Gelb-Schwarz stellt Bürger unter Generalverdacht – Ein Kommentar

Hurra, endlich habe ich mein Vertrauen zur Polizei wieder zurück. Durch die Aufhebung der Pflicht zur individuellen Kennzeichnung der Polizisten einer Einsatzhundertschaft lebe ich endlich wieder auf. Es war eine Katastrophe in den Jahren dieser halb-kommunistischen rot-grünen Regierung wie das Vertrauen in die Polizei immer mehr schwand, da die Polizisten einer Hundertschaft individuell gekennzeichnet waren. Ständig schaute ich mich am Wochenende um, ob nicht wieder ein Einsatzwagen der münsterschen Hundertschaften über die Weseler Straße nach Münster hereinfuhren oder über sie heraus. Ich musste ja damit rechnen, dass ein individuell-gekennzeichneter Polizist aus dem Wagen sprang und mich verprügelte. Zum Glück sind jetzt diese Zeiten vorbei.

Diese Halbkommunisten von Rot-Grün sind endlich abgewählt und eine aufrechte Regierung sorgt endlich wieder dafür, dass ich jenen Polizisten, der mir mal so eben ohne Rechtsgrundlage seinen Gummiknüppel übern Schädel zieht, nicht identifizieren kann. Danke, da fühle ich mich doch gleich sicherer in Münster.

Was sagt denn die münstersche CDU dazu: „Die schwarz-gelbe Landesregierung hat Vertrauen in das rechtsstaatliche Handeln der Polizei und hebt folgerichtig die unter rot-grün eingeführte überflüssige Kennzeichnungspflicht der Beamtinnen und Beamten auf“, stellen Alexander Koch und Christoph Kunstlewe, Leiter des Arbeitskreises (AK) Innere Sicherheit der CDU Münster, zufrieden fest. Die Polizei in NRW habe in den vergangenen Jahren durch ihr Verhalten keinen Anlass zu Misstrauen gegeben. Das Gegenteil sei der Fall: „Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürgern in NRW zu ihrer Polizei ist auf einem so hohen Niveau, dass es keiner Individualkennzeichnung bedarf“, sagt Alexander Koch und weist den Vorwurf von Bündnis 90/Die Grünen zurück, durch die Rücknahme der Kennzeichnungspflicht würde ein Vertrauensverlust gegenüber der Polizei entstehen. Die Zuordnung eines jeden Beamten in geschlossenen Einheiten wie Bereitschaftspolizei oder Alarmeinheiten bis auf die Gruppe sei auch weiterhin gegeben, ergänzt Kunstlewe. „Wir lassen unsere Polizei nicht kriminalisieren und vertrauen ihrem Handeln, deshalb ist die Gesetzesänderung nicht nur ein wichtiges und richtiges Zeichen an unsere Polizei, sondern auch an den Bürger.“

Dieses schreit doch nach einer klaren Übersetzung. Die Polizei braucht deswegen keine individuelle Kennzeichnung, weil in der Zeit der Kennzeichnungspflicht nichts passiert ist und weil sich die Polizei immer rechtsstaatlich verhält. Puh, das ist starker Tobak. Wer so etwas als Begründung nimmt, hat entweder etwas Starkes geraucht oder lebt fern jeglicher Realität. Auf die Idee, dass bis jetzt nichts passiert ist, weil die Polizisten individuell gekennzeichnet waren, kommen die beiden Herren erst gar nicht.

Können sie sich noch an den Hamburger Kessel erinnern? Ich schon. Im höchsten Maße illegales Verhalten der Polizei. Außerdem ist es wissenschaftlich erwiesen, dass in größeren Gruppen die Persönlichkeitsmerkmale die in einer Bevölkerung vorherrschen auch in der Gruppe im gleichen Ausmaße vorhanden sind. Haben in der Bevölkerung z.B. 1% das Helfersyndrom, so sind in einer größeren Gruppe auch ca. 1% mit Helfersyndrom vorhanden. Dieses gilt aber auch für negative Merkmale wie z.B. latente Gewaltbereitschaft. Wer glaubt dieses wäre bei der Polizei anders, der lebt nicht im hier und jetzt.

Ich habe Vertrauen in die Polizei. Mein Vater war bei der Polizei, aber auch er sagt, die individuelle Kennzeichnung war KEINE Vorverurteilung der Polizei, sondern eine vertrauensfördernde Maßnahme. So vergisst Kunstlewe ganz beiläufig zu erwähnen, wie eine Identifizierung der einzelnen Polizisten einer Gruppe von gleichaussehnenden Individuen ohne Kennzeichnung erfolgen soll. Man muss sich dieses mal auf der Zunge zergehen lassen. Da werden Gesetze erlassen, die dafür sorgen, dass während einer Demo eine Identifizierung der Bevölkerung zu 100% (Stichwort Vermummungsverbot) gelingen soll, während gleichzeitig eine Identifizierung eines Staatsdieners, der dieser Bevölkerung DIENEN soll, verhindert wird. Da stellt der kleine Vertreter den Boss unter Generalverdacht. Das Politiker in Düsseldorf, die schon seit Jahren im Politikbetrieb tätig sind, keine Ahnung mehr vom Denken der Bevölkerung haben, wird hier mal wieder deutlich. Schlimm, dass dieses denken auch in Münster angekommen ist. Den Herren Koch und Kunstlewe kann man nur eins empfehlen, gehet in Euch und sündigt nie wieder, denn mit diesem Gesetzt hat die CDU einen echten Bock geschossen. Aber das ist ja nur meine unbedeutende Meinung.

Symbolfoto: Pixabay