Berlin (ots) –
Manche Trends kommen wieder. Auf diesen könnte man allerdings gut verzichten: Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) stellt in dieser Woche Jin Ling als „Schmuggelzigarette der Woche“ vor. Die Marke steht wie kaum eine andere für den professionellen Zigarettenschmuggel, der insbesondere vom Ende der 2000er- bis in die Mitte der 2010er-Jahre den Schwarzmarkt in Deutschland prägte.
Jin Ling ist dabei ein besonderer Fall. Anders als bei plumpen Markenfälschungen wurde bei Jin Ling kein bekanntes Produkt kopiert, auch wenn die gelblich-beige Verpackung mit dem Widder an eine Camel erinnerte. Jin Ling etablierte sich jedoch als eigenständige Schwarzmarktmarke. Die in der russischen Exklave Kaliningrad produzierte Jin Ling wurde in der Bundesrepublik ausschließlich illegal vertrieben. Solche Produkte werden häufig als sogenannte „Illicit Whites“ bezeichnet: Zigaretten, die legal im Ausland hergestellt werden, deren Absatz aber überwiegend auf illegale Märkte ausgerichtet ist.
Hausmarke des Schwarzmarkts – Platz 1 im Ruhrgebiet
Seine Hochzeit erlebte Jin Ling Ende der 2000er- und in der ersten Hälfte der 2010er-Jahre. Zwischenzeitlich war jede fünfte Schwarzmarktzigarette eine Jin Ling. Damit zählte sie zeitweise zu den zehn meistgerauchten Zigarettenmarken in Deutschland – im Ruhrgebiet lag sie sogar auf Platz 1. Für Raucherinnen und Raucher war Jin Ling vor allem eines: billig. Für die Schmuggler war die Rechnung noch attraktiver: Für gerade einmal 20 US-Cents ab Werk eingekauft, wechselte die Packung auf der Straße ab zwei Euro den Besitzer – mehr als das Zehnfache des Bezugspreises. Entsprechend lukrativ war das Geschäft für die kriminellen Hintermänner. Die Jin Ling wurde damit zu einem Sinnbild dafür, wie professionell kriminelle Strukturen den illegalen Zigarettenhandel organisieren und auf eine bestehende Nachfrage nach günstigen Tabakwaren reagieren können.
„Jin Ling ist ein Klassiker des deutschen Zigarettenschmuggels. Wenn genügend Nachfrage vorhanden ist, entstehen eigene Marken, eigene Lieferketten und eigene Vertriebsstrukturen“, erklärt BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke. „Genau deshalb sollten wir Jin Ling nicht nur als Relikt aus vergangenen Zeiten betrachten.“
Das Risiko eines Comebacks vergleichbarer Schmuggelprodukte könnte nach Auffassung des BVTE wieder deutlich steigen. Werden legal versteuerte Zigaretten in Deutschland durch drastische Tabaksteuererhöhungen immer teurer, wächst der Preisabstand zum illegalen Angebot. Damit steigt für kriminelle Organisationen der wirtschaftliche Anreiz, den deutschen Markt mit unversteuerten Billigzigaretten zu versorgen.
„Die Geschichte von Jin Ling sollte der Politik eine Warnung sein“, erklärt Mücke. „Wer den legalen Markt massiv verteuert, bereitet den Boden für die Jin Lings von morgen. Ein Comeback dieses Schwarzmarktmodells braucht niemand – am allerwenigsten der Bundeshaushalt.“
Der aktuelle Fall zeigt damit eine weitere Facette des illegalen Zigarettenhandels. Nach der groben Markenfälschung und der professionell aufgemachten Ware mit widersprüchlichen Kennzeichnungen steht Jin Ling für eine dritte Kategorie: Zigarettenmarken, die auf dem Schwarzmarkt selbst groß geworden sind. Die Geschichte von Jin Ling zeigt: Schwarzmarktmarken können verschwinden – und unter den richtigen Bedingungen genauso schnell wiederkommen.
Mit der Serie „Schmuggelzigarette der Woche“ warnt der BVTE vor den Folgen des illegalen Tabakhandels – und vor einem weiteren Wachstum des Schwarzmarkts durch geplante Tabaksteuererhöhungen.
Schwarzmarkt-Fakten:
– Jede fünfte Zigarettenpackung in Deutschland wurde nicht hier versteuert (Ipsos- Entsorgungsstudie 2025 (https://www.pmi.com/content/dam/pmicom/global/docs/itp/kpmg-illicit-cigarette-consumption-europe-2025-results.pdf)).
– BVTE-Themenseite (https://www.bvte.de/de/themen/daten-zum-tabakmarkt) Zigarettenschmuggel
– DZV Deutscher Zigarettenverband (https://www.zigarettenverband.de/themen/zahlen-und-fakten)
– Der Schwarzmarkt-Tracker (https://reemtsma-politik.de/thema/illegale-produkte/) des BVTE-Mitgliedsunternehmens Reemtsma dokumentiert fortlaufend Sicherstellungen des Zolls und macht aktuelle Entwicklungen im illegalen Zigarettenhandel sichtbar. Die dort erfassten Fälle bilden nicht den gesamten Schwarzmarkt ab, zeigen aber dessen Dynamik.
Bild: BVTE-Fotos, Collage KI-generiert
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