex-Freundin im Streit mit einem Aschenbecher erschlagen. Freunde hätten ihm dabei geholfen, die Leiche von einer Brücke in den Guadalquivir zu werfen.

Die Polizei leitete eine der größten Suchaktionen in der spanischen Kriminalgeschichte ein. Hunderte von Polizisten suchten einen Monat lang mit Hubschraubern, Schiffen und Unterwassergeräten den Flusslauf ab. Die Ermittler warfen sogar drei tote Schweine ins Wasser, um zu sehen, wohin Martas Leiche getrieben sein könnte. Aber vergebens.

Dann nahm der Fall plötzlich eine Wende. Miguel sagte nun aus, er und "El Cuco", ein Freund, hätten das Mädchen vergewaltigt, nachdem Marta ihrem Ex-Freund einen Kuss verweigert habe. Anschließend hätten sie ihr Opfer zusammengeschlagen, der 15-Jährige habe es mit einem Kabel erdrosselt, und anschließend hätten sie die Leiche in einen Müllcontainer geworfen.

Darauf ordnete die Polizei eine neue Suchaktion an. Auf einer Müllkippe wurden 32 Tage lang 60.000 Tonnen Abfälle umgegraben, aber die Leiche kam nicht zum Vorschein.

Weshalb gestand Miguel von sich aus die Vergewaltigung? Man vermutet, dass er damit verhindern wollte, vor ein Geschworenengericht gestellt zu werden. Von Berufsrichtern dürfte er sich mehr Milde versprechen als von Geschworenen.

Neben Miguel sind drei weitere Verdächtige angeklagt. Sie sollen geholfen haben, die Leiche verschwinden zu lassen.

Alle Angeklagten mit Ausnahme von Miguel bestreiten die Vorwürfe. Sie sollen in dieser Woche in dem abgetrennten Verfahren gegen den minderjährigen El Cuco als Zeugen aussagen.

Dies bringt das Gericht in eine heikle Lage: Als Zeugen sind sie einerseits verpflichtet, die Wahrheit zu sagen, aber andererseits kann man von ihnen nicht verlangen, sich selbst zu belasten. (SAZ, dpa; Foto: El Mundo)

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