Ist Deutschland ein Land der Feiglinge

Betriebsgründungen sind der Nährboden für Arbeitsplätze. Nur wenn neue Unternehmen gegründet werden, werden auch ‘neue’ Arbeitsplätze geschaffen. Industrienationen, wie z. B. Deutschland, sind darauf angewiesen, dass neue Unternehmen gegründet werden, da nur so die Wirtschaft des Landes mit neuen Technologien versehen werden. Doch Firmengründungen bedürfen den Mut der Gründer.
Aber 2014 war kein gutes Gründungsjahr. Zum vierten Mal in Folge sank im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen die Zahl der sogenannten “echten Unternehmensgründungen”. Nur 8.145 neue gewerbliche Unternehmen wurden gegründet, meldete die IHK heute (22.04.2015) nach Auswertung offizieller Statistiken. Das entspricht einem Rückgang von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings war der Drang zum eigenen Unternehmen im nordrhein-westfälischen Landesdurchschnitt sogar noch etwas schwächer (- 5,8 Prozent). Noch deutlicher werden die Veränderungen im Vergleich mit 2004: Innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die Zahl der Gründungen in Nord-Westfalen nahezu halbiert (13.237).
Die IHK hofft auf eine Trendumkehr. Wieland Pieper, Leiter des Geschäftsbereichs Industrie und Unternehmensförderung, betont angesichts der aus IHK-Sicht ungünstigen Entwicklung: “Die Region hat auf Dauer ein Problem, wenn die Zahl der Neugründungen weiter abnimmt. Eine Unternehmerlücke können wir uns nicht leisten.” Die Stärkung des Gründergeistes und die Mobilisierung von Gründerpotenzialen blieben deshalb wichtige gesellschaftliche Aufgaben. “Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, dafür zu werben, dass unternehmerische Selbstständigkeit eine gute Alternative zur abhängigen Beschäftigung ist. Außerdem müssen wir diejenigen ermutigen und unterstützen, die ein Unternehmen gründen wollen”, so Pieper.
Eine nähere Untersuchung der Zahlen zeigt allerdings, dass es verschiedene Einflüsse gegeben hat, die das Ergebnis relativieren. “Zum einen ist die Ausgangsbasis durch den starken Anstieg der Ich-AGs Mitte des letzten Jahrzehnts überhöht”, erläutert Pieper. Mit der Energiewende gab es später erneut einen Sondereffekt durch Anlagen für erneuerbare Energien. “Zum anderen”, so Pieper, “ist die Gründungstätigkeit auch stark von der Beschäftigungssituation beeinflusst. Durch die gute Arbeitsmarktlage sehen viele in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis größere Chancen bei geringeren Risiken.” Das erkläre einen Großteil des spürbaren Rückgangs seit 2012 und schließlich sei es auch nicht leichter geworden, ein Unternehmen zu gründen. “Im Gegenteil”, so Pieper und verweist auf den internationalen Vergleich “Doing Business”, den die Weltbank jährlich veröffentlicht. In diesem Ranking ist Deutschland um elf Positionen zurückgefallen und belegt aktuell mittelmäßigen Platz ‘114’.