Reallabor will klimafreundliches Verhalten fördern

– Rund 130 klimaschonende Produkte und Dienstleistungen haben die zwölf münsterschen Haushalte, die sich am Reallabor “Klimafreundliche Entscheidungen” beteiligen, in den vergangenen Monaten getestet. Und sie sind auf den Geschmack gekommen: “Die meisten Haushalte haben zur Halbzeit bereits viel mehr umgesetzt, als sie sich zu Beginn zugetraut haben”, berichtet Projektleiterin Caroline König von der städtischen Koordinierungsstelle für Klima und Energie (Klenko).

Im Januar begannen die Haushalte, ihren Lebensalltag besonders mit Blick auf die Bereiche Mobilität, Konsum und Ernährung sowie Wohnen und Energie auf den Prüfstand zu stellen. Tatkräftige Unterstützung gab es in der ersten Projektphase von 13 Unternehmen aus Münster, die konkrete, alltagstaugliche Angebote probeweise zur Verfügung stellten. Neugierig, engagiert und mit viel Spaß an der Sache ließen sich die Projektteilnehmenden auf viele kleine und große Experimente ein: Wie gut lässt sich ein Lastenfahrrad im Alltag bewegen? Lässt sich das elektrische Stadtteilauto in den Alltag integrieren, wo gibt es eine Elektroladesäule im Viertel? Wie kann Plastik eingespart und wie können Lebensmittel haltbar gemacht werden? Wo sind die Stromfresser im Haushalt?

Auch für die teilnehmenden Unternehmen bietet das Reallabor Chancen. Sie nutzen gerne die Möglichkeit, Ideen für neue Angebote, aber auch bewährte Produkte einem Praxistest zu unterziehen. Das unterstreicht auch Linda Schulze Leusing von den Stadtwerken Münster. Sie stellte im Reallabor intelligente Stromzähler als ein Angebot zur Analyse des individuellen Stromverbrauchs vor.

Über ihre bisherigen Erfahrungen, Wünsche und Ideen tauschten sich Haushalte und Unternehmen jetzt in einem Workshop aus. Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden für mehr Klimaschutz im Alltag bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen und zum Beispiel das Auto häufiger stehenzulassen, Urlaubsreisen bewusster zu planen oder alte, stromfressende Elektrogeräte auszutauschen. Aber auch handfeste Probleme wurden deutlich: Die Konkurrenz zwischen Fahrrad und Auto um den knappen Straßenraum in Münster bezeichneten viele der Teilnehmenden als Problem.

Der praktische Nutzen des Reallabors liegt für Caroline König auf der Hand: “Mit dem Reallabor können wir reale Entscheidungsprozesse für mehr Klimaschutz im Alltag beobachten und daraus lernen, wie klima- und ressourcenschonendes Verhalten gefördert werden kann und wie wir als Stadt das Umfeld für klimafreundliches Verhalten weiter verbessern können.”

Die Stadt Münster hat das Konzept für das Reallabor gemeinsam mit Andreas Hübner von der Ingenieurgesellschaft Gertec und Bernd Tenberg von Jung Stadtkonzepte entwickelt. “In der zweiten Phase geht es nun darum, klimafreundliche Alltagsentscheidungen zu verstetigen”, erläutern Hübner und Tenberg. “Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin nimmt sich nun mindestens eine Maßnahme vor, die bis zum nächsten Workshop im September als klimaschonende Verhaltensroutine in den Alltag integriert wird. Dann heißt es ‘Fazit ziehen’ und schauen, ob sich die persönliche Klimabilanz durch das Reallabor tatsächlich verbessert hat.”