Showdown im Klosterwald

Im idyllischen Wald hinter dem Kloster Hamicolt bei Dülmen wird scharf geschossen. Doch nicht die Jagdsaison wurde eröffnet, eine Filmcrew war hier am Werk. Drei Wochen lang drehte Regisseur Christian Zipfel mit seinem fast 20-köpfigen Team im Münsterland den Historienfilm „Der einsame Hof“. Der große Showdown stand vor wenigen Tagen auf dem Plan.

Er ist einer der wichtigsten Männer an diesem Tag: Waffenmeister Oliver Rasch. Er ist für die Sicherheit zuständig. Aber noch etwas anderes liegt ihm am Herzen: Die Handhabe der Waffen im Film soll so realistisch wie möglich aussehen. Damit dies der Fall ist, nimmt er sich viel Zeit für Gespräche mit dem Hauptdarsteller Michael Witte.

Witte spielt den Bauern Hans, der zwischen seinen Emotionen und einer rationalen Entscheidung hin- und hergerissen ist. Nach langer Krankheit kehrt er zurück auf seinen Hof, der geplündert wurde. Seine Frau ist ermordet, nur Elsie, die Tochter, bleibt ihm. Sie ist schwanger vom Knecht. Um ihr und dem Hof dennoch eine gesicherte Zukunft zu ermöglichen, verlobt Hans Elsie mit dem Nachbarbauern Otto. Erst später erfährt er, dass Otto ein dunkles Geheimnis verbirgt…

Der Historienfilm – er spielt im Jahre 1873 – ist die Abschlussarbeit von vier Studierenden der Internationalen Filmschule in Köln (IFS). Neben Christian Zipfel, der für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet, zählen Daniela Pennekamp (Produktion), Nino Peschel (Kamera) und Nathalie Bender (Editing) dazu. Unterstützt werden sie von Studierenden unterer Semester, von Profischauspielern und sogar von zwei Austauschstudenten aus Indien, die für den Ton verantwortlich sind.

Organisatorisch gab es auch im Vorfeld der Dreharbeiten eine Menge zu tun. Historische Kostüme mussten geliehen, passende Orte ausgesucht werden. Beim Filmservice Münster.Land im städtischen Presseamt lief Produzentin Daniela Pennekamp stets offene Türen ein. „Wir haben historische Bauernhäuser gesucht. Der Filmservice der Stadt Münster war uns dabei eine große Hilfe. Nicola Ebel vermittelte uns den Kontakt zum Hof van Beeck“, erzählt sie. Dort sei seinerzeit auch das Filmdrama „Unter Bauern“ mit Veronica Ferres und Armin Rohde gedreht worden.

Vier Jahre lang schrieb Christian Zipfel am Drehbuch „Der einsame Hof“, arbeitete es wieder und wieder um, bis es ihm endlich drehreif erschien. „Alle Gefühle, die in dem Film verhandelt werden, basieren auf persönlichen Erfahrungen“, sagt er. „Durch den historischen Rahmen schaffen wir eine Distanz. In dieser Form erschien es mir am sinnigsten.“

Zunächst hatte der Autor die Handlung sogar in einer englischen Variante in den USA angesiedelt, bevor er sich für das westfälische Setting in Dülmens Umgebung entschied: „Enge Verwandte besaßen einen Hof in Sprockhövel, daher kenne ich das Milieu ganz gut.“

Dass die Dreharbeiten nun beendet sind, bedauern die Filmleute sehr. Drei Wochen lang lebten sie gemeinsam im Kloster und konnten sich dort voll und ganz auf ihr Projekt konzentrieren. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und sind sehr gut aufgenommen worden von den Schwestern“, freut sich Daniela Pennekamp. Bis Februar soll die Nachbearbeitung des Films beendet sein. „Danach soll der Film auf Festivals laufen“, kündigt sie an.