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Gute Sicht ist entscheidend für sicheres Überholen – Überwachung von Überholverboten notwendig

Im Jahr 2013 kamen auf deutschen Landstraßen 171 Menschen bei Überholunfällen ums Leben, 1.901 Menschen wurden schwer verletzt. Damit ist fehlerhaftes Überholen eine Hauptursache für schwere Unfälle auf Landstraßen. Das hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in einer Detail-Analyse von Überholunfällen herausgefunden. Erschreckend: 28 Prozent der Unfallverursacher haben trotz Gegenverkehr, 26 Prozent trotz unklarer Verkehrslage und ebenfalls 26 Prozent im Überholverbot überholt.

„Wir brauchen grundsätzlich Überholverbote an Kuppen, Wannen und bei zu geringen Sichtweiten“, forderte am gestrigen Donnerstag (11.09.2014), Siegfried Brockmann, Leiter der UDV auf dem Gelände der Firma CTS (Crash Test Service) in Münster. Denn die Studie hat gezeigt, dass Überholverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen die Anzahl und Schwere der Überholunfälle signifikant verringern. „Außerdem“, so Brockmann, „müssen Überholverbote konsequenter überwacht werden.“

Großes Unfallpotential birgt eine zu geringe Sichtweite: 70 Prozent der untersuchten Unfälle passierten bei Sichtweiten, die für den sicheren Abschluss des Überholvorgangs nicht ausreichen. Bei jedem 4. Überholunfall war die Sichtweite sogar so kurz, dass auftauchender Gegenverkehr unweigerlich zum Unfall führen musste. Hier hat die Topographie einen entscheidenden Einfluss: 71 Prozent der Unfälle sind an Kuppen oder in sogenannten Wannen zu verzeichnen.

Für die Studie untersuchte die UDV auf 500 Untersuchungsstrecken das Einhalten des Überholverbots. Außerdem führte sie eine Detailanalyse von 100 Strecken nach Geländeprofil und Sichtweiten durch. Schließlich wurden bei einer Mikroanalyse von 43 Strecken Verhaltensanalysen mit Videobeobachtungen gemacht.

Die Fakten:

  • Etwa 75.000 Unfälle mit Personenschaden gab es 2013 auf Landstraßen
  • 1.934 Verkehrsteilnehmer wurden dabei getötet
  • 25.046 schwer verletzt
  • 7 Prozent aller Landstraßenunfälle sind Überholunfälle
  • 85 Prozent der Verursacher von Überholunfällen sind männlich.
  • 46 Prozent der Verursacher von Überholunfällen sind jünger als 30 Jahre.
  • 74 Prozent der Überholunfälle passieren in freigegebenen Bereichen ohne Überholverbot oder Geschwindigkeitsbegrenzung.

 

· Bei jedem zweiten Überholunfall wird trotz Gegenverkehr oder unklarer Verkehrslage überholt.

· Die meisten Unfallbeteiligten (76%) mit einer Teilschuld führten Personenkraftwagen, 16 Prozent ein Motorrad und 8 Prozent einen Lastkraftwagen.

· Drei Viertel der Überholunfälle geschehen dort, wo Überholen nicht durch ein Überholverbot untersagt ist.

·Die meisten Überholunfälle (72%) geschehen in Abschnitten mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

·Strecken mit Überholverboten haben ein geringeres Unfallrisiko und die Unfälle sind weniger schwer (geringere Unfallrate und Unfallkostenrate).

·Strecken mit Geschwindigkeitsbeschränkungen von weniger als 100 km/h weisen ein noch geringeres Unfallrisiko und geringere Unfallschwere auf.

·Etwa 71 Prozent der Unfälle ereigneten sich im Einflussbereich von Kurven. Je enger die Kurven sind, umso mehr Überholunfälle konnten festgestellt werden. Bei mehr als zwei Drittel dieser Kurven waren zudem keine Überholverbote angeordnet.

·Rund 70 Prozent der Überholunfälle geschahen in Bereichen mit geringeren Sichtweiten als in den Richtlinien für die Anlage von Landstraßen für einen sichern Überholvorgang gefordert werden. 24 Prozent weisen sogar Sichtweiten unterhalb der in den Richtlinien für Markierungen von Straßen geforderten Grenzwerte auf.

Empfehlungen:

Aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen empfiehlt die UDV:

·Das Risiko bei einer Überholung ist hoch. Deshalb sollten in Bereichen mit unzureichenden Sichtweiten generell Überholverbote angeordnet werden, um Verhaltensfehler zu unterbinden.

·Überholverbote reduzieren das Unfallrisiko und die Unfallschwere.

·Eine zusätzliche Reduzierung des Unfallrisikos und der Unfallschwere beim Überholen lässt sich durch die Anordnung einer Geschwindigkeitsbeschränkung erzielen.

· In Knotenpunktbereichen sind klare und wirksame Überholverbote anzuordnen.

Darüber hinaus kann durch den Bau von Überholfahrstreifen (2+1-Straßen) der Überholdruck gemindert werden. Auch geringere Geschwindigkeiten tragen zum Abbau des Überholdrucks bei. Die Entwicklung geeigneter Fahrerassistenzsysteme könnte zudem zukünftig die Überholmanöver sicherer machen. Bei der Fahrausbildung und mit gezielten Sicherheitskampagnen sollte auf die Gefahren beim Überholen und das richtige Überholverhalten hingewiesen werden, denn verbotswidriges Überholen ist kein Kavaliersdelikt.

 

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