Münsters Partnerstadt zwischen Flut & Brexit

Es regnet als der Zug in den Bahnhof einfuhr. Irgendwie spiegelt dieses Wetter die Stimmung_DSC0780 in York wieder. Ebenso wie Münster wurde die Stadt zum Opfer einer großen Regenkatastrophe, und jetzt kam auch noch der Brexit. Das Münster Journal fand es wichtig, einmal direkt vor Ort zu recherchieren. Dabei half der Lord Mayor (Oberbürgermeister) von York, Dave Taylor. Er gehört der Green Party an und somit ist er der erste „Grüne“ Lord Mayor in York. Allerdings wird der Lord Mayor in England jeweils nur für ein Jahr gewählt

Das zurzeit brennende Thema in England ist natürlich der Brexit, und Taylor betont immer wieder, York hat mit 58 Prozent für den Verbleib in der EU gestimmt. Man hätte deutlich sehen können, dass Städte mit wenig Arbeitslosen und einem Bildungsbürgertum in der Regel für einen Verbleib gestimmt hätten. Dieses könne man schon an den Städten Harrogate und Leeds erkennen. Auch sie haben ein Bildungsbürgertum und eine geringe Arbeitslosigkeit. Auch hier wurde für den Verbleib in der EU gestimmt.

Besonders die „ärmeren“ Regionen waren für den Austritt. Aber auch die Jungen hätten sich klar für den Verbleib ausgesprochen. Vor einigen Tagen hätte es noch eine Demo für den Verbleib in der EU gegeben, mit tausenden von Teilnehmern.

york-909203_640Auf die folgenden Auswirkungen zur Partnerstadt durch den Brexit angesprochen, hoffen alle Beteiligte auf eine gute freundschaftliche Fortführung der Städtepartnerschaft. Oberbürgermeister Markus Lewe hatte Dave Taylor seine Besorgnis zum Brexit mitgeteilt und ihn nach Münster eingeladen. Weiterhin teilte er seinem englischen Amtskollegen mit, „Die nationale Identität ist sehr wichtig. Sie haben die britische Identität, wir haben die deutsche Identität. Gemeinsam haben wir aber auch die Identität Europas. Ich wünschte, wir leben friedlich zusammen in einem Europa der Freiheit. Dem kann sich der Lord Mayor nur anschließen, er ist es sehr betrübt über den Stand der Dinge und es ist ihm extrem wichtig, immer wieder zu betonen, dass York gegen den Brexit war. Er wäre lieber in der EU geblieben.

Danach sprachen wir über die Katastrophe vor dem Brexit, die Flut von 2015. Genau am ersten Weihnachtstag 2015 versank die Altstadt von York in den Fluten des Flusses Foss. Das kleine Flüsschen Foss, war über die Ufer getreten. Eigentlich hatte man damit gerechnet, dass die Gefahr vom dem größeren Fluss Ouse ausgehen würde. Also hatte man dort in weiser Voraussicht ein Stauwehr gebaut, damit der Ouse nicht in den Foss fließen kann. Doch bedingt durch die immer noch anhaltenden Regenfälle, führte der Ouse so viel Wasser mit sich, dass man das Wehr in größter Not öffnen musste um größeren Schaden abzuwenden.

So kam es dass der Foss die Altstadt von York überflutete. „Dieses konnte man nicht vorhersehen“, meinte Taylor. Doch in den Tagen vor Weihnachten hatte es so viel geregnet, dass der Ouse voll war.

Für York kam damit eine gewaltige Katastrophe auf die Menschen zu. Gerade inhigh-water-141527_640den tiefer liegenden Gebieten lagen wichtige öffentliche Gebäude, wie z. B. das Landwirtschaftsministerium und die Telefongesellschaft des Bezirkes, die ebenfalls in den Fluten versank. Das Ergebnis – Kein Telefon, kein Handy und kein Internet. Die rund 204.000 Einwohner wurden in eine kommunikative Steinzeit versetzt, die Stadt verstummte.

Erst nachdem die Fluten weg waren, konnte man sich an die Schadensbeseitigung machen. Dieses dauerte natürlich auch ein paar Tage. „Vor so einer Flut kann sich York nicht schützen“, so der Lord Mayor weiter, „denn so hohe Mauern können wir gar nicht bauen.“ Ursache sei ganz klar der Klimawandel, der wohl auch in der Partnerstadt Münster ein Jahr zuvor für eine große Katastrophe durch Regenmassen gesorgt habe.

Danach musste der Lord Mayor zu weiteren Terminen und gab uns noch viele Grüße an den Lord Mayor of Münster, und all seiner Einwohner in der Partnerstadt mit.