Bio-Paprika wachsen unterm LED-Licht

In der Schule standen Laura Dittert, Lisa Schirmacher und Sabine Spadi Naturwissenschaften eher skeptisch gegenüber. Jetzt studieren sie Design an der FH Münster – und staunten nicht schlecht, als sie für ihre Projektarbeit im dritten Semester das Thema „Photochemie als eine andere Anwendung des Lasers“ zugeteilt bekamen. In einem Auftrag innerhalb der Hochschule: Denn das Institut für Optische Technologien (IOT) hatte sich an den Fachbereich Design mit der Bitte gewandt, eine Kampagne zu entwerfen, um mehr Schüler auf den Bachelor Lasertechnik und den darauf aufbauenden Masterstudiengang Photonik am Fachbereich Physikalische Technik am Campus Steinfurt aufmerksam zu machen. „Seitens der Industrie besteht eine hohe Nachfrage an Absolventen, die auf diesem Gebiet fit sind“, sagt Prof. Dr. Ulrich Wittrock, Sprecher des IOT. Aber was steckt da eigentlich alles hinter?

Vor allem Galaktisches: Lasersysteme im Weltall, Laserantrieb in der Raumfahrt, Katastrophenmanagement mit Satelliten, Space-Data-Highways. Aber auch auf der Erde kommt Photonik zum Einsatz: in Kommunikationsnetzen oder bei LED-Technologien wie künstlicher Nutzpflanzenbeleuchtung, Urban Farming genannt: Dies haben Dittert, Schirmacher und Spadi auf einem transportablen Roll-Up spannend dargestellt.

„Am Anfang mussten wir natürlich richtig viel recherchieren“, erzählt Spadi vom Arbeitsprozess. „Wir wollen ja nicht, dass physikbegeisterte Schüler und Studierende vor unserem Roll-Up stehen und denken: Die haben ja keine Ahnung!“ Die Gruppe entschied sich, eine typische Zuchtsituation im Gewächshochhaus darzustellen: Eine Paprikapflanze unter pinkfarbenem LED-Licht. Den dunklen Hintergrund erhellt der Slogan: Keine Sonne? Kein Problem! „Beim Urban Farming werden die Pflanzen mit blauem und rotem Licht bestrahlt – was eine violette Mischung ergibt. Auch mitten in der Nacht. So lassen sich beispielsweise das Wachstum, die Pflanzengröße, der Geschmack und sogar der Vitamin-Gehalt der Früchte beeinflussen“, erklärt Dittert. Der pinken Paprikapflanze auf dem Plakat ist noch eine kleinere Paprikapflanze unterm Sonnenlicht gegenübergestellt. „Wir haben mit vielen Kontrasten gearbeitet: Natürliches Grün trifft auf grelles Pink, Erde auf Granulat, hell auf dunkel“, sagt Schirmacher.

Über zwei Monate lief das Projekt, 21 Designstudierende beteiligten sich mit sieben Photonik-Themen im Rahmen ihres Kurses „Aspekte der Kommunikationsgestaltung“ bei den Diplomdesignern Paul Bičište und Jakob Maser. Input bekamen die Gruppen dabei direkt aus Steinfurt: Prof. Dr. Ulrich Wittrock und Prof. Dr. Thomas Jüstel vom IOT versorgten sie regelmäßig mit Inhalten, außerdem besuchten die angehenden Designer die Labore und eine Physik-Vorlesung. Die größte Unterstützung bekam die Urban-Farming-Gruppe jedoch von einem Photonik-Masterstudenten. „Seine Rückmeldung war für uns sehr wichtig und hilfreich, denn er gehört ja zur direkten Zielgruppe“, so Spadi.

Die Roll-Ups haben ihre ersten Einsätze schon hinter sich. Zukünftig sollen sie bei allen Fachhochschulinformations- und Aktionstagen Schüler neugierig machen. „Es ist schön zu wissen, dass unser Ergebnis der Projektarbeit auch wirklich verwendet wird“, findet Dittert.


Zum Thema:

Die Ausbildung am Fachbereich Design der FH Münster schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie bietet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang Design – Information und Kommunikation an.


Bilder: FH Münster