IHK NW zuversichtlich – Wirtschaft auf Wachstumskurs

Sehr zuversichtlich, aber nicht ganz sorgenfrei geht die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen ins neue Jahr. „Die regionale Wirtschaft wird ihren Wachstumskurs zunächst beibehalten“, ist sich IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer sicher. Darauf deuten auch die ersten Ergebnisse der derzeit laufenden IHK-Konjunkturumfrage hin. Hüffer sieht allerdings „auch ein paar Risiken, aus denen noch handfeste Probleme für die wirtschaftliche Entwicklung werden können“.

Wirtschaftliche Lage und Aussichten
Maßgeblich für die gute Verfassung, in der sich die regionale Wirtschaft befinde, sei die

Hüffer

Hüffer

momentane Arbeitsmarktlage. „Mit Arbeitslosenquoten von teilweise unter vier Prozent ist das Münsterland landesweit spitze“, betont Hüffer. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im IHK-Bezirk kletterte nochmals um fast zweieinhalb Prozent auf den neuen Höchstwert von über 855.000 (Münsterland: plus 2,5 Prozent / 587.000; Emscher-Lippe-Region: plus 2 Prozent / 268.000; aktuell verfügbare Zahlen von März 2015). Für 2016 werden noch einmal rund 15.000 Beschäftigte mehr erwartet.

Die gute Beschäftigungssituation, so der IHK-Präsident weiter, liefere das Fundament für eine rege Verbrauchernachfrage. Aber: „Wir stehen so langsam nur noch auf einem Bein“, warnt Hüffer vor einer zunehmenden Abhängigkeit von der Binnenkonjunktur. Denn „so gut wie keine Wachstumsimpulse“ erwartet die IHK im nächsten Jahr aus dem Exportgeschäft. „Der Außenhandel ist für unseren Wohlstand jedoch von enormer Bedeutung“, warnt der Unternehmer aus Münster.

Mehr als 40 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaften die Industriebetriebe im Ausland: „Rund 16 Milliarden Euro jährlich“, verdeutlicht der IHK-Präsident. Und: Jeder vierte Arbeitsplatz in Nord-Westfalen ist direkt oder indirekt vom Export abhängig.

Für 2015 kann die IHK Nord Westfalen im Außenhandel allerdings noch einmal ein Plus verbuchen. Darauf deuten zumindest die ersten drei Quartale hin. Danach lag der Zuwachs bei über vier Prozent. Im Landesdurchschnitt hingegen war der Auslandsumsatz zu dem Zeitpunkt bereits leicht rückläufig. „Diese Entwicklung droht uns auch“, prognostiziert Hüffer. Die Situation in Russland, der Einbruch der Exporte nach China, die diversen Konfliktherde in der islamischen Welt, die Schwäche Brasiliens und ganz Südamerikas drücken die Exportaussichten für 2016, so die IHK-Einschätzung. Damit nehme gleichzeitig die Planungssicherheit für Unternehmen ab, was sich wiederum negativ auf deren Investitionsneigung auswirke. Auf Dauer kritisch sieht der IHK-Präsident auch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sowie den niedrigen Ölpreis: „Das wirkt wie ein Konjunkturdoping, das manches Problem überdeckt.“

Flüchtlinge durch Ausbildung integrieren

Schulte-Uebbing

Zentrale gesellschaftliche Herausforderung für das neue Jahr ist und bleibt aus Sicht der IHK die Integration der Flüchtlinge, die in den letzten Monaten nach Nord-Westfalen gekommen sind. „Den Unternehmen kommt dabei eine sehr wichtige Rolle zu“, weiß IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing: „Denn Ausbildung und Beschäftigung sind die besten Wegbereiter für eine erfolgreiche Integration.“ Das zeigten die ersten Beispiele von Unternehmen, die gute Erfahrungen damit gemacht hätten, bei der Suche nach neuen Mitarbeitern oder Auszubildenden auch Flüchtlinge zu berücksichtigen. „Wir werden die Unternehmen dabei unterstützen und helfen Flüchtlinge insbesondere in Ausbildung zu vermitteln“, verspricht Schulte-Uebbing und empfiehlt, sogenannte Einstiegsqualifizierungen zu nutzen.

Gute Bildung: 320 Schulpartnerschaften
Während sich den Unternehmen hier neue Möglichkeiten bieten, zukünftige Mitarbeiter zu finden, ist die Zahl der Bewerbungen um betriebliche Ausbildungsplätze 2015 weiter gesunken. Als Hauptgrund nennt Schulte-Uebbing die stark rückläufigen Schulabgängerzahlen bei gleichzeitig anhaltendem Ansturm auf die Hochschulen. „Umso bemerkenswerter ist es, dass die Unternehmen in unserem Bezirk die Zahl der neuen Ausbildungsverträge auf hohem Niveau noch einmal ganz leicht gesteigert haben“, resümiert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Bis zum Jahresende hat die IHK Nord Westfalen 9.808 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen, rund ein halbes Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres (9.764). Im Münsterland sind es 6.811 neue Verträge, in der Emscher-Lippe-Region 2.997.

„Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge könnte sogar deutlich höher sein“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing mit Hinweis auf die zahlreichen unbesetzten Ausbildungsplätze. „Vor allem kleinere Betriebe im Münsterland finden schon jetzt keine passenden Bewerber mehr, obwohl sie echte Kraftakte dafür unternehmen.“ Größtes Problem sei der Ausgleich der regionalen Unterschiede auf dem Ausbildungsmarkt zwischen dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region. „Diese Aufgabe ist nur mit stärkerer Mobilität der Auszubildenden und höherer Flexibilität bei der Berufswahl zu lösen“, so Schulte-Uebbing.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer empfiehlt den Unternehmen, mit Unterstützung der IHK Schulpartnerschaften am Ort einzugehen, um Schüler frühzeitig auf die Ausbildungsmöglichkeiten im Betrieb aufmerksam zu machen. Rund 320 solcher Partnerschaften hat die IHK bis Ende 2015 initiiert. Zudem hatte die IHK Nord Westfalen Ende des Jahres über 350 Ausbildungsbotschafter „unter Vertrag“, Auszubildende, die mit Schülern „auf Augenhöhe über die Anforderungen und spannenden Seiten einer betrieblichen Ausbildung sprechen“, so Schulte-Uebbing. Als großen politischen Erfolg des Jahres wertet der IHK-Hauptgeschäftsführer, dass seit März auch die Bundesregierung gemeinsam mit den IHKs fordert, die gesellschaftliche Wertschätzung der betrieblichen Ausbildung zu erhöhen.

Auf dem richtigen Weg sieht Schulte-Uebbing auch alle Betriebe, die die Schulen beim neuen Berufsorientierungssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) unterstützen. „Unternehmen, die Schülern für Schnuppertage ihre Tore öffnen, präsentieren sich früh als interessanter Ausbildungsbetrieb.“ Deshalb warb die IHK in zahlreichen Betriebsbesuchen, Telefonaten und Anschreiben für eine Beteiligung.