Hat Ihr Kind auch Milchzahnkaries

Frühkindliche Karies ist nach wie vor eines der ungelösten Probleme der deutschen Gesellschaft. Die Uneinheitlichkeit zwischen Kinder- und Zahnärzten mit unterschiedlichen Fluoridierungs-Empfehlungen, erschwert es Eltern, die richtige Kinder-Zahnpflege zu betreiben.

Die Anzahl der Kinder mit frühkindlicher Karies in Deutschland steigt von 10 Prozent bei 3-Jährigen, auf etwa 50 Prozent bei den 6- und 7-Jährigen. Der Grundstein für gesunde Zähne, die ein Leben lang halten sollen, wird jedoch bereits im Kleinstkindalter gelegt. Hier besteht noch immer großer Handlungsbedarf. Karies ist ein Ernährungs- und Zahnhygieneproblem, welches in allen Bildungsschichten auftritt. Sind es bei den Babys und Kleinkindern noch gezuckerte Getränke in der Nuckelflasche, steigt der Konsum von Süßigkeiten im Alter bis zu 6 Jahren merklich an. Aufgrund der uneinheitlichen Expertenempfehlungen ist die richtige Zahnpflege schwierig.

Fluorid bei Säuglingen und Kleinkindern, ja oder nein? In einer aktuellen Stellungnahme rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) „nur eine Form der Fluoridprophylaxe anzuwenden“, um zu viel Fluorid zu vermeiden. Denn der Stoff kann Zähnen und Knochen schaden. Vor dem Hintergrund, dass die Wirkung von Kinderzahnpasta mit einer Konzentration von 500 ppm Wirkstoff, umstritten ist und eine höhere Konzentration zu Fluorosen führen kann, sind innovative Wirkkonzepte notwendig. Körperverwandte Alternative: Zahnpasten mit Calciumphosphat

Es gibt Alternativen, für die die Experten mehr Aufklärung fordern:
Calciumphosphathaltige Zahnpasten, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Hydroxylapatit. Zahlreiche Studien zeigen, dass dieser Wirkstoff für die Kariesprophylaxe geeignet ist. „Als fluoridfreie, kariesprophylaktische Alternative bietet sich der Einsatz von Zahnpflegeprodukten mit Hydroxylapatit an. Da es sich um einen natürlichen Wirkstoff aus Calcium und Phosphat handelt, ist auch die Anwendung der Zahnpflegeprodukte bei Kindern zu empfehlen“, erklärt Dr. med. dent. Barbara Simader (Niederlande). Bei Zahnpasten mit Hydroxylapatit entfällt die Sorge, dass ein Kind zu viel Fluorid aufnehmen oder versehentlich verschlucken kann.

Hintergrund:
Eltern sind verunsichert, weil Kinder- und Zahnärzte uneinheitliche Empfehlungen für die richtige Zahnpflege geben (BfR 2018)

Ursachen für ein erhöhtes Kariesrisiko bei Kleinkindern und Folgen Die Zahnschmelzstärke von Milchzähnen beträgt nur rund die Hälfte, verglichen mit bleibenden Zähnen. Die Bakterien der Mundhöhle produzieren nach dem Konsum von zuckerhaltiger Nahrung aggressive Säuren. Diese lösen Calcium und Phosphat aus dem Zahnschmelz heraus, der zu etwa 97% aus Hydroxylapatit besteht. Wenn die Bakterien nicht richtig weggeputzt werden und Säuren produzieren, wird der Zahnschmelz nachweislich dünner und poröser. So kann eine Karies entstehen. Kinder leiden nicht nur an den damit verbundenen Schmerzen: Karies kann zum Beispiel Sprachstörungen und Zahnfehlstellungen der bleibenden Zähne zur Folge haben.

Tipps für Eltern zum richtigen Zähneputzen mit Kleinkindern:
1.  Mit Durchbruch des ersten Zahnes mit der Zahnpflege beginnen und täglich 1x reinigen
2. Bei Kleinkindern 2x täglich 2-3 Minuten zusammen mit dem Kind die Zähne putzen, da Kinder motorisch noch nicht in der Lage sind, die Zahnbürste alleine zu führen
3. Kindgerechte Zahnbürste verwenden
4. Kindgerechte Zahnpasta verwenden, bestenfalls mit milden Inhaltsstoffen und körperverwandten Wirkstoffen (zum Beispiel Hydroxylapatit)
5. Nach dem Zähneputzen nur noch Wasser in die Nuckelflasche
6. Regelmäßige Zahnarztbesuche einplanen; empfohlen: 2x pro Jahr, bereits ab dem ersten Zahn


Quellen:
Meyer, F. & Enax, J. Early Childhood Caries: Epidemiology, Aetiology, and Prevention. International journal of dentistry 2018, 7, doi:10.1155/2018/1415873 (2018).

Drewnowski, A., Mennella, J. A., Johnson, S. L. & Bellisle, F. Sweetness and Food Preference. The Journal of Nutrition 142, 1142S-1148S, doi:10.3945/jn.111.149575 (2012).

Bundesinstitut für Risikobewertung, Für gesunde Zähne: Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern. (2018).

Meyer, F., Amaechi, B. T., Fabritius, H. O. & Enax, J. Overview of Calcium Phosphates used in Biomimetic Oral Care. The Open Dentistry Journal 12, 406-423 (2018).

Schlagenhauf, U. et al. Microcrystalline hydroxyapatite is not inferior to fluorides in clinical caries prevention: a randomized, double-blind, noninferiority trial. bioRxiv, doi:10.1101/306423 (2018).


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