Wie Nachhaltigkeit in Deutschland zum Standortvorteil wird

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In einer Welt, in der gesellschafts- und wirtschaftspolitische Entscheidungen zunehmend vom Klimaschutz geprägt sind, wird dieser auch für Unternehmen zu einem immer entscheidenderen Faktor. Umweltauflagen und Vorschriften, die einst zum Teil als Hindernis betrachtet wurden, haben sich zu einer maßgeblichen Säule der Wettbewerbsfähigkeit und dem Erfolg von Unternehmen entwickelt. In den letzten Jahren haben auch in Deutschland immer mehr Akteure erkannt, dass sie nicht nur eine Verantwortung für den Erhalt einer lebenswerten Erde tragen, sondern sogar von klimafreundlichem Handeln profitieren können. Die deutschen Klimaschutzbestrebungen stellen für Unternehmen somit eine ideale Gelegenheit dar, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und sich gleichzeitig eine gute Position am hart umkämpften Markt zu sichern.

 

Klimaschutz wird zum wichtigen Wettbewerbsfaktor

Da ein ernst gemeinter Klimaschutz immer dringlicher wird, sehen sich viele Unternehmen mit einer neuen Realität konfrontiert. Um langfristig erfolgreich zu sein und sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten, genügen Innovation und Qualität nicht länger – es braucht auch umfassende Nachhaltigkeitsbemühungen. In einigen Branchen kann dieser Faktor zukünftig sogar über den Erfolg oder Misserfolg von Geschäftskonzepten entscheiden. Dabei sind zum einen der bewusstere Konsum der potenziellen Kundschaft und zum anderen die Unabhängigkeit von bestimmten Rohstoffen von wachsender Bedeutung. Die Einführung umweltfreundlicher Produkte, die Optimierung von Produktionsprozessen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen und der verantwortungsvolle Umgang mit endlichen Ressourcen sind feste Bestandteile jeder zeitgemäßen Geschäftsstrategie. Beispiele erfolgreicher Unternehmen, die Klimaschutz als integralen Bestandteil in ihre Geschäftsprozesse aufgenommen haben, finden sich in nahezu allen Branchen.

So verpflichten sich immer mehr Einzelhandelsketten dazu, ihre Lieferketten über die gesetzlichen Anforderungen hinaus so transparent wie möglich zu gestalten, damit Kunden sofort erkennen, ob ein Produkt den eigenen Nachhaltigkeitsansprüchen genügt. Auch in der Automobilindustrie forschen führende Unternehmen intensiv an der Optimierung alternativer Antriebstechnologien, da die großen asiatischen Märkte in naher Zukunft vorwiegend elektrisch kaufen werden. In der Produktion sind es vor allem viele kleine Effizienzsteigerungen und Kontrollmaßnahmen, die einen wichtigen Beitrag leisten. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Messung von Massenstrom, Konzentration und Dichte chemischer Substanzen an Bedeutung. Unter dem Einsatz modernster Digitaltechnik stellen Unternehmen sicher, dass potenziell schädliche Stoffe weder bei der Produktion noch während der Lagerung in die Umwelt gelangen.

 

Klimaneutralität: Unternehmen setzen ehrgeizige Ziele

Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit setzen sich viele deutsche Unternehmen sehr ambitionierte Ziele. Durch das oft nahtlose Zusammenwirken mit den Klimaschutzabsichten der Bundesregierung und EU steht hierbei vor allem die Dekarbonisierung im Fokus. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen auf ein Netto-Null reduzieren wollen, indem sie entweder die eigenen Emissionen entsprechend minimieren oder durch Investitionen in Klimaschutzprojekte eine ausreichende CO₂-Kompensation erzielen. Wer seine Position am Markt sichern und für die kommenden Jahre ausbauen möchte, hat längst erkannt, dass es nicht mehr ausreicht, nur die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Der Weg in die klimaneutrale und nachhaltige Zukunft bringt selbstverständlich diverse Herausforderungen mit sich, an denen gerade kleinere Betriebe zu knabbern haben. Hierzu gehören die Messung und Bewertung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. Für möglichst genaue Analysen sind Unternehmen immer stärker auf zuverlässige Daten entlang der gesamten Lieferkette angewiesen. Somit gehen Dekarbonisierung und Digitalisierung an vielen Stellen Hand in Hand. Eine weitere Herausforderung stellt die Umstellung der Produktionsprozesse auf nachhaltigere und umweltschonendere Verfahren dar. Neben umfangreichen Investitionen bedarf es oft auch Fachkräften, die entweder intern geschult oder angeworben werden müssen. Personalengpässe im Bereich Digitalisierung verschärfen sie Situation vielerorts.

 

Ausbau nachhaltiger Infrastruktur kommt voran

 

Insbesondere die nachhaltige Infrastruktur zählt mittlerweile zu den ausschlaggebenden Kriterien für die Standortwahl. Diese ermöglicht Unternehmen nicht nur, ihre ökologischen Ziele zu verwirklichen, sondern hat auch einen direkten Einfluss auf ihre Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Geschäftsstrategie. Unter einer nachhaltigen Infrastruktur werden allgemein die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, die Effizienz der Verkehrs- und Logistikinfrastruktur sowie das Zusammenwirken lokaler Ressourcen und Ökosysteme verstanden. In diesem Kontext ergeben sich inhaltlich starke Überschneidungen mit dem Begriff der „grünen Infrastruktur“, die sich auf naturgegebene Landschaftsmerkmale bezieht. Die Bedeutung einer klimafreundlichen Infrastruktur am Standort geht somit über die reinen Umweltaspekte hinaus. Um eine klimafreundliche Infrastruktur zu gewährleisten, investieren Unternehmen vermehrt in erneuerbare Energien und innovative Technologien. Ein Grund für den raschen Ausbau sind auch die Anreize, die von der Politik etabliert geschaffen wurden. Hierbei handelt es sich um einen breit gefächerten Katalog an Vorteilen durch Förderprogramme, Steuervergünstigungen, Zuschüsse oder Zertifizierungssysteme.